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Leben und Lernen

Berliner Grundschule

Tote Schülerin war laut Rektorin kein Mobbingopfer

Der Tod einer Elfjährigen in Berlin hat Anfang Februar eine Debatte über Mobbing an Schulen ausgelöst. Nun hat sich die Schulleiterin bei einer Expertenanhörung zu den Vorwürfen geäußert.

DPA

Anfang Februar erinnern Stofftiere, Blumen und Kerzen an eine Grundschülerin in Berlin-Reinickendorf

Donnerstag, 28.02.2019   16:21 Uhr

Der Tod einer elfjährigen Schülerin Ende Januar in Berlin geht nach Angaben der Schulleiterin nicht auf Mobbing zurück. "Die Schülerin, die verstorben ist, war kein Mobbing-Opfer", sagte Daniela Walter am Donnerstag bei einer Anhörung zum Thema Mobbing im Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Der Tod des Mädchens, das die Hausotter-Grundschule in Berlin-Reinickendorf besuchte, war Anfang Februar bekannt geworden. Er hatte viele Menschen erschüttert und eine breite Debatte ausgelöst. Es ging um die Frage, ob Mobbing an der Schule zu einem Suizidversuch der Grundschülerin geführt haben könnte. Elternvertreter berichteten in verschiedenen Medien von einem Mobbing-Problem an der Schule.

Walter sagte nun dem SPIEGEL, im vierten Schuljahr habe es in ihrer Klasse zwar Konflikte mit zwei Mädchen gegeben, die viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hätten. Dabei habe es sich weder um typisches Mobbing gehandelt, noch habe die verstorbene Schülerin im Mittelpunkt dieses Konflikts gestanden. Anfang der fünften Klasse seien die Mädchen aufs Gymnasium gewechselt. Das Miteinander in der Klasse habe sich seitdem sehr verbessert.

Ein ruhiges Mädchen

Zu der verstorbenen Schülerin sagte Walter, das Mädchen sei sehr ruhig gewesen. Weder sie noch ihre Eltern seien vor ihrem tragischen Tod mit Sorgen oder Problemen an das Kollegium herangetreten.

Auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern des Mädchens sei die Schulleitung zunächst sehr zurückhaltend mit Informationen über den Tod umgegangen. Sie habe aber von Anfang an mit den Eltern in engem Kontakt gestanden, sagte Walter. Sie betonte zudem, die Familie des Mädchens habe bis heute nichts zur Todesursache gesagt.

Die Kritik einiger anderer Eltern, Probleme unter den Teppich kehren zu wollen, wies Walter entschieden zurück. "Wir vertuschen nichts", sagte sie dem SPIEGEL.

Bislang noch keine offizielle Bestätigung der Todesursache

Eine offizielle Bestätigung der Todesursache sowie gesicherte Informationen zu möglichen Hintergründen gibt es bis heute nicht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die wie in solchen Fällen üblich, ein Todesermittlungsverfahren führt, ergab die Obduktion keine Hinweise auf Gewalteinwirkung durch Dritte.

Auch die Expertenanhörung im Abgeordnetenhaus war eine Reaktion auf die Vorgänge. Mehrere Fachleute aus Wissenschaft und Beratungsstellen machten dabei deutlich, dass Mobbing an Schulen oft vorkommt.

Die Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Eileen Hager, sagte: "Mobbing ist an den Schulen ein tagtägliches Phänomen." Die Hemmschwelle sei unter anderem aufgrund der sozialen Medien gesunken. Vielfach werde das Problem nicht offen angesprochen.

"Das Thema Gewalt an Berliner Schulen ist für uns ein sehr relevantes Thema", versicherte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Mobbing sei eine schlimme Form von Gewalt, verbunden mit seelischen oder körperlichen Verletzungen. Dem müsse man konsequent entgegentreten. Der Berliner Senat habe dazu in der Vergangenheit auch einiges angeschoben. Als Beispiele nannte sie Beratungsstellen und die Einstellung von 500 Schulsozialarbeitern.

Am Mittwoch hatte Scheeres ein weiteres Maßnahmenpaket angekündigt. Unter anderem will sie einen Schüler als eine Art Anti-Mobbing-Beauftragten benennen. Geplant seien zudem verpflichtende Fortbildungen für Schulleitungen, eine Überarbeitung des Meldeverfahrens für Gewalt- und Mobbingvorfälle und ein Ausbau der Anti-Mobbing-Kurse für Eltern und pädagogisches Personal.

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lov/sun/dpa

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