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Leben und Lernen

Studie aus Niedersachsen

Gewalt unter Schülern nimmt wieder zu

Mehr Prügeleien unter Schülern: Nach einem Rückgang steigt die Zahl der Übergriffe laut einer niedersächsischen Studie wieder. Jeder fünfte Jugendliche führt in seiner Freizeit mindestens ab und zu eine Waffe mit sich.

Norbert Michalke / Getty Images/F1online RM

Prügelei in der Schule (Symbolbild)

Montag, 01.04.2019   15:54 Uhr

Meist sind es krasse Einzelfälle, die es in die Medien schaffen: In Lünen erstach im vergangenen Jahr ein 16-Jähriger seinen Mitschüler. In München schikanierte ein 15-Jähriger einen anderen Jungen, indem er ihn bei Ebay zum Verkauf anbot. Auf einer Klassenfahrt nach Lennestadt prügelten sich Schüler so heftig, dass ein Rettungshubschrauber anflog.

Doch wie ist die Stimmung unter Jugendlichen im Alltag? Nimmt die Gewalt auf Schulhöfen zu, wie es Lehrer und Eltern oft beklagen? Das ist schwierig auszuwerten, weil offizielle Polizeistatistiken wenig aussagekräftig sind. Sie bilden in der Regel nur das Hellfeld ab - also die Vergehen, die zur Anzeige gebracht wurden.

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat nun jedoch eine Studie veröffentlicht, die auch die Gewalt unter Jugendlichen im Dunkelfeld untersucht. Die Forscher befragten 2017 fast 9000 Neuntklässler in allen niedersächsischen Schulformen - und zwar zum dritten Mal. Auch 2013 und 2015 hatte das Institut den sogenannten Niedersachsensurvey durchgeführt.

Die jüngsten Ergebnisse seien, so die Wissenschaftler, teilweise beunruhigend. Der Überblick:

Details zum Niedersachsensurvey 2017

Welche Daten wurden ausgewertet?
Zwischen Januar und Mai 2017 bekamen insgesamt 479 neunte Klassen in Niedersachsen standardisierte, 34-seitige Fragebögen vorgelegt. Darin waren die Themenbereiche Gewalt, Schulschwänzen, Drogen- und Medienkonsum abgedeckt. 8938 Schülerinnen und Schülern beantworteten die Fragebögen so, dass ihre Antworten ausgewertet werden konnten.
Sind die Ergebnisse repräsentativ?
Ja, die Datenbasis lässt repräsentative Schlüsse für die untersuchte Schülerschaft zu - allerdings nur für Niedersachsen. Eine ähnliche bundesweite Untersuchung gibt es nicht. Allerdings lassen sich mindestens für das flächenmäßig zweitgrößte Bundesland Trends seit 2013 herauslesen.
Wer war an der Studie beteiligt?
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen befragt seit 2013 alle zwei Jahre Neuntklässler zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität aus der Täter- und Opferperspektive. Es wird dabei gefördert von der niedersächsischen Landesregierung.

Die Forscher beobachteten weitere Trends:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes hieß es, rund 5300 Neuntklässler hätten die Fragebögen beantwortet. Es waren jedoch fast 9000 Schülerinnen und Schüler. Wir haben die Stelle korrigiert.

lov

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