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Leben und Lernen

Modellrechnung

Ganztagsschulen zahlen sich aus - auch für den Staat

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung ist teuer. Doch das Geld ist bestens investiert, sagen Forscher. Sie sehen Vorteile für Kinder, Eltern - und die öffentlichen Kassen.

DPA

Grundschülerin in Baden-Württemberg (Archivbild)

Von
Freitag, 22.03.2019   18:07 Uhr

Es ist ein zentrales Versprechen der Bundesregierung: Eltern sollen ab dem Jahr 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen bekommen, heißt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Allerdings fehlen dafür noch über eine Million Plätze. Zurzeit besuchen nur rund 40 Prozent der 2,8 Millionen Grundschüler eine Ganztagsschule.

Um die Ankündigungen umzusetzen, müssen die meisten Bundesländer gewaltig investieren. Denn die regionalen Unterschiede sind groß. In Hamburg liegt die Quote bei der Ganztagsbetreuung bei 98,2 Prozent, in Baden-Württemberg gerade einmal bei 16,7 Prozent.



Dass sich die Investition in zusätzliche Betreuung auszahlen würde, rechnet nun eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vor, die dem SPIEGEL exklusiv vorliegt.

Die Forschergruppe um die Ökonomen Tom Krebs und Martin Scheffel kommt in einer Modellrechnung zu dem Ergebnis, dass der Ausbau der Ganztagsbetreuung sowohl für Kinder als auch für Eltern und den Staatshaushalt positive Effekte hätte:

Die Forscher nehmen für ihre Berechnung an, dass der Bund zusätzlich zu den versprochenen zwei Milliarden Euro Anschubfinanzierung für den Ausbau von 500.000 Ganztagsplätzen dieselbe Summe in der nächsten Wahlperiode zuschießt. Die Investitionen in den Ausbau von dann einer Million Plätzen sowie die zusätzlichen Ausgaben für Personalkosten würden sich binnen 17 Jahren amortisieren, berechnen die Wissenschaftler.

Schwächen der Studie

Da es sich um eine Modellrechnung handelt und die Forscher eine Zukunftsprognose erstellen, gibt es keine Garantie, dass die Annahmen so auch tatsächlich eintreffen. Das Modell beruht aber auf realen Daten. "Jede Annahme ist empirisch fundiert", betont Volkswirtin und Mitautorin Manuela Barisic. Zudem seien die Annahmen so gewählt, dass die Forscher die Effekte - etwa wie viele Mütter aufgrund des Betreuungsangebots mehr arbeiten - eher unter- als überschätzten.

Mehr zur Studie

Wer hat die Studie durchgeführt?
Die Bertelsmann-Stiftung hat die Studie in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde sie von Tom Krebs, Professor an der Uni Mannheim, Martin Scheffel vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie Manuela Barisic und Dirk Zorn, Wissenschaftler der Bertelsmann Stiftung. Titel der Untersuchung: "Zwischen Bildung und Betreuung. Volkswirtschaftliche Potenziale des Ganztags-Rechtsanspruchs für Kinder im Grundschulalter"
Welche Daten wurden genutzt?
Für die Zukunftsprognose haben die Forscher ein Makromodell der deutschen Volkswirtschaft entwickelt, das unter anderem mit Daten aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamts gespeist wurde. Annahmen darüber, wie Schulen ausgestattet sein müssen, damit die Schüler profitieren, orientieren sich hingegen an dem 2017 entwickelten Konzept von "Mehr Schule wagen". Alle Annahmen zur Betreuungs-und Bildungsrendite sowie zur Entwicklung des Produktionspotenzials der deutschen Volkswirtschaft sind laut der Studie so gewählt, dass sie die beschriebenen Effekte eher unterschätzen.

Dazu kommt: So positiv die Erkenntnisse der Wissenschaftler wirken, so unwahrscheinlich ist es, dass der flächendeckende Ausbau des Ganztags in den kommenden Jahren gelingt. Die Kommunen lehnen das Recht auf Ganztagsbetreuung ab. Es sei zum einen finanziell nicht machbar, gab der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der neuen Bundesregierung im vergangenen Jahr mit auf den Weg. Er schätzte die Kosten bis 2025 auf bis zu 18 Milliarden Euro.

Damit übersteigt seine Annahme die der Bertelsmann Stiftung. Die Wissenschaftler gehen in ihrer Berechnung neben den vier Milliarden Euro Investitionskosten des Bundes von jährlich einer Milliarde Euro für zusätzliche Personalkosten aus.

Zum anderen fehle es an Personal. Der Lehrermangel in Deutschland ist schon jetzt groß, doch für den Ausbau würden zusätzliche Lehrkräfte benötigt. Laut Städte- und Gemeindebund würden bis zum Jahr 2025 mehr als 600.000 Erzieher und Lehrer gebraucht. Der Bildungsforscher Klaus Klemm geht von zusätzlich 102.000 Lehrkräften aus.

Um diese Probleme weiß auch Studienmitautor Dirk Zorn. Auch er bezweifelt, dass es bereits bis 2025 genügend Ganztagsplätze gibt, sagte er auf Anfrage des SPIEGEL. Die Politik müsse sich aber rasch zu einem konsequenten Ausbau bekennen. "Dazu gehört, dass die Kultusminister jetzt den zusätzlichen Bedarf an Lehrkräften für den Ganztagsausbau in ihren Lehrerbedarfsprognosen berücksichtigen", so Zorn.

Denn nur wenn jetzt neue Lehrer ausgebildet werden, seien sie in ein paar Jahren für die Grundschüler im Ganztagssystem da. Die Berechnung seines Forscherteams verliere bis dahin nicht an Gültigkeit.

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insgesamt 56 Beiträge
Dres-- 22.03.2019
1. Zahlt sich für KINDER aus???
Ich muss mich schon sehr wundern! Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, um 4 oder halb 5 nachmittags und ich sehe, wie mir die armen Grundschüler mit ihren Schulranzen entgegen kommen, dann muss ich mir immer wieder die [...]
Ich muss mich schon sehr wundern! Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, um 4 oder halb 5 nachmittags und ich sehe, wie mir die armen Grundschüler mit ihren Schulranzen entgegen kommen, dann muss ich mir immer wieder die gleiche Frage stellen: Was tun wir unseren Kindern da an? Und weiter: Womit rechtfertigen wir das? Es zahlt sich für die Kinder aus? Wie kann man uns/die Kinder/sich so belügen? Gerade in der "dunklen Jahreszeit" bedeutet es für Schüler, keine Chance zu haben draußen bei Tageslicht zu spielen. Es sind KINDER! Sie müssen spielen und nicht den ganzen Tag darauf getrimmt und optimiert zu werden, in der gleichen stressigen Welt zu leben wie wir. Für all diejenigen, die arbeiten müssen um die Familie zu ernähren: Das ist keine Kritik an euch! Es sollte die Aufgabe der Politik sein, Familien finanziell so auszustatten, dass eine kindgerechte Erziehung und nicht eine reine "Aufbewahrung" gewehrleistet ist.
OberstSL 22.03.2019
2. All die ganzen Jahre...
...wird uns gesagt, das unsere Gesellschaft schrumpft. Und jetzt gibt es plötzlich einen Mangel in allen Gesellschaftsschichten. Wie ist das vereinbar? Wir müssen sparen, sparen, sparen. Wir haben keine Kinder mehr und [...]
...wird uns gesagt, das unsere Gesellschaft schrumpft. Und jetzt gibt es plötzlich einen Mangel in allen Gesellschaftsschichten. Wie ist das vereinbar? Wir müssen sparen, sparen, sparen. Wir haben keine Kinder mehr und müssen uns auf Altersarmut einstellen.. ...und jetzt gibt es plötzlich einen Lehrer- und Erziehermangel. Häh! Das verstehe ich nicht.
rainerwäscher 22.03.2019
3.
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, erinnere ich mich an die sechste Stunde gegen halb zwei und wie müde wir da schon waren. Dann tun mir die Kinder leid, die sogar noch 2-3 Stunden länger in der muffigen Penne gefangen [...]
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, erinnere ich mich an die sechste Stunde gegen halb zwei und wie müde wir da schon waren. Dann tun mir die Kinder leid, die sogar noch 2-3 Stunden länger in der muffigen Penne gefangen sind. Ganztagsschule, damit beide Eltern Geld verdienen können, gab es damals nicht. Und obwohl nur 10 % Abitur gemacht haben, ist aus der Bundesrepublik Deutschland ein funktionierender wohlhabender Staat geworden.
Urzweck 22.03.2019
4. Arbeitszwang?
Bedeutet das, dass dann beide Eltern arbeiten müssen, nur weil es geht? Werden dann alle Schulen Ganztagsschulen, in denen es Nachmittags keinen Unterricht gibt, sondern Aufbewahrung, äh Hausaufgabenbetreuung? Das ist ein [...]
Bedeutet das, dass dann beide Eltern arbeiten müssen, nur weil es geht? Werden dann alle Schulen Ganztagsschulen, in denen es Nachmittags keinen Unterricht gibt, sondern Aufbewahrung, äh Hausaufgabenbetreuung? Das ist ein Grund, weniger statt mehr Kinder zu bekommen.
dummzeuch 22.03.2019
5. Qualifiziertes Personal?
Wo soll das denn plötzlich herkommen? Es fehlt doch jetzt schon überall an Lehrern. Und Grundschüler werden auch nicht für das Klima streiken, so dass man ihnen den Unterrichtsausfall nicht in die Schuhe schieben kann.
Wo soll das denn plötzlich herkommen? Es fehlt doch jetzt schon überall an Lehrern. Und Grundschüler werden auch nicht für das Klima streiken, so dass man ihnen den Unterrichtsausfall nicht in die Schuhe schieben kann.

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