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Leben und Lernen

Integrationskurse

Bamf stellt bei 24 Trägern "vielfältige Verstöße" fest

Campingstühle im Lernraum, mit Bleistift ausgefüllte Teilnehmerlisten: Mehr als 20 Anbieter von Integrationskursen dürfen diese wegen solcher Mängel nicht mehr durchführen, entschied das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

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Junger Mann beim Lernen: Einige Kursträger müssen "mal mehr, mal weniger nacharbeiten"

Montag, 05.08.2019   16:31 Uhr

Nach "wiederholten und vielfältigen Verstößen" hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt 24 Trägern die Zulassung für Integrationskurse entzogen oder nicht verlängert. Das bestätigte ein Sprecher des Ministeriums dem SPIEGEL. Zuvor hatten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe darüber berichtet.

"Etwa 50 bis 60 Prozent aller Träger absolvieren ihre Kurse ohne jede Beanstandung", sagte Uta Saumweber-Meyer, Abteilungsleiterin Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt beim Bamf, den Zeitungen. "Die restlichen Träger müssen mal mehr, mal weniger nacharbeiten."

Die Bamf-Abteilungsleiterin berichtete von Fällen, in denen ein Kursanbieter anstelle von richtigen Schultischen "nur Camping-Stühle ins Klassenzimmer" gestellt habe. In einigen Fällen seien Teilnehmerlisten "nur mit Bleistift ausgefüllt" gewesen.

Mängel bei den Einstufungstests von Kursteilnehmern nahmen laut Bamf den größten Anteil bei den Beanstandungen ein. Es sei beispielsweise vorgekommen, dass Teilnehmer auf völlig unterschiedlichen Leistungsniveaus im selben Kurs unterrichtet wurden, sagte der Bamf-Sprecher dem SPIEGEL. "Das allein führt nicht zum Verlust der Zulassung", so der Sprecher. "Die gab es erst dann, wenn Träger einen erkennbaren Unwillen zeigten, Mängel abzustellen." Dann also, wenn das Bamf nach einer der unangekündigten Kontrollen Abmahnungen aussprach, sich der jeweilige Träger aber nicht regte und keine Veränderungen anstieß.

Integrationskurse bestehen in der Regel aus aufeinander aufbauenden Unterrichtseinheiten: Los geht es mit Sprachkursen, dann folgen Orientierungskurse, in denen unter anderem Geschichte, Rechtsordnung und Werte auf dem Stundenplan stehen. Das Bamf koordiniert die Kurse und ist für deren Zulassung zuständig. Der Standardkurs beinhaltet 600 Unterrichtseinheiten je 45 Minuten im Sprach- und 100 Einheiten im Integrationsteil, also insgesamt 525 Stunden.

Bamf kontrollierte 90 Prozent aller Träger

Wer neu zugewandert ist und kein oder nur wenig Deutsch beherrscht, kann von den Behörden zur Teilnahme verpflichtet werden. Das gilt auch für Ausländer, die Hartz IV beziehen, sowie Asylbewerber, die staatliche Unterstützung bekommen.

Fast 90 Prozent aller Kursträger wurden laut Bamf 2018 kontrolliert, das waren 1495 von 1707 zugelassenen Anbietern:

Es sei nicht beunruhigend, dass das Bamf in den vergangenen beiden Jahren insgesamt 24 Trägern, die Zulassung entzog. "Das sind nur 1,4 Prozent aller Träger. Heruntergebrochen ist das nur ein Zulassungsentzug pro Monat", sagte der Bamf-Sprecher. "Es wäre uns natürlich lieber, wenn alle Anbieter die Kontrollen bestanden hätten - aber das wäre unrealistisch. Mit dieser Zahl können wir gut leben."

Wer an allen Integrationskursen teilgenommen hat, soll danach so gut Deutsch sprechen, dass er im Alltag zurechtkommt. Das schaffen viele nicht sofort: Jeder zweite Zuwanderer, der hierzulande zum ersten Mal teilgenommen hat, erreicht das angestrebte Kursziel nicht auf Anhieb. Das ging im April dieses Jahres aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des AfD-Abgeordneten René Springer hervor.

Demnach haben im vergangenen Jahr 51,5 Prozent der 172.471 Migranten, die erstmalig an einem solchen Kurs teilnahmen, das sogenannte Sprachniveau B1 nicht erreicht. Wer mit B1 abschließt, weist laut Bamf nach, dass er ein Gespräch aufrecht erhalten und in alltäglichen Situationen ausdrücken kann, was er sagen möchte.

Allerdings fällt nicht jeder Teilnehmer, der den Kurs nicht mit B1 beendet, automatisch in der Prüfung durch. Einige treten diese gar nicht erst an - und viele erreichen immerhin das eine Stufe niedrigere Niveau A2, auf dem sie Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen und sich in einfachen Situationen verständigen können.

nil/dpa

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