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Leben und Lernen

Diskussion um Sommerferien

Hamburg und Berlin sehen Nachteile für ihre Schüler

Baden-Württemberg und Bayern sind bei der Ferienzeit privilegiert, die anderen Länder gehen mal früh, mal spät in die Sommerferien. Hamburg und Berlin wollen gegensteuern - doch Kiel fürchtet um einen Wirtschaftszweig.

Mohssen Assanimoghaddam / DPA

Sprung in die Sommerferien: Für die Schülerinnen und Schüler fast aller Bundesländer beginnen die langen Ferien jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt

Mittwoch, 16.10.2019   15:42 Uhr

Die Frage, welches Bundesland wann in die langen Ferien startet, ist in Deutschland ein Politikum - für das es ein kompliziertes Regelwerk gibt. Das stellen Hamburg und Berlin nun infrage. Die beiden Länder wollen bei der Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstag und Freitag beantragen, die Sommerferien künftig zeitlich weniger zu strecken.

Bei dem Treffen sollen sich die 16 Bundesländer auf die Ferientermine für die Jahre 2025 bis 2030 festlegen. Und dieses mal dürfte die Konferenz nicht so reibungslos ablaufen wie bei der letzten Terminierung vor fünf Jahren.

Denn die derzeit geltenden Regeln benachteiligen aus Sicht der Stadtstaaten ihre Schüler. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres sagte, dass Sprünge von einem späten Ferientermin auf einen frühen Ferientermin das Schuljahr verkürzten. Das wirke sich negativ auf die Lernzeit der Schüler, die Belastung der Lehrkräfte und den Zeitraum der Abschlussprüfungen aus.

Auch angesichts eines gemeinsamen Pools von Abituraufgaben seien teils erhebliche Schwankungen bei der Länge der Schulhalbjahre nicht mehr zeitgemäß, sagte Scheeres.

Generell sollen die Sommerferien demnach erst ab dem 1. Juli beginnen, die unterschiedlichen Termine der Länder enger zusammenrücken und die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen.

Zuletzt zog sich der sogenannte Ferienkorridor - also der Zeitraum, in dem die ersten Länder ihre Sommerferien beginnen und die letzten Länder ihre Schüler zurück in den Unterricht schickten - über 85 Tage.

Das hatte vor allem zwei Gründe:

Die Juni-Feriengäste würden auf Antrag Hamburgs und Berlins also wegfallen. Das ruft besonders die tourismusstarken Länder wie Schleswig-Holstein auf den Plan: "Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde", sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel.

Auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kann keine Vorteile bei der Idee erkennen. Die Zahl der Ferientage insgesamt sei einheitlich geregelt. "Natürlich erwarte ich, dass alle Länder eine gewisse Flexibilität an den Tag legen und sie sich nicht nur auf ein Wunschmodell festlegen", so Tullner.

Das dürfte wiederum ein Seitenhieb in Richtung Bayern und Baden-Württemberg sein, die jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum Sommerferien haben. Die anderen Länder sind in Gruppen eingeteilt, die jeweils zeitgleich Sommerferien haben - aber eben Jahr für Jahr zu einem anderen Zeitpunkt.



Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zeigt sich offener für eine Änderung: "Jedes Gesetz und jede Regelung sollte von Zeit zu Zeit daraufhin überprüft werden, ob es noch sachgerecht und zeitgemäß ist. Das gilt auch für die komplizierte Sommerferienregelung." Aufgrund der langfristigen Festlegung der Ferienpläne werde es aber kaum zu einer schnellen Entscheidungen kommen.

Damit rechnet auch Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) nicht. Für ihn sei wichtig, dass die Länder sich weiter einvernehmlich abstimmten.

Der Wunsch nach einer friedlichen Debatte um das Politikum Sommerferien ist zumindest da.

sun/dpa

insgesamt 107 Beiträge
LUAP 16.10.2019
1. Grundsätzlich macht ein breiter Zeitkorridor natürlich Sinne, aber..
.. der Sonderstatus von Bayern und Baden Würtemberg gehört zumindest reformiert. Es ist aus Sicht der anderen Bundesländer nicht gerecht, dass deren Ferienschema jedes Jahr fluktuiert, diese beiden Bundesländer aber immer [...]
.. der Sonderstatus von Bayern und Baden Würtemberg gehört zumindest reformiert. Es ist aus Sicht der anderen Bundesländer nicht gerecht, dass deren Ferienschema jedes Jahr fluktuiert, diese beiden Bundesländer aber immer konstante Zeitfenster haben. In der Vergangenheit mag das seine berechtigten Gründe gehabt haben, diese wurden aber von der Realität überholt.
fritz_64 16.10.2019
2. 8 Wochen für alle
warum nicht den kompletten Juli - August für alle Bundesländer gleichzeitig. Das funktioniert in vielen anderen Ländern auf der Welt ohne Probleme seit immer....ehrlicherweise geht es doch nur darum die Sommersession für die [...]
warum nicht den kompletten Juli - August für alle Bundesländer gleichzeitig. Das funktioniert in vielen anderen Ländern auf der Welt ohne Probleme seit immer....ehrlicherweise geht es doch nur darum die Sommersession für die Tourismusindustrie auf 4 Monate auszudehnen. Was für die Kinder die beste Lösung ist steht wie immer hinten an.
neutron76 16.10.2019
3. Berlin und Hamburg
Die Stadtstaaten sollten besser beraten wie die Bundesländer neu zu ordnen sind. Hier steht sogar in der Verfassung, dass das getan werden soll. Außerdem erkenne ich noch immer keine Privilegierung von Bayern. Das schöne [...]
Die Stadtstaaten sollten besser beraten wie die Bundesländer neu zu ordnen sind. Hier steht sogar in der Verfassung, dass das getan werden soll. Außerdem erkenne ich noch immer keine Privilegierung von Bayern. Das schöne Wetter ist meist im Juni.
fuchsi 16.10.2019
4. Mehr Gerechtigkeit
Bayern und Baden-Württemberg begründen ihr ständiges Zusammengehen bei den Sommerferien meist mit der Lage Ulms in beiden Ländern. Das könnte einzelne Familien benachteiligen. Siegen in NRW liegt in einem Dreiländereck mit [...]
Bayern und Baden-Württemberg begründen ihr ständiges Zusammengehen bei den Sommerferien meist mit der Lage Ulms in beiden Ländern. Das könnte einzelne Familien benachteiligen. Siegen in NRW liegt in einem Dreiländereck mit Hessen und Rheinland-Pfalz, da gibt es viele Familien, deren gemeinsame Sommerferienzeit sich schon mal auf nur zwei Wochen beläuft. Nur interessiert das keinen. Viel wäre geholfen, wenn alle mitrotieren, dann kann auch ein relativ langer Korridor zugunsten der Tourismusindustrie bleiben. Das verkürzte Schuljahr beträfe dann wahrscheinlich jedes Kind nur ein- bis zweimal. Aktuell sind alle anderen viel häufiger dran, nur die Kinder in BY und BW genießen immer gleiche Lernzeiten. Das kann nicht gerecht genannt werden.
w.weiter 16.10.2019
5. Ja denn,
die Tourismusbranche ist also wichtiger als den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. => Zitat: "Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen [...]
die Tourismusbranche ist also wichtiger als den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. => Zitat: "Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde", sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel. =< Allerdings: => Zitat: "Auch angesichts eines gemeinsamen Pools von Abituraufgaben seien teils erhebliche Schwankungen bei der Länge der Schulhalbjahre nicht mehr zeitgemäß, ... =< So what? Nur an das Heute denken, die Zukunft der Jüngeren ist egal? Bald werden wohl Roboter die Betten neu beziehen, und menschlichen Kunden das Essen u. den Wein servieren. Und dann???

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