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Leben und Lernen

Fotoprojekt zu Kindern und ihren Zimmern

Lieben Mädchen wirklich Rosa?

Eine Fotografin lichtet Mädchen und Jungen in ihren Kinderzimmern ab. Jahre später kommt sie wieder - um festzuhalten, wie sich der Geschmack der Porträtierten verändert hat (Spoiler: sehr!).

JeongMee Yoon/Hatje Cantz
Von
Donnerstag, 01.08.2019   11:56 Uhr

Die beiden Geschwister Lauren und Carolyn tragen rosafarbene Schlafanzüge und sitzen inmitten von Plüschtieren, Babycremes, Haarbürsten und Schnullern. Die meisten der Gegenstände sind rosafarben, pink oder weiß. Die Lieblingsfarbe der Kinder scheint eindeutig.

Auch die Tochter der südkoreanischen Künstlerin Jeong Mee Yoon wollte als Fünfjährige nur rosafarbene Kleidung anziehen und mit rosafarbenem Spielzeug spielen. Warum - und woher kam der Geschmack? Gesehen bei anderen Kindern? Bei den Vorlieben der Mutter abgeguckt? Yoon wollte herausfinden, wie es in anderen Familien und Kulturen in den Kinderzimmern aussieht.

Seit 2005 fotografiert sie koreanische und amerikanische Kinder für das "Pink and Blue Project" in ihren Zimmern - umgeben von deren Besitztümern. Von Möbeln, Stofftieren über Bücher bis hin zu den Wänden sind die Räume und Gegenstände der Jungen größtenteils in Blau- und Schwarztönen, die der Mädchen in Rosa und Pink getaucht.

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JeongMee Yoon:
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Hatje Cantz; 176 Seiten, 40 Euro

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Yoon suchte über das Internet nach Familien, die damit einverstanden waren, von der Fotografin begleitet zu werden. Viele der Abgebildeten fand Yoon auch in den Spielzeugabteilungen von Kaufhäusern. Stundenlang ordnete die Fotografin Spielsachen und Kleidung im Zimmer der Mädchen und Jungen an. Die kleinsten Gegenstände stellte sie in den Vordergrund, sodass alle Habseligkeiten ihrer Besitzer zur Geltung kamen. Eine Fotosession dauerte bis zu acht Stunden.

Fotostrecke

Alles so rosa, alles so blau: Kinder in ihren Zimmern

Vier Jahre nachdem die Fotografin die ersten Bilder gemacht hatte, besuchte Yoon einige der Kinder für eine Fortsetzung ihres Projekts erneut, bei manchen kam sie sogar ein drittes Mal vorbei. Die Fotos zeigen: Die meisten Geschmäcker hatten sich offenbar verändert.

So wurde Tess in den Jahren 2006, 2009 und 2015 von Yoon fotografiert. Auf dem ersten Foto sitzt sie noch in einem rosafarbenen Prinzessinnenkostüm da. Drei Jahre später scheint sich ihre Lieblingsfarbe zu Blau gewandelt zu haben, sowohl die Barbies als auch sie selbst sind in diesem Ton gekleidet. Als Teenager ist ihr Zimmer dann von verschiedenen Farben geprägt.

Einfluss von Werbung und Populärkultur

Warum lieben kleine Mädchen Pinktöne - und haben in späteren Jahren offenbar oft keine so eindeutigen Präferenzen mehr? Das fragte sich die Fotografin. Ihrer Meinung nach ist der Geschmack von Kindern und Eltern immer noch stark von Werbung und Populärkultur beeinflusst.

Tatsache ist: In Kleidungsgeschäften, Spielzeugabteilungen, Buchhandlungen und Supermärkten werden Produkte für Mädchen - trotz der bereits jahrzehntealten Emanzipationsbewegung - noch immer häufig in Rosatönen und Produkte für Jungs in Blautönen angeboten. Und viele Kinder und Eltern greifen zu Spielzeug oder Kleidung in den vermeintlich typischen Farben.

Gäbe es mehr Produkte, die genderneutral gestaltet wären, wäre dieses Phänomen vermutlich weniger ausgeprägt. Doch die Tochter in einem Kleidchen mit Autos drauf? Oder der Sohn in einem quietschgelben Strampelanzug mit Blümchen? Das geht vielen Eltern und auch Kindern im Moment wohl noch zu weit.

insgesamt 31 Beiträge
schwampf 01.08.2019
1. Alles nur Marketing
,,Tatsache ist: In Kleidungsgeschäften, Spielzeugabteilungen, Buchhandlungen und Supermärkten werden Produkte für Mädchen - trotz der bereits jahrzehntealten Emanzipationsbewegung - noch immer häufig in Rosatönen und [...]
,,Tatsache ist: In Kleidungsgeschäften, Spielzeugabteilungen, Buchhandlungen und Supermärkten werden Produkte für Mädchen - trotz der bereits jahrzehntealten Emanzipationsbewegung - noch immer häufig in Rosatönen und Produkte für Jungs in Blautönen angeboten.'' Das hat nicht mit Emanzipation zu tun, sondern allein mit Marketing. Und das ist nicht immer noch so, sondern heute mehr denn je. Aus emanzipatorischer Sicht ist die eine Farbe ja nicht schlechter als die andere, also schadet es ja niemandem per se. Aber wenn man als Eltern eines Jungen und eines Mädchens alles zweimal kaufen muss, dann ärgert einen das schon etwas. Und die Industrie freut es...
ingofischer 01.08.2019
2. Lieblingsfarben sind nicht nur anerzogen
Ich habe auch immer gedacht, dass ein Mädchen rosa nur mag, weil es anerzogen oder irgendwo anders abgeguckt wurde. Aber seitdem wir selbst ein Mädchen habe, denke ich darüber komplett anders. Wir haben unsere Kleine ganz [...]
Ich habe auch immer gedacht, dass ein Mädchen rosa nur mag, weil es anerzogen oder irgendwo anders abgeguckt wurde. Aber seitdem wir selbst ein Mädchen habe, denke ich darüber komplett anders. Wir haben unsere Kleine ganz bewußt nicht in Rosaklamotten gezwängt und nicht nur "Mädchentypisches" Spielzeug geholt. Aber noch bevor sie richtig sprechen konnte hat sie sich gezielt die Indianerspielzeugpferde unserer Jungs mit rotem Sattel zum spielen genommen, sich rote Muttern aus dem Baukasten als Ringe aufgesteckt und wehe die Rosatasse war noch im Geschirrspüler - da gab es bittere Tränen. Wir haben inzwischen aufgegeben dagegenzuhalten und alles was irgendwie rosa oder rotpastellfarben ist, zieht die Kleine magisch an. Da kann man nichts machen - und muss man ja auch nicht unbedingt.
spon-facebook-1228080679 01.08.2019
3. Urpsprünglich...
...waren die Farben genau umgekehrt verteilt - blau für Mädchen, rosa für Jungen. Aber Kinder und Farben sind so eine Sache. Zum Beispiel: lieben Kinder wirklich Buntes? Wir sind gewöhnt, dass Kindersachen, oder, sagen [...]
...waren die Farben genau umgekehrt verteilt - blau für Mädchen, rosa für Jungen. Aber Kinder und Farben sind so eine Sache. Zum Beispiel: lieben Kinder wirklich Buntes? Wir sind gewöhnt, dass Kindersachen, oder, sagen wir, Kinderabteilungen in Geschäfte, oder auch Kinderzimmer, sehr bunt sind. Manchmal zur Überlastung der Sinne bunt. Aber lieben Kinder wirklich Buntes oder ist es unsere eigene Projektion auf Kinder, die wir von Generation zu Generation weitergeben und an die nächsten Kinder "weiterreichen", so dass sie *meinen*, Buntes sei "gut".
Medardus 01.08.2019
4. Auch ich habe meine Meinung dazu ...
...komplett geändert, nachdem unsere Tochter VON SICH AUS am liebsten Rosa trägt...natürlich ist es auch ihre erklärte Lieblingsfarbe, Werbung gibt es bei uns nicht, wir haben auch kein Fernsehen, das erste Wort des Sohnes [...]
...komplett geändert, nachdem unsere Tochter VON SICH AUS am liebsten Rosa trägt...natürlich ist es auch ihre erklärte Lieblingsfarbe, Werbung gibt es bei uns nicht, wir haben auch kein Fernsehen, das erste Wort des Sohnes nach Mama und Papa war hingegen "Traktor"...und auch da war nüscht manipuliert...
le.boche.bien.moche 01.08.2019
5. Rosa, eine moderne Mädchenfarbe
Anscheinend ist Rosa als Mädchenfarbe eine recht neue Erfindung aus der Mitte des 20sten Jahrunderts die in den USA anfing, zumindest ist dass was in Zeitungen in den USA zu lesen ist. Es wäre interessant gewesen dies in dem [...]
Anscheinend ist Rosa als Mädchenfarbe eine recht neue Erfindung aus der Mitte des 20sten Jahrunderts die in den USA anfing, zumindest ist dass was in Zeitungen in den USA zu lesen ist. Es wäre interessant gewesen dies in dem Artikel zu erwähnen, vielleicht mit einer Bewertung wie die Beweisslage für diese Aussage ist

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