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Leben und Lernen

Schulstreik fürs Klima

"Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut"

Tausende Schüler und Studenten aus ganz Deutschland haben in Berlin für den Klimaschutz demonstriert. Auch Wirtschaftsminister Altmaier ließ sich blicken - und wurde ausgebuht.

Foto: SPIEGEL ONLINE
Von , Charlotte Schönberger und Laura Albus (Video)
Freitag, 25.01.2019   18:44 Uhr

Die Fünftklässler der Joan-Miró-Grundschule sind schon von Weitem zu hören: "Kohle weg, das ist Dreck", skandieren die Jungen und Mädchen, die meisten von ihnen gerade mal zehn Jahre alt. Sie gehen gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin vom Berliner Hauptbahnhof zum Schulstreik für den Klimaschutz.

"Wir demonstrieren, weil es unsere Zukunft ist", sagt einer der Schüler selbstbewusst. Auf seinem Plakat steht "Rote Karte für die Kohle". Die Demonstration findet während der Tagung der Kohlekommission statt.

Der Junge und seine Mitschüler haben die Plakate in ihrer Freizeit gebastelt, für die Demonstration bekamen sie unterrichtsfrei. "Ich habe unsere Schulleitung gefragt, und die war einverstanden", erklärt die Klassenlehrerin. "Die Schüler hätten jetzt eigentlich eine Stunde Englisch und dann soziales Lernen. Das hier ist ja soziales Lernen. Und nächste Woche machen wir dann zwei Stunden Englischunterricht."

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Klimastreik in Berlin: Hitzefrei bei Minus drei Grad

Viele der älteren Schüler auf der Demonstration schwänzen hingegen, wie Maria Pankok und Kaya Kettering von einem Berliner Gymnasium. Mehr als die Hälfte ihres Jahrgangs sei hier. "Ein paar Schüler haben versucht, frei zu bekommen, aber es wurde ihnen verboten. Wir haben es dann gar nicht probiert", sagt die Zwölftklässlerin Kaya.

12.30 Uhr: Die Auftaktkundgebung vor dem Wirtschaftsministerium läuft seit einer halben Stunde, doch um Kaya und Maria herum strömen noch immer junge Menschen auf den Platz und jubeln den Rednern auf der Bühne zu.

Hunderte Schüler und Studenten aus ganz Deutschland sind zu der Demonstration gekommen. Auch wenn viele der jüngeren Schüler hier ihren Namen gar nicht kennen: Ihr Vorbild ist Greta Thunberg. Die Neuntklässlerin aus Schweden geht seit etwa einem halben Jahr jeden Freitag nicht zum Unterricht, sondern demonstriert stattdessen für Klimaschutz.

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Auch die Demonstranten in Berlin verpassen die Schule, nehmen für die politische Aktion aber stundenlange Fahrten auf sich. Wie der 20 Jahre alte Filas, der mit 55 Schülern etwa sechs Stunden aus der Nähe von Nürnberg angereist ist. Er macht Überstunden fürs Klima und hält ein Schild hoch, auf dem er in drei Sprachen zum Klimaschutz aufruft.

13.00 Uhr: Die Stimmung ist gut - kippt jetzt aber für einen kurzen Moment.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier zeigt sich am Rande der Demonstration und gibt Presseinterviews. "Wir wollen nicht, dass er redet, sondern dass er handelt, und das geht am besten im Ministerium", schallt es von der Bühne.

Die Schüler pfeifen den Minister aus. Und der Redner auf der Bühne legt noch mal nach: "Wo geht das am besten?", ruft er. Und aus Hunderten Schülerkehlen schallt es zurück "Im Ministerium."

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Greta Thunberg: Eine Schülerin und das Klima

Altmaier erklärt der Presse ungerührt, dass er die Proteste der Schüler ernst nehme. Nur wollten die jungen Menschen den Kohleausstieg lieber heute als morgen. Zu ihm kämen aber auch Menschen, die Angst um ihre Jobs hätten.

Während der Minister noch redet, setzt sich die Demonstration in Bewegung. An ihrer Spitze geht Luisa Neubauer, eingerahmt von jungen Mitstreitern, die aus voller Kehle schreien: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut."

Die 22-jährige Studentin aus Göttingen hat die Demonstration mitorganisiert und spricht für das Bündnis "Fridaysforfuture": "Es ist unglaublich, wir sind über 10.000 junge Menschen hier." Nach Angaben der Berliner Polizei sind es allerdings weniger Teilnehmer. Sie spricht von einem "mittleren vierstelligen Bereich".

Luisa Neubauer sagt: "Wir machen das nicht, weil wir keine Lust haben, zur Schule oder zur Uni zu gehen. Sondern wir machen das hier, weil die Dringlichkeit, jetzt einen schnellen Kohleausstieg einzuleiten, so enorm ist."

Sie selbst saß mit zwei Mitstreitern am Vormittag noch bei Altmaier im Ministerium. "Das war nett von ihm", sagt sie diplomatisch über die Einladung. "Aber wir haben das Gefühl, dass er noch nicht verstanden hat, worum es uns geht."

Die Leute verstünden nicht, dass Klimapolitik Zukunftspolitik ist, sagt sie. "Es geht hier nicht darum, Klimazerstörung zu verhindern, sondern dass wir, so hart es klingt, Zukunftszerstörung verhindern wollen."

15.30 Uhr: Die Demo endet dort, wo sie begonnen hat. Während Noam aus der Schweiz noch ein Grußwort spricht, leert sich der Platz bereits. Luisa Neubauer harrt bis zum Schluss aus. Um sich für Klimaschutz stark zu machen, ist sie bereit, selbst Nachteile in Kauf zu nehmen: Sie hat am Freitag eine Prüfung ihres Geografiestudiums verpasst.

insgesamt 91 Beiträge
oh4fr 25.01.2019
1. Haben die alle keine Physiklehrer...
... die den Mut haben denen die Wahrheit zu erklären? Einen Shitstorm sollte man doch abkönnen... http://www.dj8fr.de/Energie/Wasserstoff.pdf
... die den Mut haben denen die Wahrheit zu erklären? Einen Shitstorm sollte man doch abkönnen... http://www.dj8fr.de/Energie/Wasserstoff.pdf
graubereich1 25.01.2019
2. So langsam...
...reicht es. Macht alles. Verbietet Benziner, Diesel, Erdgas, Öl, Kohle und Holz. Setzt Tempolimits und verbietet Massentierhaltung. Wenn das alles erledigt ist, werden alle sehen, wie unwichtig Deutschland ist. Ja, wie [...]
...reicht es. Macht alles. Verbietet Benziner, Diesel, Erdgas, Öl, Kohle und Holz. Setzt Tempolimits und verbietet Massentierhaltung. Wenn das alles erledigt ist, werden alle sehen, wie unwichtig Deutschland ist. Ja, wie unwichtig die EU ist. So lässt sich der Klimawandel nicht aufhalten. So nicht. Es tut einem echt weh, seit Monaten dieses Theater anzusehen und zu wissen, es ist der völlig falsche Weg. Klar, wir können ein Zeichen setzen, wow. Aber China, USA, Indien, Russland und so weiter, ist das Scheißegal. Wir machen uns grade nur selber fertig. Vernichten Industrien und Arbeitsplätze, für nichts und wieder nichts. Es ist zum verzweifeln. Und das Klima geht trotzdem den Bach runter. Wenn wir nicht in der Lage sind andere Länder mitzureißen und zu überzeugen. Aber das will ja niemand in Deutschland verstehen.
steuerzahler1972 25.01.2019
3. Billig
Jeder Protest könnte auch am Nachmittag stattfinden oder am Wochenende. Da würde aber kein Unterricht ausfallen und die Beteiligung ginge gegen................ genau.... Null. Junge Leute könnten wirklich etwas gegen den [...]
Jeder Protest könnte auch am Nachmittag stattfinden oder am Wochenende. Da würde aber kein Unterricht ausfallen und die Beteiligung ginge gegen................ genau.... Null. Junge Leute könnten wirklich etwas gegen den Klimawandel machen. Hier einige Vorschläge. 1. Jede Suchanfrage bei Google kostet den Planeten einen Energieverbrauch von 5 Watt, genauso geht es mit Onlinespielen, Youtube usw.. Wie wäre es mit Verzicht? Man rechne sich einfach aus die Menschen unter 18 würden jeden Tag auf die Hälfte der Onlinezeit verzichten! Wer möchte das berechnen? 2. Nicht immer das neueste Smartphone. In meinem Bekanntenkreis haben die Jugendlichen alle zwei Jahre ein neues Gerät. Sieht so Umweltschutz aus? 3. Heute konsumieren junge Menschen auch ohne eigenes Einkommen schon fast wie Erwachsene, die dafür zwischen 35 und 50 Stunden arbeiten. Muss das so sein? Ein Beispiel: der Sohn meines Freundes geht mit 19 Jahren jedes Wochenende zum Essen (kein Veganer). Konzerte, Kurztripp nach Prag, Berlin am Wochendende. Er leistet sich mehr als sein Vater, der diesen ganzen Konsum schwer erarbeitet. Muss das sein? 4. Wenn es das Familieneinkommen hergibt geht es im Winter in den Alpen zum Skifahren und im Sommer mit dem Flugzeug in den Süden. Warum fordern die Kinder ihre Eltern nicht dazu auf diesen Wahnsinn zu unterlassen. Es gibt auch andere umweltfreundliche Reiseziele! 5. Spätestens nach dem Abitur geht es auf die große Welt- oder Europareise als Belohnung oder zur Selbstfindung. Die Fahrt kann natürlich auch als gute Tat in einem Kinderheim in Indien getarnt werden. Mein Vorschlag, einfach lassen! Fliegen ist auch dann nicht in Ordnung, wenn man dafür bezahlt, dass in Timbuktu für den Billigflug ein Baum gepflanzt wird. Danach kann man ja immer noch demonstrieren, damit die anderen Leute alles besser machen.
benutzer1000 25.01.2019
4. Ob eine Demonstration hilft?
Auch wenn der Mensch zur Klimaveränderung beiträgt, dürfte es unumstritten sein, dass sich das Klima der Erde über Jahrmillion immer wieder geändert hat. Gegen Kontinentaldrift, Vulkanausbrüche und vieles mehr hilft keine [...]
Auch wenn der Mensch zur Klimaveränderung beiträgt, dürfte es unumstritten sein, dass sich das Klima der Erde über Jahrmillion immer wieder geändert hat. Gegen Kontinentaldrift, Vulkanausbrüche und vieles mehr hilft keine Demonstration. Es wird uns nichts andres übrig bleiben als uns anzupassen.
Bauer 1525 25.01.2019
5. Träumer
Endlich!! Wenn Deutschland aus der Kohle aussteigt wächst wieder der Regenwald in Südamerika. Die Gletscher wachsen wieder, die Arktische Kälte kommt zurück und alles wird gut. Ach ich vergaß zu erwähnen das weltweit gerade [...]
Endlich!! Wenn Deutschland aus der Kohle aussteigt wächst wieder der Regenwald in Südamerika. Die Gletscher wachsen wieder, die Arktische Kälte kommt zurück und alles wird gut. Ach ich vergaß zu erwähnen das weltweit gerade 1400 Kohlekraftwerke in 59 Länder gebaut werden. Der Großteil in China. Wie sagte schon Kaiser Wilhelm: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Na Bravo!!!!
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