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Leben und Lernen

Empörung über SPD-Parteitagsbeschluss

Bundeswehr soll aus Berliner Schulen verbannt werden

Die Bundeswehr braucht Nachwuchs und wirbt darum auch an Schulen. "Für Töten und Sterben macht man keine Werbung", findet die Berliner SPD - und will das nun verbieten.

DPA

Soldat an einem Gymnasium in Baden-Württemberg (Archivbild)

Von
Montag, 01.04.2019   10:40 Uhr

An Berliner Schulen sollen Soldaten künftig keine Werbung mehr für die Bundeswehr machen dürfen. Das hat die Berliner SPD auf ihrem Landesparteitag beschlossen.

In ihrem Antrag fordert die Partei, dass das Berliner Schulgesetz ergänzt werden soll: "Es wird militärischen Organisationen untersagt, an Berliner Schulen für den Dienst und die Arbeit im militärischen Bereich zu werben", soll es demnach künftig heißen. Dem müssten allerdings auch die Grünen und die Linken zustimmen, mit denen die SPD in Berlin regiert.

Der Antrag stößt in der eigenen Partei allerdings auf Ablehnung. SPD-Mann Thomas Oppermann, bis 2017 Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, zeigte sich bei Twitter "entsetzt über den Beschluss der Berliner SPD". Die Bundeswehr sei demokratisch, eine Parlamentsarmee. "Wer so einen Unsinn beschließt, sollte sich selbst von unseren Schulen fernhalten."

Die Berliner SPD spricht in ihrem Antrag selbst von der Parlamentsarmee, begründet ihren Vorstoß aber mit dem Alter der Schüler. Mit Nachwuchsgewinnung unter Minderjährigen an Schulen überschreite die Bundeswehr "klar die Grenzen ihres Kompetenzbereiches".

"Für Töten und Sterben macht man keine Werbung"

Die Schülerinnen und Schüler müssten ihre "zentralen Lebens- und Wertvorstellungen erst noch entwickeln. Dementsprechend anfällig sind sie für militärische Propaganda und Verharmlosung der realen Gefahren eines militärischen Einsatzes", heißt es in dem Parteitagsbeschluss. "Für Töten und Sterben macht man keine Werbung."

Die Bundeswehr hat ihre Werbung an Schulen in den vergangenen Jahren intensiviert. Zahlen von 2017 zufolge erreichte die Bundeswehr mindestens eine halbe Million Jugendliche - die meisten von ihnen während des Unterrichts etwa bei Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Seminaren.

Darüber hinaus hat die Bundeswehr in umstrittener Werbung etwa Jugendliche für "Abenteuercamps" angeworben oder in der YouTube-Serie "Die Rekruten" den vermeintlich harmlosen Alltag der Soldaten dargestellt.

Zuletzt kritisierten auch die Grünen eine Werbekampagne der Bundeswehr, bei der mit einer Serie über das Kommando Spezialkräfte (KSK) im Kurzmitteilungsdienst WhatsApp und mit einem Fitnessprogramm neue Soldaten angeworben wurden.

Es sei "zynisch, junge Leute mit einer Action-Serie und einem Muskelprogramm als Staatsbürger in Uniform gewinnen zu wollen", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner, Ende Dezember der "Bild am Sonntag".

Das Ministerium verteidigte die Kampagne damals. Die Bundeswehr müsse sich bemühen, "auf das Radar der jungen Leute zu kommen", sagte ein Sprecher der "BamS". Dafür sei "zielgruppengerechte Werbung" notwendig.

insgesamt 176 Beiträge
Navygo 01.04.2019
1. Die drehen sich Ihre "Argumente" wie es ihnen gerade passt....
Plötzlich sind die Schüler wieder alle zu jung, unreif und leicht zu beeinflussen, indoktrinieren... Letzte Woche waren sie noch alle früh gereift und gefestigt in ihrer Persönlichkeit. So weit , dass man forderte, das [...]
Plötzlich sind die Schüler wieder alle zu jung, unreif und leicht zu beeinflussen, indoktrinieren... Letzte Woche waren sie noch alle früh gereift und gefestigt in ihrer Persönlichkeit. So weit , dass man forderte, das Wahlalter zu senken, denn schließlich habe man mit "Friday for Future" bewiesen, dass man sich Gedanken um Politik und Zukunft macht. Im Strafrecht hingegen ist das alles noch mal anders, da kann man auch gerne mal bis 23 zu unreif für eine Bestrafung als Erwachsener sein, obwohl man alle Rechte eines solchen für sich beanspruchen kann... da will man nichts senken. Was denn nun, liebe Berlin-SPD ? Entscheidet Euch mal.
sucher533 01.04.2019
2. Soldat ist kein job!
Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie jeder andere - auch wenn es die Bundeswehr gern so darstellt. Dass wir eine Armee brauchen ist unbestritten und ist auch in der Schule vermittelbar. Anwerbung für die Bundeswehr unter [...]
Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie jeder andere - auch wenn es die Bundeswehr gern so darstellt. Dass wir eine Armee brauchen ist unbestritten und ist auch in der Schule vermittelbar. Anwerbung für die Bundeswehr unter Minderjährigen hat aber in der Schule nichts zu suchen.
Bayuware1947 01.04.2019
3. Ich bin über den Beschluss entsetzt
Ich bin wie Thomas Oppermann entsetzt über den Beschluss der Berliner SPD. Ich bin in meiner gesamten Persönlichkeit ein Kriegsgegner und gegen Waffen aller Art und vor allem gegen Gewalt in jeder Form. Aber das schließt nicht [...]
Ich bin wie Thomas Oppermann entsetzt über den Beschluss der Berliner SPD. Ich bin in meiner gesamten Persönlichkeit ein Kriegsgegner und gegen Waffen aller Art und vor allem gegen Gewalt in jeder Form. Aber das schließt nicht aus, dass ich von meinem Staat erwarte, verteidigungsfähig zu sein und zu bleiben. Da unsere Bundeswehr, die eine Parlamentsarmee ist, also von der Mehrheit der Bevölkerung getragen wird, von den Schulen auszuschließen, für sich Werbung zu betreiben, ist Wirklichkeitsfremd. Ich wünsche mir als SPD-Mitglied, dass meine Partei wieder eine Volkspartei wird und weiterhin Regierungsverantwortung übernehmen kann. Die Bundespartei muss diese linken Hirngespinsten sehr deutlich in die Schranken weisen und die Verantwortlichen disziplineren. Das ist nicht meine SPD!
meinemeinungpunkt 01.04.2019
4. Kann Herrn Oppermann...
... und seinem Tweet nur zu 100% zustimmen. Die Berliner SPD wird immer skurriler.
... und seinem Tweet nur zu 100% zustimmen. Die Berliner SPD wird immer skurriler.
eugler 01.04.2019
5. gute Initiative
Herr Oppermann ist untragbar in der SPD. Unsere Armee ist inzwischen Werkzeug hegemonialer Interessen. Sie hat nichts in den Schulen zu suchen. Eine Verteidigungsarmee ist in Bildungseinrichtungen begrüßenswert, aber [...]
Herr Oppermann ist untragbar in der SPD. Unsere Armee ist inzwischen Werkzeug hegemonialer Interessen. Sie hat nichts in den Schulen zu suchen. Eine Verteidigungsarmee ist in Bildungseinrichtungen begrüßenswert, aber spätestens mit den völkerrechtswidrigen Einsätzen im Kosovo ist die Bundeswehr in keinem demokratischen Rahmen mehr zu sehen. Diese Armee hat nichts in unseren Schulen zu suchen! Wer das gern wieder anders hätte, muss die Bundeswehr von NATO-Zielen abkoppeln und wieder den Interessen der UN-Charta unterstellen.

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