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Leben und Lernen

Großbritannien

Englands Ärger mit den Fake-Unis

Hohe Einschreibegebühren, teure Hotlines und falsche Abschlüsse: Großbritannien hat ein Problem mit illegalen Universitäten. Eine Initiative geht nun dagegen vor.

NELSON_CORTEZ / Getty Images/EyeEm

Studenten einer britischen Universität

Freitag, 12.04.2019   15:01 Uhr

Hochschulabschlüsse aus Großbritannien zählen zu den renommiertesten weltweit. Doch neben angesehen Unis wie Cambridge und Oxford stellten in der Vergangenheit offenbar zahlreiche Bildungseinrichtungen Abschlüsse aus, ohne dafür entsprechende Akkreditierungen zu haben.

Wie der britische "Guardian" berichtet, ist die Zahl solcher Fake-Universitäten zwar weiterhin hoch, zuletzt sei sie jedoch zurückgegangen. Die Zeitung beruft sich auf Daten der Initiative Higher Education Degree Datacheck, kurz: Hedd.

Auf seiner Webseite listet Hedd in ganz Großbritannien insgesamt 243 betrügerische Institutionen auf - dagegen 471 anerkannte. Das seien laut "Guardian" 75 weniger, als noch vor vier Jahren.

Die Initiative wurde 2011 aufgelegt und wird unter anderem durch das britische Bildungsministerium finanziert. Sie überprüft die Echtheit von Abschlüssen an höheren Bildungseinrichtungen. Hedd greift etwa auf verifizierte Informationen des Bildungsministeriums und ein Namensregister aller britischen Unis zurück. Die Initiative geht zudem Hinweisen über Schummel-Unis nach.

Demnach existierten einige Unis offenbar gar nicht. Im Fall der "Manchester Open University" seien für 35.000 Pfund Zeugnisse in den Studiengängen Geschichte, Englisch und Medizin angeboten worden. Die Uni hatte angegeben, dass 2000 Menschen aus 90 verschiedenen Ländern dort studieren würden. Tatsächlich konnte Hedd aber keine Hinweise darauf finden, dass es die Uni überhaupt gibt.

Manchmal seien die vermeintlichen Unis auch im Ausland angemeldet. So etwa die erfundene "Oxbridge University of Kilmurry", die laut der Initiative ihren Sitz letztlich in Gambia gehabt habe. In einem anderen Fall habe eine illegale Website Texte und Logos der Universität Wolverhampton übernommen und so den Anschein erweckt, es handle sich um die echte Webseite der Uni. Oft gingen die Seiten laut Hedd dann offline, tauchten aber wenig später unter neuem Namen wieder auf.

Die Fake-Unis hätten vor allem mit Einschreibungsgebühren und überteuerten Hotlines Geld verdient und persönliche Informationen gesammelt, heißt es von Hedd. Mit einer ähnlichen Strategie war zuletzt eine vermeintliche Universität in den USA aufgeflogen.

"Das schadet dem Ruf unseres nationalen Hochschulsystems", sagte die Hedd-Vorsitzende, Jayne Rowley, dem "Guardian". Insgesamt seien die Schummel-Unis aber ein globales Problem. Hinter den illegalen Websites und Fake-Unis steckten demanch oft kriminelle Netzwerke aus dem Ausland.

Zudem nahm Rowley auch die Arbeitgeber in die Pflicht: "Wenn jeder die Abschlüsse der Bewerber prüfen würde, gäbe es für diese Art von Betrug nicht so einen großen Markt." Ob eine Universität echt sei, lässt sich nach Angaben von Hedd schon an den Endungen der Websites erkennen. Alle Seiten, die auf "ac.uk" endeten, seien vom Bildungsministerium zertifiziert.

fek

insgesamt 5 Beiträge
scoopx 12.04.2019
1. Ha-ha!
Das ist nun das Ergebnis der hohen Studiengebühren und überhaupt des Wettwerbs im Hochschulwesen! Ohne die Studiengebühren, die man abzocken kann, würde es das "Geschäftsmodell" Fake-Uni gar nicht geben. Und es ist [...]
Das ist nun das Ergebnis der hohen Studiengebühren und überhaupt des Wettwerbs im Hochschulwesen! Ohne die Studiengebühren, die man abzocken kann, würde es das "Geschäftsmodell" Fake-Uni gar nicht geben. Und es ist klar, daß GB und USA dabei an der Spitze liegen. In Deutschland, wo die ohnehin niedrigen Studiengebühren wieder abgeschafft wurden, gibt es keine Fake-Unis.
curiosus_ 12.04.2019
2. Wer geht an eine Fake-Uni?
Normalerweise geht man an eine schon seit Jahrzehnten bekannte und existierende Uni, egal ob renommiert oder nicht. Warum sollte man an eine völlig unbekannte neue Uni gehen? Erst recht, wenn die noch nicht mal einen Campus hat? [...]
Normalerweise geht man an eine schon seit Jahrzehnten bekannte und existierende Uni, egal ob renommiert oder nicht. Warum sollte man an eine völlig unbekannte neue Uni gehen? Erst recht, wenn die noch nicht mal einen Campus hat? Da gehen wohl nur die hin, die woanders nicht zugelassen werden. Oder die, die möglichst einfach und ohne Aufwand einen Abschluss wollen. Und beide wissen, dass die Uni nur fake ist. Und um den Arbeitgeber, der auf derartige Abschlüsse reinfällt, ist es sicher nicht schade.
Hamberliner 12.04.2019
3. Re: Ha-ha!
Daran habe ich Zweifel. Es gibt hierzulande private Etablissements, die ihreszeichens "Studienbeiträge" kassieren und sich aufführen als seien sie Universitäten ebenbürtig. Wenn so eine Klitsche sich [...]
Zitat von scoopxDas ist nun das Ergebnis der hohen Studiengebühren und überhaupt des Wettwerbs im Hochschulwesen! Ohne die Studiengebühren, die man abzocken kann, würde es das "Geschäftsmodell" Fake-Uni gar nicht geben. Und es ist klar, daß GB und USA dabei an der Spitze liegen. In Deutschland, wo die ohnehin niedrigen Studiengebühren wieder abgeschafft wurden, gibt es keine Fake-Unis.
Daran habe ich Zweifel. Es gibt hierzulande private Etablissements, die ihreszeichens "Studienbeiträge" kassieren und sich aufführen als seien sie Universitäten ebenbürtig. Wenn so eine Klitsche sich "Muminius School of Professional Business Management" nennt, oder so ähnlich, und Bachelor-Abschlüsse in "Strategic Parfume & Luxury Performance Studies" oder so ähnlich anbietet, dann wär ich mir nicht so sicher ob wir hierzulande nicht schon fast dasselbe Problem haben wie die Briten. Ich habe den Eindruck solche Klitschen werden immer mehr, sie vermehren sich wie eine Schimmelpilzkultur.
MioMioMimi 15.04.2019
4.
In Deutschland existiert das Problem meiner Meinung nach vor allem bei den Angeboten zum Fernstudium. Das Studium kosten eine Menge Geld und fast jeder erhält mit minimalen Aufwand (im Vergleich zum normalen Studium) einen [...]
In Deutschland existiert das Problem meiner Meinung nach vor allem bei den Angeboten zum Fernstudium. Das Studium kosten eine Menge Geld und fast jeder erhält mit minimalen Aufwand (im Vergleich zum normalen Studium) einen Abschluss. Ich finde das zumindest sehr merkwürdig.
benhadschiomar 15.04.2019
5. @ 4: Da schreibt jemand ganz pauschal,
der offensichtlich keine Ahnung hat. Es gibt mindestens eine Institution - womit dessen Aussage widerlegt ist -, an der ich selbst studiert habe und (!) deren Niveau deutlich höher war als an der Fachhochschule, wo ich später [...]
der offensichtlich keine Ahnung hat. Es gibt mindestens eine Institution - womit dessen Aussage widerlegt ist -, an der ich selbst studiert habe und (!) deren Niveau deutlich höher war als an der Fachhochschule, wo ich später den Wissens- und Fähigkeitenstand staatlicher Studenten prüfen konnte - obwohl alle Professoren von staatlichen Hochschulen kamen.

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