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Leben und Lernen

Rechte von muslimischen Mädchen

Integrationsbeauftragte will Kopftuchverbot an Grundschulen prüfen

Dürfen muslimische Mädchen in Deutschland mit Kopftüchern in die Grundschule gehen? Annette Widmann-Mauz, Integrationsbeauftragte der Regierung, will das prüfen lassen. Österreich hat diese Woche ein Verbot beschlossen.

Marcus Führer / DPA

Sorgt immer wieder für Kontroversen: Kopftücher in Grundschulen

Freitag, 17.05.2019   12:47 Uhr

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, hat in der Kontroverse um Kopftücher an Grundschulen einen neuen Vorstoß gestartet. Die CDU-Politikerin forderte, es solle ein entsprechendes Verbot geprüft werden. "Dass kleine Mädchen Kopftuch tragen, ist absurd - das sehen auch die meisten Muslime so", sagte Widmann-Mauz der "Bild"-Zeitung vom Freitag.

Der Politikerin zufolge sollten alle Maßnahmen, die Mädchen vor dem Kopftuchtragen bewahrten, "geprüft und angegangen werden", und zwar "vom Elterngespräch bis zum Verbot".

imago images / Emmanuele Contini

Annette Widmann-Mauz

Das österreichische Parlament hatte am Mittwoch ein Kopftuchverbot für Grundschulkinder beschlossen. In Deutschland gibt es bislang kein generelles Verbot, nach Ansicht des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags wäre es wohl auch grundgesetzwidrig. Allerdings hatte die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen bereits im vergangenen Jahr angekündigt, ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren zu prüfen.

In Deutschland stieß die Forderung von Widmann-Mauz auf Zuspruch und Kritik. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier sagte etwa der "Bild"-Zeitung: Das ist für mich keine religiöse, sondern eine gesellschaftliche Frage, eine Frage der Gleichstellung." Erwachsene sollten selbst darüber entscheiden. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, hält dem Bericht zufolge Kopftücher in Schulen für "integrationsfeindlich".

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) dagegen äußerte sich kritisch zu der Forderung der Integrationsbeauftragten. "Sowohl das Tragen als auch das Nichttragen von Kopftüchern darf nicht zur Ausgrenzung führen", sagt Udo Beckmann, VBE-Bundesvorsitzender. "Mir sind bisher keine Beispiele bekannt, dass das Tragen von Kopftüchern bei Schülerinnen an sich schon zur Störung des Schulfriedens geführt hat."

"Kinder genießen Religionsfreiheit"

Die Union ist beim Thema gespalten. Während sich der stellvertretende Unionsfraktionschef Carsten Linnemann (CDU), der für Religion zuständige CDU-Politiker Christoph de Vries und Winfried Bausback, CSU-Fraktionsvize im Bayerischen Landtag, in einer gemeinsamen Erklärung angesichts "zunehmender Hilferufe aus der Lehrerschaft" für ein Verbot aussprachen, erntete Widmann-Mauz aus den Reihen der eigenen Partei auch Kritik.

Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte dem Bericht zufolge: "Das pauschale Verbot eines Kopftuchs - wie in Österreich - benachteiligt auch die Mädchen, die sich freiwillig für das Tragen eines Kopftuchs als Zeichen ihrer Religion entschieden haben." Weinberg verwies auf "das im Grundgesetz verankerte Recht, seine Religion frei ausüben zu können".

Ähnlich sieht es Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Sie lehnt ein generelles Kopftuchverbot für Schülerinnen ab. Keineswegs dürfe die Regierung unterstellen, dass alle muslimischen Mädchen ein Kopftuch nur deshalb tragen würden, weil sie dazu von ihren Eltern gezwungen würden. "Kinder genießen Religionsfreiheit und der Staat hat daher grundsätzlich zu respektieren, wenn ein Kind auch in der Schule die Gebote seiner Religion einhalten will".

Gleichberechtigung unabhängig von Verbot vermitteln

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sieht Kopftücher bei Grundschülerinnen zwar kritisch, sprach sich mit Verweis auf das Grundgesetz aber ebenfalls gegen ein Verbot aus. Gleichwohl argumentierte sie: "Mädchen sollen frei, ohne Kopftuch und religiöse Indoktrination aufwachsen." Gleichberechtigung und Gleichstellung von Mann und Frau seien Grundrecht und staatlicher Auftrag, die nicht verhandelbar seien. "Das müssen unsere Schulen mit Nachdruck vermitteln. Ob eine Verbotsdebatte da hilfreich ist, bezweifle ich."

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sprach sich am Rande der Jugend- und Familienministerkonferenz in Weimar ebenfalls gegen ein Kopftuchverbot aus. "Mir ist viel wichtiger, dass wir die Werte im Grundgesetz und des demokratischen, humanistischen Zusammenlebens betonen - unabhängig davon, ob jemand ein Kopftuch trägt oder nicht".

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sagte im Deutschlandfunk, dass man dadurch Kinder zu einer Entscheidung zwischen Elternhaus und Schule zwinge. Besser wäre es, Eltern mit pädagogischen Mitteln zu erreichen und zum Beispiel Moscheevereine einzuladen, die gegen Kopftücher für junge Mädchen argumentierten.

Was muslimische Eltern, Frauen, Kinder und Lehrer vom Kopftuchverbot an Schulen halten, lesen Sie hier. SPIEGEL ONLINE hat mehrere Antworten gesammelt.

faq/sun/dpa

insgesamt 55 Beiträge
Shelumia 17.05.2019
1.
Schon witzig wie wenig die im Grundgesetz festgeschriebene Religionsfreiheit nur noch ist wenn es um Muslime geht. Sehr erfolgreiche Arbeit hat die AfD geleistet uns zurück ins Jahr 1932 zu führen, indem Sie einen [...]
Schon witzig wie wenig die im Grundgesetz festgeschriebene Religionsfreiheit nur noch ist wenn es um Muslime geht. Sehr erfolgreiche Arbeit hat die AfD geleistet uns zurück ins Jahr 1932 zu führen, indem Sie einen Gesellschaftlichen Diskurs weg vom Grundgesetz hin zu Diskriminierung verschiebt.
Agiles 17.05.2019
2. Konferenz
Wirklich witzig, was hat das mit der AFD zu tun? Für alle, die mehr über Hindergründe erfahren möchten, sende ich den Link von der Konferenz an der Goethe-Universität Frankfurt: [...]
Wirklich witzig, was hat das mit der AFD zu tun? Für alle, die mehr über Hindergründe erfahren möchten, sende ich den Link von der Konferenz an der Goethe-Universität Frankfurt: https://video.uni-frankfurt.de/Mediasite/Play/65ab59531cdb47f49afe5622a6b4b0181d?catalog=6c41846f-63e0-45a7-8724-822c631753ab
noch_ein_forenposter 17.05.2019
3. Ohne religöse Indoktrinierung
Aha. Dann dürfen die Eltern den Kindern natürlich auch nicht die christliche Religion nahe bringen. Das wäre ja auch Indoktrinierung... Zum Kopftuch: Es gibt viele Gründe, warum ein kleines Mädchen ein Kopftuch trägt: [...]
Aha. Dann dürfen die Eltern den Kindern natürlich auch nicht die christliche Religion nahe bringen. Das wäre ja auch Indoktrinierung... Zum Kopftuch: Es gibt viele Gründe, warum ein kleines Mädchen ein Kopftuch trägt: - Religösität - Zwang durch die Eltern - Weil die große Schwester auch eines trägt - ... Das ist nicht immer Zwang und sollte auch nicht verboten werden. Und da das nur für Muslimas gelten würde, würde das recht fix vom BVerfG kassiert werden. Es sei denn, man verbietet auch Kippas, Kreuze, etc.
JackGerald 17.05.2019
4. @ Nr. 1 Shelumia
Auch Ihnen empfehle ich eine Reise in ein streng islamisches Land. Möglicherweise werden auch Sie dann von Allah erleuchtet und wissen danach, was Sie von dieser Religion zu halten haben.
Auch Ihnen empfehle ich eine Reise in ein streng islamisches Land. Möglicherweise werden auch Sie dann von Allah erleuchtet und wissen danach, was Sie von dieser Religion zu halten haben.
brotfresser 17.05.2019
5. Wenn schon verbieten, dann
alles: Kipas, Kreuze, goldene Eheringe (christliches Symbol), Faschingskostüme, Halloween-Kostüme etc. Kurz, alles was mit irgendeiner Religion oder Pseudoreligion zu tun hat. Aber: hat Deutschland/Europa nicht andere [...]
alles: Kipas, Kreuze, goldene Eheringe (christliches Symbol), Faschingskostüme, Halloween-Kostüme etc. Kurz, alles was mit irgendeiner Religion oder Pseudoreligion zu tun hat. Aber: hat Deutschland/Europa nicht andere Probleme? Warum die Fokussierung auf solche unwichtigen Dinge.
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