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Leben und Lernen

Kinderfotos bei WhatsApp und Facebook

Was Eltern posten dürfen - und was nicht

Ein lustiges Babybild in der WhatsApp-Gruppe, der Kindergeburtstag auf Facebook: Viele Eltern teilen regelmäßig Fotos von ihrem Nachwuchs. Und verstoßen dabei oft gegen geltendes Recht.

Getty Images/Westend61

Fotoshooting beim Essen - Erlaubt oder nicht?

Ein Interview von
Sonntag, 02.06.2019   20:16 Uhr

SPIEGEL ONLINE: Frau Straßner, was sollten Eltern beachten, wenn sie Fotos im Internet hochladen?

Nina Straßner: Erst nachdenken, dann posten. Das gilt nicht nur für Eltern. Das Internet vergisst nie, und ich bin heilfroh, dass es noch keine sozialen Netzwerke gab, als ich Teenager war. Mein Ruf wäre im Eimer gewesen, bevor ich überhaupt einen gehabt hätte. Das Veröffentlichen von Fotos ist zudem vielen juristischen Regeln unterworfen.

ZUR PERSON

SPIEGEL ONLINE: Konkretes Beispiel: Ich habe ein Foto von meinem Sohn gemacht, der in seinem Zimmer spielt. Darf ich das Foto auf Facebook hochladen?

Straßner: Hier erhitzen sich die Gemüter regelmäßig, ob man Kinderbilder posten sollte oder nicht. Rechtlich gilt: Natürlich haben auch Kinder ein Recht am eigenen Bild, aber das nehmen bis zur Volljährigkeit in letzter Konsequenz die Eltern war. Die Grenzen verschwimmen, je älter und reifer die Kinder werden.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt?

Straßner: Eltern, die ein Foto ihres Sechzehnjährigen gegen seinen Willen posten, werden sich nicht auf ihr Sorgerecht berufen können. Eltern haben die Pflicht, auch die Persönlichkeitsrechte des Kindes verantwortungsvoll wahrzunehmen und dürfen sie nicht verletzen. Was eine solche Verletzung ist, lässt sich aber nicht pauschal sagen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es einen Unterschied zwischen Facebook und anderen Kanälen, wie zum Beispiel Instagram?

Straßner: Werden Inhalte in sozialen Netzwerken gepostet, veröffentlicht man ein Bild, denn beim Posten wird dafür ein eigener Beitrag erstellt. Im Sinne des Urheberrechts handelt es sich um eine "öffentliche Zugänglichmachung". Daher sollte man nur Bilder posten, von denen man auch der Urheber ist oder wenn man die Erlaubnis dazu von demjenigen bekommen hat. Sonst droht eine Abmahnung des Urhebers und/oder des abgebildeten Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt es, dass sich die meisten Plattformen umfangreiche Nutzungsrechte an den hochgeladenen Bildern übertragen lassen?

Straßner: Bis jetzt ist das reine Theorie, noch hat kein Plattformbetreiber Bilder von Nutzern in dem Umfang genutzt, wie er es eigentlich könnte. Er dürfte die Fotos zum Beispiel für eigene Zwecke verwenden. Rechtlich wäre das möglich. Darum gilt hier besonders: Darauf achten, was man so postet und dass man selbst alle Rechte daran besitzt. Juristisch sind nicht nur Urheber- und Persönlichkeitsrechte betroffen.

SPIEGEL ONLINE: Mein Sohn hält einen Lego-Stein in die Kamera. Darf ich das posten oder ist das schon Werbung?

Straßner: Falls Sie auf Urheberrechte und Markenrechte anspielen, ist LEGO eine Marke und hat die Rechte hieran. Das Urheberrecht am Foto liegt bei Ihnen, aber das Recht am Motiv eben nicht automatisch. Wenn eine Marke nur unwesentliches "Beiwerk" ist, darf sie auf Fotos zu sehen sein. Außerdem kommt es drauf an, wo ein Bild gepostet wird und ob Sie ein Influencer sind, also ein Blogger, der mit genau solchen Motiven wirtschaftliche Interessen verfolgt. Dann müssten Sie es unter Umständen sogar als Werbung kennzeichnen. Rechtlich ist das ein unendlich weites Feld.

SPIEGEL ONLINE: Was ist, wenn ein Logo auf dem Foto zu sehen ist?

Straßner: In aller Regel sind Marken ja schlichtes Beiwerk und daher keine Urheberrechtsverletzung. Wenn Sie aber posten "Mein Kind mit seiner ersten Flasche Becks", könnten Sie nicht nur die Internet-Eltern-Kavallerie gegen sich aufbringen - was im Zweifel schlimmer ist als der Ärger mit den Inhabern der Markenrechte - sondern, je nachdem, wo Sie es veröffentlichen und ob es vielleicht sogar kommerziell ist, könnten Sie ein Problem bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Macht es einen Unterschied, wenn ich die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook so verändere, dass nur meine 543 "Freunde" das Bild sehen können?

Straßner: Für Urheberrechte oder Rechte am eigenen Bild der Abgebildeten macht das keinen Unterschied. Eben auch, weil die Plattformen sich die Rechte übertragen lassen. Außerdem sind "private Profile" schnell nicht mehr privat, bei 500 Freunden ganz sicher nicht mehr.

imago images/Panthermedia

Babyfotos teilen - auch juristisch umstritten

SPIEGEL ONLINE: Was gilt noch als "privat"?

Straßner: Bei Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Familienfeiern geht die Juristerei von einer Anzahl von rund hundert Personen aus, die der enge Freundes- und Familienkreis umfassen kann. In der Regel überschreiten Facebook-Konten diese Marke von hundert Kontakten mehr oder weniger deutlich, zudem hat man keine Kontrolle über die Weiterverbreitung. Es ist kaum nachzuweisen, dass man tatsächlich zu allen Kontakten eine enge und persönliche Beziehung hat. Meine Empfehlung auch hier: Nur eigene Bilder posten oder alles mit den Rechteinhabern abklären.

SPIEGEL ONLINE: Was ist, wenn ich die Bilder mit einem Passwort schütze, das nur meine Eltern, Großeltern oder mein bester Freund kennen?

Straßner: Wenn eine nicht kommerzielle Nutzung vorliegt und sichergestellt ist, dass darauf nur zwei bis drei Leute Zugriff haben, sind die Urheberrechte in der Regel kein Problem, denn hier besteht ein privater Rahmen. Diese Menschen dürfen die Bilder aber auch nicht weiterverbreiten und posten. Das ist ja klar.

SPIEGEL ONLINE: Eine andere Situation: Mein Sohn sitzt am Strand neben seiner besten Freundin, beide umarmen sich und strahlen in die Kamera. Darf ich das posten?

Straßner: Hier kommen die Eltern von der Freundin ins Spiel. Ohne deren Einverständnis geht es keinesfalls.

SPIEGEL ONLINE: Nehmen wir an, ich habe zu spät abgedrückt, ein fremder Mann ist ins Bild gelaufen. Er schaut direkt in die Kamera.

Straßner: Natürlich kann man nie ausschließen, dass im öffentlich zugänglichen Raum fremde Menschen mit im Bild sind. Meistens sind sie unwesentliches Beiwerk, also sind hier keine Rechte verletzt, wenn man die Bilder verwendet. Aber sicher ist sicher: fragen. Und wenn das nicht mehr geht, im Zweifel bleiben lassen.

SPIEGEL ONLINE: Am Abend waren wir auf einem Konzert. Im Hintergrund spielt die Band, vorne tanzen fünf Kinder, meins ist auch dabei. Darf ich das Bild bei Facebook hochladen?

Straßner: Nope. Hier sind sogar die Rechte des Veranstalters des Konzertes betroffen.

SPIEGEL ONLINE: Nehmen wir an, Eltern betreiben einen Blog, aber Fotos machen ist nicht ihr Ding. Sie googeln und finden ein passendes Bild für ihren Beitrag. Dürfen sie das nutzen?

Straßner: Nur wenn der Urheber das ausdrücklich erlaubt. Hier müssten die Eltern übrigens zusätzlich fragen, ob sie darauf verzichten dürfen, den Urheber in dem Beitrag zu nennen. Ansonsten muss man immer auch noch die Quelle zusätzlich angeben. Erst 70 Jahre nach seinem Tod darf man das Bild nutzen, ohne ihn zu fragen.

SPIEGEL ONLINE: Anderes Beispiel: Ich habe ein lustiges Foto von einem Baby irgendwo im Internet gefunden und es sofort in meiner WhatsApp-Gruppe geteilt. Das Kind kenne ich nicht. Durfte ich das?

Straßner: Auch WhatsApp lässt sich Rechte übertragen. Das dürfen Sie also nicht, denn Sie können nicht über diese Rechte verfügen. Die liegen beim Urheber, der das Babyfoto gemacht hat und bei den Eltern des Kindes, denn die nehmen das Recht am Bild wahr. Zudem haben Sie auch hier keine Kontrolle mehr über die Weiterverbreitung.

SPIEGEL ONLINE: Klingt alles sehr kompliziert. Da klebe ich lieber alles in mein Fotoalbum.

Straßner: Das ist privater Gebrauch, da können Sie alles reinkleben. Ich hoffe jeden Tag, dass die lustigen Fotos all meiner Jugendsünden auf Partys in den Fotoalben meiner Freunde verbleiben mögen.

insgesamt 34 Beiträge
apotheka 02.06.2019
1. Bleibt zu erwähnen, dass die Rechtsprechung inzwischen
Schon ab 8 (acht) Jahren von einer gemeinsamen Verantwortung von Kind und Eltern ausgeht, ab 14 sogar von einer alleinigen des Kindes. Man darf natürlich auch fragen, warum Eltern sich nicht selbst auf dem Klo ablichten und das [...]
Schon ab 8 (acht) Jahren von einer gemeinsamen Verantwortung von Kind und Eltern ausgeht, ab 14 sogar von einer alleinigen des Kindes. Man darf natürlich auch fragen, warum Eltern sich nicht selbst auf dem Klo ablichten und das als whatsapp Status verwenden, anstatt das beliebte "Kacka" Foto des Sprösslings. Der freut sich sicherlich 20 Jahre später beim Vorstellungsgespräch darüber.
starboy 02.06.2019
2. Nichtssagendes Interview
Das einzig sichere hier ist, die 3 Minuten die ich mit diesem extrem schwachen Gefasel verschwendet habe bekomme ich bestimmt nicht mehr zurück! Ich poste was ich will und falls mich ein Familienmitglied verklagen sollte, wird [...]
Das einzig sichere hier ist, die 3 Minuten die ich mit diesem extrem schwachen Gefasel verschwendet habe bekomme ich bestimmt nicht mehr zurück! Ich poste was ich will und falls mich ein Familienmitglied verklagen sollte, wird es umgehend enterbt !
jautaealis 02.06.2019
3. Wir sollten in Deutschland endlich einmal die rechtliche Resettaste drücken!
Ziel: ein Ende jedes Urheberrechts – eine völlige Freigabe von wirklicher wie auch abgebildeter Nacktheit – und vor allem ein Ende jedes Datenschutzes... Nur dann können wir wieder zu wahren, "menschlichen" Menschen [...]
Ziel: ein Ende jedes Urheberrechts – eine völlige Freigabe von wirklicher wie auch abgebildeter Nacktheit – und vor allem ein Ende jedes Datenschutzes... Nur dann können wir wieder zu wahren, "menschlichen" Menschen werden.......
Innovativ 02.06.2019
4. Lol?
Roflmao. Gibt es in der Rechtswissenschaft denn keine Erfahrungen zu Sachverhalten die sich gar nicht Regeln lassen? Bitte um mehr Anstrengung, das kann es nicht sein...
Roflmao. Gibt es in der Rechtswissenschaft denn keine Erfahrungen zu Sachverhalten die sich gar nicht Regeln lassen? Bitte um mehr Anstrengung, das kann es nicht sein...
Gottloser 02.06.2019
5. Eltern dürfen alles posten
Die meisten Kinder werden sich darin ohnehin nicht wiedererkennen und auch der Rest des Netzes erkennt sie nicht. Das ist mal wieder ein Netz-Popanz von komischen Menschen!u
Die meisten Kinder werden sich darin ohnehin nicht wiedererkennen und auch der Rest des Netzes erkennt sie nicht. Das ist mal wieder ein Netz-Popanz von komischen Menschen!u

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