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Leben und Lernen

Kabinettsbeschluss

Hebamme soll Studienfach werden

Wer als Hebamme arbeiten will, durchläuft bisher eine Ausbildung. Das soll sich ändern - und zwar schnell.

imago images/Westend61

Mittwoch, 15.05.2019   14:02 Uhr

Die Bundesregierung hat die Reform der Hebammen-Ausbildung auf den Weg gebracht. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die Einführung eines dualen Studiums für Geburtshelfer. Es soll sechs bis acht Semester dauern und die wissenschaftliche Theorie mit der Praxis verknüpfen. "Mit dieser Reform machen wir die Hebammenausbildung moderner und attraktiver", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Bislang erfolgt die Ausbildung an Hebammenschulen. Ausreichend dafür ist eine zehnjährige Schulbildung. Für das duale Studium sollen zwölf Jahre Schulausbildung erforderlich sein oder aber die abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf. Das Studium wird die Hebammen laut Spahn "auf die wachsenden Anforderungen in der Geburtshilfe" vorbereiten. Das Gesundheitsministerium hofft auf ein Inkrafttreten zum Jahreswechsel. Bereits im vergangenen Jahr hatte Spahn den Studiengang angekündigt.

Der Deutsche Hebammenverband fordert schon seit Langem, die Hebammenausbildung zu akademisieren, und begrüßte den Gesetzentwurf. "Wir freuen uns, dass sich die Bundesregierung so klar geäußert hat", sagte Yvonne Bovermann dem SPIEGEL. Bovermann ist Mitglied des Präsidiums des Deutschen Hebammenverbands.

Eine Akademisierung des Hebammenberufs habe Vorteile sowohl für die Hebammen als auch für die gebärenden Frauen. "Durch das Studium wird garantiert, dass Gebärende bestmöglich betreut werden", sagte Bovermann. "Außerdem wird die Anerkennung für den Beruf steigen."

Abschluss wird Voraussetzung für Berufsbezeichnung Hebamme

Das Studium soll dem Gesetzentwurf zufolge künftig mit einem Bachelor sowie einer staatlichen Prüfung enden. Der Abschluss wird Voraussetzung dafür, die Berufsbezeichnung Hebamme zu führen. Während der gesamten Ausbildungszeit sollen die angehenden Hebammen bezahlt werden.

Als Nächstes wird sich der Bundestag mit dem Entwurf befassen. Auch der Bundesrat muss zustimmen. Mit dem Gesetz wird auch eine EU-Richtlinie umgesetzt.

Seit einigen Jahren warnt der Hebammenverband vor einer Verschlechterung der Hebammenversorgung. Es mangele an Hebammen, auch Kreißsäle fehlten. Yvonne Bovermann vom Deutschen Hebammenverband hofft, dass sich diese Situation nun verbessert. "Hochschulen können anders als kleine Hebammenschulen große Kohorten von Studierenden aufnehmen." Auf lange Sicht könne so das Problem des Hebammenmangels gelöst werden.

lmd/dpa

insgesamt 12 Beiträge
arr68 15.05.2019
1. Yeah, nehmt den Hebammen 3-4 Jahre Rente,
das ist eine tolle Idee. Erst hat man den Studierenden die Beitragsjahre geklaut, weil ja jeder Student nen super Job bekommt, dann nimmt man dem Studium die Professionalität mit Bachelor und Master und jetzt macht man mit den [...]
das ist eine tolle Idee. Erst hat man den Studierenden die Beitragsjahre geklaut, weil ja jeder Student nen super Job bekommt, dann nimmt man dem Studium die Professionalität mit Bachelor und Master und jetzt macht man mit den Hebammen das Gleiche? Ich bin für die Auszahlung der Diäten genau wie Hartz 4 Aufstockung, vielleicht denken dann mal Politiker nach...
apfeldroid 15.05.2019
2. Hebammen verdienen sehr gut...
… in der Praxis! Deshalb will keine in der Klinik arbeiten. In der Praxis jammern sie aber über hohe Versicherungssummen, wollen aber nicht zurück in die Klinik. Viel genug ist es natürlich nie! Außerdem ist die Frage, was [...]
… in der Praxis! Deshalb will keine in der Klinik arbeiten. In der Praxis jammern sie aber über hohe Versicherungssummen, wollen aber nicht zurück in die Klinik. Viel genug ist es natürlich nie! Außerdem ist die Frage, was man da bitte schön studieren soll? Vor 2 tausend Jahren hat man auch nicht studiert und Operieren dürfen sie auch nicht - also ist es ein absurder Witz. Fr. Dr. Hebamme oder was? Probleme in der Pflege lassen sich sehr einfach durch bessere Bezahlung beheben. Leider erst in paar Jahren, nachdem der Beruf attraktiver wird. Und albanische Hebammen kann man auch kaum gebrauchen in Gegensatz zu Altenpflege
juba39 15.05.2019
3. Was soll dieser Unfug!
In Deutschland herrscht doch kein Mangel an Hebammen. Warum in den letzten Jahren solch eine Ausdünnung erolgte, ist schlicht eine finazielle Frage. Eine freiberufliche Hebamme kann sich einfach die Versicherungsprämien nicht [...]
In Deutschland herrscht doch kein Mangel an Hebammen. Warum in den letzten Jahren solch eine Ausdünnung erolgte, ist schlicht eine finazielle Frage. Eine freiberufliche Hebamme kann sich einfach die Versicherungsprämien nicht mehr leisten, die inzwischen von den Haftpflichtversicherern verlangt werden. Damit das auch richtig ankommt. 2016: 6.800€ im Jahr 2018: 8.175€ im Jahr. Wie viel muß da jemand verdienen, um solche Prämien stemmen zu können. Wer also solche Meldungen verzapft, muß vor sehr langer Zeit geboren worden sein.
whitewisent 15.05.2019
4.
Man kann nicht per Studium Empathie und Geschick vermitteln. Vor allem nicht, wenn man den Zugang so beschränkt, daß zuerst einmal ein Abitur geschafft werden muss. Wer wird dann wohl Hebamme als Studienfach wählen? Abgelehnte [...]
Man kann nicht per Studium Empathie und Geschick vermitteln. Vor allem nicht, wenn man den Zugang so beschränkt, daß zuerst einmal ein Abitur geschafft werden muss. Wer wird dann wohl Hebamme als Studienfach wählen? Abgelehnte Bewerberinnen vom Medizinstudium, bei denen es selbst für Zahnarzt nicht reicht? Das Hauptproblem ist die Überfrachtung des Begriffs "Hebamme", eigentlich als Geburtshelferin gemeint, übernehmen sie heute einen großen Teil der Vor- und Nachsorge von Müttern. Wozu ein medizinisch begleitetes Studium sicher helfen kann. Aber um 5 Gebärende gleichzeitig im Kreißsaal zu betreuen braucht es das nicht, dort ist Einsatz, Erfahrung und Gefühl gefragt. In vielen Gegenden sind Hebammen schon heute kaum noch zu bekommen, vor allem wenn man bestimmte Vorstellungen als Frau hat. Das Problem löst man sicher nicht damit, dass man die Zugangsbeschränkungen erhöht.
4711_please 15.05.2019
5. Na endlich
Glückwunsch den Hebammen und Verbänden, dass diese Republik nach Jahrzehnten mal OECD-Standard in der Geburtshilfe bekommt. Dürfte ein Schritt sein, um die Krise der Geburtshilfe zu überwinden.
Glückwunsch den Hebammen und Verbänden, dass diese Republik nach Jahrzehnten mal OECD-Standard in der Geburtshilfe bekommt. Dürfte ein Schritt sein, um die Krise der Geburtshilfe zu überwinden.

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