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Leben und Lernen

Studie

Rekordzahlen bei Studierenden ohne Abi

Die Zahl der Studierenden ohne Abitur in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. Einige Fächer sind laut einer Studie besonders beliebt.

Waltraud Grubitzsch/ ZB/ DPA

Medizin- und Zahnmedizinstudenten in einem Anatomie-Hörsaal der Medizinischen Fakultät an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale)

Mittwoch, 03.04.2019   10:47 Uhr

Studieren ohne Abitur - das kommt in Deutschland so oft vor wie noch nie: Knapp 60.000 Menschen lernten 2017 an einer Hochschule, ohne vorher die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife erworben zu haben. Das zeigt eine Studie des CHE Centrums für Hochschulentwicklung. Demnach hat sich die Zahl der Studierenden in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht.

Besonders beliebt sind der Studie zufolge, wie schon im Jahr zuvor, vor allem Fächer aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Gefragt sind aber auch Ingenieurwissenschaften und Medizin.

Weitgehend unbekannt ist laut CHE, dass selbst ein Medizinstudium ohne Abi möglich ist. Rund 800 der insgesamt 109.000 Medizinstudenten erhielten im vergangenen Jahr die begehrten Plätze auch ohne Hochschulreife.

Die Studierenden qualifizieren sich in diesen Fällen über die Berufspraxis. So ersetzt etwa die Note aus einer Meister- oder Fachwirtprüfung die Abinote. Eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie ausreichend Berufserfahrung sind aber immer Pflicht.

Auch die Zahl der Absolventinnen ohne Abi hat sich seit 2007 vervierfacht: 8100 von ihnen erwarben im vergangenen Jahr den Studienabschluss (2007: 1900). Dies sei ein Indiz dafür, "dass die oft zitierte Studierfähigkeit nicht allein vom Abiturzeugnis abhängt", erklärte Sigrun Nickel vom CHE.

ngo/dpa

insgesamt 8 Beiträge
jo126 03.04.2019
1. Wie wahr
Es wird oft unterschätzt, was die duale Ausbildung in Deutschland bedeutet: Immerhin in der Regel drei Jahre zusätzliche Schulbildung (Berufsschule). Und, fast noch wichtiger: Praktische Berufserfahrung. Das mag für den [...]
Es wird oft unterschätzt, was die duale Ausbildung in Deutschland bedeutet: Immerhin in der Regel drei Jahre zusätzliche Schulbildung (Berufsschule). Und, fast noch wichtiger: Praktische Berufserfahrung. Das mag für den Wissenschaftsbetrieb nicht wichtig sein. Aber für eine Berufstätigkeit nach einem Studium ist das sehr wertvoll. Wer einmal Uni-Absolventen ohne Berufserfahrung zu Beginn des Arbeitsprozesses erlebt hat, weiß, wovon ich schreibe. Völlige Selbstüberschätzung, Erwartung, dass das Uni-Wissen direkt im Arbeitsprozess umgesetzt werden kann... Wir nannten das in den späten 1980ern Praxisschock. Ich selbst hatte mein BWL-Studium nach Abschluss einer kaufmännischen Ausbildung erfolgreich absolviert. Die Praxisferne mancher Professoren ließ einen staunen. Also: Abi, Uni, Vorstand... so schlicht ist die Welt dann doch nicht. Und ein 1er Abschluss sagt noch gar nichts über die Praxistauglichkeit oder Karriere aus.
tommybonn2000 03.04.2019
2. dass die oft zitierte Studierfähigkeit nicht allein vom Abiturzeugnis
abhängt. Das ist doch ein witz! 60.000 von 3 millionen Studenten bedeuten nur 2% aller studenten haben kein Abitur. Bei Medizinstudenten sind es sogar nur 0.74%. Das zeigt "wie sehr die Studierfähigkeit allein vom [...]
abhängt. Das ist doch ein witz! 60.000 von 3 millionen Studenten bedeuten nur 2% aller studenten haben kein Abitur. Bei Medizinstudenten sind es sogar nur 0.74%. Das zeigt "wie sehr die Studierfähigkeit allein vom Abiturzeugnis abhängt". In allen anderen EU-Staaten und den USA liegen die Zahlen wesentlich, zum Teil 10 mal höher. Bei der Harvard University (Harvard Extention School) ist z.b. der Hochschulzugang offen und unabhängig von jeder formalen schulischen Vorbildung. Da studieren auch studenten die nicht mal einen richtigen Schulabschluss haben. Es gibt in den usa auch sogenannte Community colleges und die Möglichkeit danach an einer der grossen Universitäten weiter zu studieren. Etc. Etc. Deutschland ist in bezug auf studieren ohne abitur immer noch entwickelungsland. Weit abgeschlagen in der westlichen welt....der Artikel ist also blanker hohn.
großwolke 03.04.2019
3. Durchlässigkeit
Der Artikel ist ein sehr schöner Beleg für die prinzipiell vorhandene Durchlässigkeit unseres Bildungssystems. Es mag ja so sein, dass der Bildungserfolg der Menschen heute in guter Näherung mit dem Bildungshintergrund der [...]
Der Artikel ist ein sehr schöner Beleg für die prinzipiell vorhandene Durchlässigkeit unseres Bildungssystems. Es mag ja so sein, dass der Bildungserfolg der Menschen heute in guter Näherung mit dem Bildungshintergrund der Eltern korelliert. Am System liegt das aber wohl nicht. Denn das bietet genug Zugänge zu höherer Bildung. Sogar ohne Abitur.
gatoalforno 03.04.2019
4. Was ist Studium?
Studium heutzutage wäre auch ein Bachelorabschluß, kein Hochschulabschluß im Sinne von Diplom oder Staatsexamen oder master. Desweiteren sind die AUsgangsbedingungen selbst bei Abiturienten immer unzureichender für ein [...]
Studium heutzutage wäre auch ein Bachelorabschluß, kein Hochschulabschluß im Sinne von Diplom oder Staatsexamen oder master. Desweiteren sind die AUsgangsbedingungen selbst bei Abiturienten immer unzureichender für ein naturwissenschaftliches Studium, gesschweige denn ohne Abitur.
trainerpapa 03.04.2019
5. Studium ohne Abi ....wünschenswert?
....ich meine ja. Die Zahlen hören sich vielversprechend an. Wegweisend sind sie jedoch nicht. Das Abitur ist mE nur beschränkt für eine spätere erfolgreiche Berufsausübung nach einem Studium aussagefähig...macht es einen [...]
....ich meine ja. Die Zahlen hören sich vielversprechend an. Wegweisend sind sie jedoch nicht. Das Abitur ist mE nur beschränkt für eine spätere erfolgreiche Berufsausübung nach einem Studium aussagefähig...macht es einen Schüler, der einen 1.2 Schnitt im Abi hat zu einem besseren Arzt als jemand, der z.B. als Sanitäter sein Interesse bekundet hat, Menschen zu helfen...sicherlich nicht! Wünschenswert wäre für mich die Etablierung eines Studiums generale für alle die anfangen. Die Studienanfänger werden immer jünger...ich spreche da aus eigener Erfahrung...und das Studium immer "verschulter"...soll das so weiter gehen? Ich sehe das kritisch...

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