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Leben und Lernen

Studie über YouTube-Lernen

Nichts verstanden, zurückspulen, noch mal schauen

Fast jeder zweite Schüler nutzt YouTube-Videos gezielt zum Lernen. Das zeigt eine neue Studie. Gleichzeitig wünschen sich viele Befragte einen kritischen Umgang mit der Videoplattform im Unterricht.

Thomas Trutschel/ Photothek/ Getty Images

Schüler in Berlin an ihren Laptops

Von Franca Quecke
Dienstag, 04.06.2019   06:20 Uhr

Nicht erst der YouTuber Rezo hat deutlich gemacht: YouTube ist eines der gefragtesten digitalen Leitmedien für Jugendliche. Eine neue repräsentative Studie des Rats für Kulturelle Bildung zeigt, dass fast 90 Prozent der Schüler und Schülerinnen die Videoplattform generell nutzen. Mehr als die Hälfte von ihnen hält Videos zu Schulthemen für wichtig oder sehr wichtig.

Der Studie zufolge schauen Schüler und Schülerinnen die Erklärvideos vor allem dann, wenn sie Inhalte aus dem Unterricht wiederholen wollen. Auch für Hausaufgaben, Hausarbeiten oder Klausuren werden sie besonders häufig herangezogen. Der Grund: Jeder Dritte gibt an, dass YouTube-Videos Sachverhalte verständlicher und einprägsamer erklären können als Lehrerinnen und Lehrer. Außerdem könne man die Videos so oft anschauen wie man möchte.

Die Studie zeigt aber auch, wann Schüler und Schülerinnen beim Lernen mit Videos an ihre Grenzen stoßen: Ein Großteil der Befragten schätzt am Unterricht, dass sie dort nachfragen können, wenn sie etwas nicht verstehen.

Das Lernen mit YouTube Videos finde ergänzend zum Unterricht statt, nicht als Ersatz, sagt Benjamin Jörissen, Mitglied des Rats und Professor für Pädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg: "YouTube ist ein mittlerweile auch ein bedeutsamer pädagogischer Akteur, mit dem sich Schüler auf Prüfungen vorbereiten oder Wissen vertiefen können. Das verändert die Art und Weise, wie Schüler lernen und Inhalte aufnehmen." Durch die Videos hätten sie einen direkten Vergleich zu ihren Lehrern.

Mehr zur Studie

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Das unabhängige Beratungsgremium Rat für kulturelle Bildung hat die Studie in Auftrag gegeben, das Sozial- und Marktforschungsinstitut IFAK hat sie durchgeführt. Der Rat für Kulturelle Bildung befasst sich unter anderem mit Themen wie Bildungsforschung, Soziologie und politischer Bildung und ist eine Initiative mehrerer Stiftungen, unter anderem der Bertelsmann Stiftung und der Deutsche Bank Stiftung. Finanziert wurde die Studie vom Rat für Kulturelle Bildung e. V., der Deutsche Bank Stiftung, der PwC-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung GmbH und der Stiftung Mercator.
Welche Daten wurden erhoben?
Für die Studie wurden von Februar bis März 2019 818 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt. Sie unterteilen sich in You-Tube-Nutzer (n=710) und Nicht-Nutzer (n=108). Zu den Nutzern gehören sowohl Schüler und Schülerinnen (n=520) als auch Berufsschülerinnen und -schüler, Auszubildende und Studierende (n=190).
Wie aussagekräftig ist die Studie?
Die Studie ist repräsentativ. Damit ist die Voraussetzung gegeben, dass die Ergebnisse verallgemeinert werden dürfen.

Insgesamt 60 Prozent der befragten YouTube-Nutzer geben an, dass sie sich mit der Videoplattform im Unterricht kritisch auseinandersetzen wollen. Unabhängig von Alter und Geschlecht wünschen sich die Jugendlichen, Vor- und Nachteile der Plattform zu besprechen.

Zu einer gesunden Skepsis bei der Nutzung von YouTube-Videos rät auch Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU). "Videos werden als Wissensquelle immer beliebter, weil Wissen in Videos oft sehr anschaulich vermittelt wird", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Die Schulverantwortlichen müssten Schülern beibringen, wie sie nutzbringend, aber auch kritisch mit Informationen daraus umgingen.

"Schüler müssen natürlich lernen, Videos mit Vorsicht zu genießen und Quellen zu hinterfragen", sagt auch Pädagogikprofessor Jörissen. "Andererseits sollten Lehrer auch deutlich machen: Digitalisierung bietet viele Chancen und Möglichkeiten, nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer. Darauf schauen wir bisher viel zu selten."

Der Studie zufolge würden Jugendliche YouTube-Videos besonders gerne schauen, wenn sie "unterhaltsam", "witzig" und "neu/zeitgemäß" seien. Für Jörissen zeigt das: "Lehrer müssen nicht noch witziger als Webvideos werden, denn die Jugendlichen schätzen auch die Interaktion mit den Lehrern. Wenn es Möglichkeiten gibt, Themen unterhaltsam aufzubereiten, kann man die doch nutzen."

Weitere Ergebnisse der Studie:

Vor allem ältere Jugendliche und junge Erwachsene besuchen demnach besonders häufig die Videoplattform: Der Umfrage zufolge nutzen rund zwei Drittel der 12- bis 13-Jährigen YouTube, von den 18- bis 19-Jährigen sind es über 90 Prozent.

insgesamt 43 Beiträge
peter_1974 04.06.2019
1.
nicht nur Schüler nutzen Youtube, auch im beruflichen Kontext hat sich dieses Medium längst etabliert. Es ist einfach extrem praktisch. Leider findet sich auch viel Schrott und Halbwissen. Daher kann ich dem Artikel nur [...]
nicht nur Schüler nutzen Youtube, auch im beruflichen Kontext hat sich dieses Medium längst etabliert. Es ist einfach extrem praktisch. Leider findet sich auch viel Schrott und Halbwissen. Daher kann ich dem Artikel nur zustimmen. Medienkompetenz wird immer wichtiger und sollte im Unterricht einen hohen Stellenwert einnehmen.
nos999 04.06.2019
2. Völlig neue Dimension
Das Internet eröffnet eine völlig neue Dimension der Wissenvermittlung und der Wissensverbreitung. Früher war Wissen immer Örtlich und oftmals auch an Personen gebunden...Der allwissende Arzt usw.. Jetzt ist Wissen verfügbar [...]
Das Internet eröffnet eine völlig neue Dimension der Wissenvermittlung und der Wissensverbreitung. Früher war Wissen immer Örtlich und oftmals auch an Personen gebunden...Der allwissende Arzt usw.. Jetzt ist Wissen verfügbar und wird endlich auch mal kritisch hinterfragt. Ein neues Zeitalter hat schon längst begonnen.
fatherted98 04.06.2019
3. klar...
....nutzen Schueler das. Ist auch OK. Denn wenn der Lehrer/innen den Stoff nicht vermitteln koennen....was meist der Fall ist....ist das eine gute Alternative...jedenfalls in naturwissenschaftlichen Faechern.
....nutzen Schueler das. Ist auch OK. Denn wenn der Lehrer/innen den Stoff nicht vermitteln koennen....was meist der Fall ist....ist das eine gute Alternative...jedenfalls in naturwissenschaftlichen Faechern.
new#head 04.06.2019
4.
Ja, im Uterricht kann man Nachfragen, daran erinnere ich mich noch gut und es ist auch sinnvoll wenn: 1. man sich traut 2. das Gegenüber versteht was man nicht versteht 3.diesesbereit ist sich die Mühe zu machen und 4. in [...]
Ja, im Uterricht kann man Nachfragen, daran erinnere ich mich noch gut und es ist auch sinnvoll wenn: 1. man sich traut 2. das Gegenüber versteht was man nicht versteht 3.diesesbereit ist sich die Mühe zu machen und 4. in der Lage ist es anders zu erklären. Besonders erinnere ich mich an den Mathelehrer, der nicht verstehen konnte, dass man ihn nicht versteht. Deshalb war ich über viele youtube tutorials erstaunt. Dort wird Wissen nachvollziehbar vermittelt und sicherlich sorgfältiger erklärt als im Unterricht, eben weil keiner nachfragen kann.
rizzo_the_spacerat 04.06.2019
5. Ist doch großartig
also mal ehrlich. Ich bin 36 und ich nutze Youtube als das was die Volkshochschule immer sein wollte. Da kann man sich gefühlt alles beibringen. Meine Frau hat sich das Stricken und Nähen beigebracht und ich bin da auch mit [...]
also mal ehrlich. Ich bin 36 und ich nutze Youtube als das was die Volkshochschule immer sein wollte. Da kann man sich gefühlt alles beibringen. Meine Frau hat sich das Stricken und Nähen beigebracht und ich bin da auch mit ganz vielen Computerthemen unterwegs. Aber auch Handwerkliche Sachen. Brauch ich keinen teuren Handwerker das bekomme ich selber hin.

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