Schrift:
Ansicht Home:
Leben und Lernen

Umfrage

Lehrer bemängeln die Handschrift ihrer Schüler

Zu unleserlich, zu langsam: Lehrer schimpfen schon länger über die Handschrift ihrer Schüler. Doch laut einer Umfrage ist die Unzufriedenheit zuletzt noch deutlich gewachsen.

Jan Woitas/ZB/dpa

Eine Schülerin übt Schreibschrift (Archivbild 2016)

Dienstag, 09.04.2019   15:43 Uhr

Die Handschrift der Schülerinnen und Schüler habe sich verschlechtert, finden Lehrkräfte bundesweit. Das geht aus einer Umfrage unter rund 2000 Lehrern hervor, die der Verband für Bildung und Erziehung (VBE) und das Schreibmotorik Institut durchgeführt haben.

Die befragten Grundschullehrer sagten, dass durchschnittlich 37 Prozent der Kinder Probleme hätten, eine gut lesbare, flüssige Handschrift zu entwickeln. Lehrkräfte an weiterführenden Schulen sehen im Schnitt sogar bei 43 Prozent ihrer Schülerinnen und Schüler solche Schwierigkeiten.

Die weitaus meisten Lehrerinnen und Lehrer (89 Prozent im Primarbereich und 86 Prozent im Sekundarbereich) gaben an, dass es Schülern seit einigen Jahren schwerer falle als früher, eine leserliche Handschrift zu entwickeln.

Bereits 2015 hatte das Schreibmotorik Institut eine Umfrage zum Thema Handschrift veröffentlicht. Damals hatten 83 Prozent der Lehrkräfte an Grundschulen und 79 Prozent an weiterführenden Schulen eine Verschlechterung der Handschrift festgestellt.

Was allerdings als leserliche Handschrift gilt, ist in der Studie nicht näher definiert. Das beruhe auf dem subjektiven Urteil jeder einzelnen Lehrkraft, teilte der VBE mit.

Weitere Ergebnisse der Umfrage:

Die Ursachen liegen laut den Lehrkräften in mangelnder Routine, schlechter Motorik und Koordination sowie in Konzentrationsproblemen. Auch empfindet mindestens jeder zweite Lehrer den starken Medienkonsum seiner Schüler als problematisch. Viele bemängelten, dass es ihnen an Zeit fehle, das Handschreiben mit den Schülern zu üben.

"STEP 2019" - Studie zu Handschrift

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Der Verband Bildung und Erziehung hat die Umfrage "STEP 2019 - Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben" gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut durchgeführt. Der VBE vertritt bundesweit rund 164.000 Lehrkräfte. Das Schreibmotorik Institut ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 2012 in Vorträgen, Beratungen und Forschungsprojekten für das Schreiben mit der Hand einsetzt.
Wann wurde sie durchgeführt?
Die Onlinebefragung fand von September 2018 bis Januar 2019 statt.
Sind die Ergebnisse repräsentativ?
Mehr als 2000 Lehrkräfte aus allen Bundesländern haben sich an der Umfrage beteiligt. Eine Gewichtung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde anhand aktueller Lehrerzahlen nach Primar-/Sekundarbereich und dem jeweiligen Bundesland in Deutschland vorgenommen, sodass die Studie als repräsentativ gilt.

"Das Schreiben mit der Hand ist genauso wichtig wie das Lesen und die Rechtschreibung", sagt Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts. "Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt."

Der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann sagt: "Es ist essenziell, dass die Schülerinnen und Schüler schreiben lernen, denn hier werden andere Denkprozesse als beim Tippen angestoßen."

Ob Schülerinnen und Schüler allerdings tatsächlich unleserlicher schreiben als früher oder ob es ihre Lehrer nur so empfinden, löst die aktuelle Umfrage nicht auf. "Schon in früheren Jahrhunderten haben sich Lehrer über die handschriftlichen Fähigkeiten ihrer Schüler beschwert", sagt Schriftforscherin Sibylle Hurschler Lichtsteiner von der Pädagogischen Hochschule Luzern. Für eine objektive Einschätzung sei eine empirische Studie mit den Schülern nötig.

Auch die emeritierte Grundschuldidaktikerin Angelika Speck-Hamdan von der Ludwig-Maximilians-Universität München hält eine ergänzende Untersuchung mit Schülern für nötig. Die Lehrerstudie sei zwar wichtig, da sie den Finger in eine Wunde lege. Sie bilde aber vor allem Vermutungen von Pädagoginnen und Pädagogen ab.

ngo/dpa

insgesamt 149 Beiträge
ahasoisses 09.04.2019
1. Danke an die Digitalisierung
Na, das ist ja kaum zu erwarten gewesen, nachdem die Handschrift schon fast wegdigitalisiert wurde. Welche Schreibschrift ist denn gemeint?? Je nach Klasse, Schule, Stadt und Bundesland gibt es da ja schon gravierende Unterschiede [...]
Na, das ist ja kaum zu erwarten gewesen, nachdem die Handschrift schon fast wegdigitalisiert wurde. Welche Schreibschrift ist denn gemeint?? Je nach Klasse, Schule, Stadt und Bundesland gibt es da ja schon gravierende Unterschiede in den Lee(h)rplänen.
m_aus_w 09.04.2019
2. Lehrer schimpfen ?
schimpfen? Was ist das hier denn für eine Ausdrücksweise? Erst ist von bemängeln die Rede, was ja ok ist, aber schimpfen? Sind wir hier bei der Bild?
schimpfen? Was ist das hier denn für eine Ausdrücksweise? Erst ist von bemängeln die Rede, was ja ok ist, aber schimpfen? Sind wir hier bei der Bild?
noalk 09.04.2019
3. Der anfang vom Ende ...
... der handschriftlichen Fähigkeiten war vor Jahrzehnten die Abschaffung des Schönschreibens in der Grundschule. Meine Prognose: Es wird noch schlimmer werden.
... der handschriftlichen Fähigkeiten war vor Jahrzehnten die Abschaffung des Schönschreibens in der Grundschule. Meine Prognose: Es wird noch schlimmer werden.
The Restless 09.04.2019
4.
Früher haben wir halt so lange üben müssen, bis es klappte mit der Schönschreibung. Manche Seite habe ich zwei oder dreimal schreiben müssen. Ist heute alles nicht zumutbar, die Kinder dürfen ja nicht gedrillt werden.
Früher haben wir halt so lange üben müssen, bis es klappte mit der Schönschreibung. Manche Seite habe ich zwei oder dreimal schreiben müssen. Ist heute alles nicht zumutbar, die Kinder dürfen ja nicht gedrillt werden.
camshaft_in_head 09.04.2019
5. nunja
ich als Linkshänder war vor über 30 Jahren auch einer der Schüler die aufgrund dessen eine Sauklaue hatten. Meine Grundschullehrerin wollt mich sogar zum Rechtsschreiben drängen! Man kann niemanden zum schönschreiben zwingen, [...]
ich als Linkshänder war vor über 30 Jahren auch einer der Schüler die aufgrund dessen eine Sauklaue hatten. Meine Grundschullehrerin wollt mich sogar zum Rechtsschreiben drängen! Man kann niemanden zum schönschreiben zwingen, wichtig ist eher das dieses grammatisch korrekt geschieht. Ich hatte in Dikaten nur 1er und 2er :D
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP