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Leben und Lernen

CHE-Studie

In diesen Städten wohnen Studenten besonders gern bei ihren Eltern

Immer weniger Studenten können es sich leisten, in einer eigenen Wohnung zu leben. Viele entscheiden sich für WGs oder das elterliche Zuhause - Schuld ist der angespannte Wohnungsmarkt.

Getty Images

Am Frühstückstisch mit den Eltern (Symbolbild)

Mittwoch, 16.01.2019   14:39 Uhr

Keine Lust auf hohe Mieten, selber kochen oder Wäsche waschen? Warum dann nicht gleich bei den Eltern bleiben, wenn man an die Uni geht? Laut einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) wohnen immer mehr Studierende bei ihren Eltern.

Demnach lebt rund ein Viertel aller Studierenden (25,2 Prozent) im elterlichen Zuhause. Im Jahr 2003 lag der Anteil noch bei 22,4 Prozent. Allerdings gibt es große Unterschiede, was die Regionen und Fächer betrifft. So leben Studenten am häufigsten in den Städten Brühl und Wetzlar bei ihren Eltern. Dort sind es jeweils mehr als zwei Drittel.

Die drei Orte mit dem höchsten Anteil bei den Eltern wohnender Studierende, also Brühl, Wetzlar und Neunkirchen, haben gemeinsam, dass man dort vor allem wirtschaftliche sowie ingenieurwissenschaftliche Fächer studieren kann. Demnach scheinen Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure, die in kleineren Städten studieren, besonders gern bei ihren Eltern zu wohnen.

Vom wem stammt die Studie?
Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die Studie realisiert. Dafür wurden Fragebögen von rund 133.000 Studenten ausgewertet.
Welche Studenten wurden befragt?
Es handelt sich um Studierende in Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen aus dem knapp 40 Fächer umfassenden Fächerspektrum des CHE Hochschulrankings. Befragt wurden Studenten ab dem 3. Fachsemester bis zum 7. Fachsemester.
Aus welchem Zeitraum stammen die Daten?
Die Angaben der Studierenden zum Jahr 2003 stammen aus den Studierendenbefragung im Wintersemester 2001/02 sowie Wintersemester 2002/03, für das Jahr 2018 aus dem Wintersemester 2016/17 sowie Wintersemester 2017/18.

Außerdem wohnen immer mehr junge Menschen in Wohngemeinschaften. In den vergangenen 15 Jahren stieg der Anteil von 21,9 Prozent auf 30,8 Prozent.

Zugleich können sich immer weniger Studierende eine eigene Wohnung leisten. Waren das im Jahr 2003 noch 35,8 Prozent, sank der Anteil auf 26,9 Prozent.

Studentisches Wohnen im Zeitvergleich

Wohnform 2003, Anteil ( in %) 2018, Anteil (in %)
Eltern 22,4 25,2
Privat 35,8 26,9
Wohnheim 14,7 13,9
WG 21,9 30,8
Eigentumswohnung 2,9 1,7
Untermiete 2,2 1,5
Fallzahlen 60.253 72.503

Quelle: Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung

In Orten wie Riedlingen (Baden-Württemberg), Neubrandenburg und Oestrich-Winkel (Hessen) wohnen Studierende indes besonders häufig in eigenen Wohnungen - und zwar mehr als die Hälfte.

Auch die Entfernung zum Hochschulort spielt bei der Entscheidung, wo Studenten wohnen wollen, eine Rolle. Nur acht Prozent aller Studierenden wohnen am Hochschulort selbst noch bei ihren Eltern. Dafür leben dort 41 Prozent in einer WG.

Liegt der Wohnort bis zu 50 Kilometer vom Hochschulort entfernt, sieht es schon anders aus. In diesem Falle leben rund zwei Drittel aller Befragten bei ihren Eltern und nur jeder zehnte entscheidet sich für eine Wohngemeinschaft.

Wo die meisten Studierenden bei den Eltern wohnen

Ort Einwohnerzahl Bei den Eltern (%) Fallzahl
Brühl 44.768 67,9 143
Wetzlar 51.649 66,7 78
Neunkirchen 46.369 64,4 51
Weiden 42.055 64,3 134
Minden 81.598 58,0 60
Saarbrücken 178.151 58,0 1014
Aschaffenburg 68.986 57,6 181
Bad Homburg 53.244 57,1 152
Meschede 30.119 56,5 92
Ansbach 41.159 54,2 211

Quelle: Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung

Dass immer mehr Studierende bei den Eltern oder in WGs leben, könnte durch den angespannten Wohnungsmarkt begründet sein. Seit Jahren steigen vor allem die Mieten in Großstädten, zugleich gibt es immer mehr Menschen, die sich nach dem Abitur für ein Studium entscheiden. Zurzeit sind knapp 2,9 Millionen Studenten an den Hochschulen in Deutschland eingeschrieben.

Laut der CHE-Studie ist zudem das Alter der Studierenden von 22,1 Jahre (2003) auf 19,7 Jahre (2018) gesunken. Auch dies könnte ein Grund sein, warum Studenten eher dazu bereit sind, bei ihren Eltern zu wohnen.

kha

insgesamt 16 Beiträge
magic88wand 16.01.2019
1. Offenbar doch keine Frage des Geldes
"Immer weniger Studenten können es sich leisten, in einer eigenen Wohnung zu leben", heißt es. Die Zahlen aber bestätigen das mitnichten. Oder warum sonst wohnen Studenten aus Brühl, Wetzlar, Neunkirchen, Weiden, [...]
"Immer weniger Studenten können es sich leisten, in einer eigenen Wohnung zu leben", heißt es. Die Zahlen aber bestätigen das mitnichten. Oder warum sonst wohnen Studenten aus Brühl, Wetzlar, Neunkirchen, Weiden, Minden und Saarbrücken lieber bei ihren Eltern als die Kommilitonen aus München, Düsseldorf, Berlin und Frankfurt?
siebenachtneun 16.01.2019
2.
Steigende Mieten, überfüllte Wohnheime, umkämpfter WG-Markt und steigende Lebenshaltungskosten können seltener finanziell gestemmt werden von Studenten. Dazu kommt noch die wachsenen Studierendenzahl, sodass man oft einen NC [...]
Steigende Mieten, überfüllte Wohnheime, umkämpfter WG-Markt und steigende Lebenshaltungskosten können seltener finanziell gestemmt werden von Studenten. Dazu kommt noch die wachsenen Studierendenzahl, sodass man oft einen NC hat und man gucken muss, wo man angenommen wird. Wenn man das Glück hat und am Wohnort kann man sein Fach studieren, ist das super und der Rest muss zusehen, wie er das finanzieren kann.
Wortschmied 16.01.2019
3. Irrelevant, ja überflüssig
Dieser Beitrag ist ungefähr so bedeutsam und erkenntnisbringend, wie es ein Artikel mit dem Titel "In diesen Städten essen die Menschen besonders gern die Unterhälfte des Brötchens" wäre – zumal Spitzenreiter Brühl und [...]
Dieser Beitrag ist ungefähr so bedeutsam und erkenntnisbringend, wie es ein Artikel mit dem Titel "In diesen Städten essen die Menschen besonders gern die Unterhälfte des Brötchens" wäre – zumal Spitzenreiter Brühl und Schlusslicht Ansbach nicht einmal 14 Prozent auseinander liegen. Von der Marke SPIEGEL darf man durchaus mehr Relevanz bei der Auswahl der Themen erwarten!
Plasmabruzzler 16.01.2019
4.
Wenn mit Brühl die Stadt zwischen Köln und Bonn gemeint ist, kann ich das nachvollziehen. Von dort aus ist man ziemlich zügig in den Hochschulen von Köln, Bonn, Alfter, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin usw. Selbst [...]
Wenn mit Brühl die Stadt zwischen Köln und Bonn gemeint ist, kann ich das nachvollziehen. Von dort aus ist man ziemlich zügig in den Hochschulen von Köln, Bonn, Alfter, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin usw. Selbst nach Düsseldorf wäre die Pendelei erträglich. Nahe den dortigen Unis/FHs findet man kaum bezahlbaren Wohnraum - selbst in Städten wie Hürth, Bornheim, Frechen, Bergheim und co. zogen die Preise für Mietwohnungen relativ stark an und teils muss man von dort aus länger pendeln.
likaner 16.01.2019
5. Ähm,
die Studie wird ganz bestimmt nicht dadurch verfälscht, dass Studenten als Erstwohnsitz bei den Eltern bleiben, oder? Mir kommt die Zahl der "Mehrere Stunden von Daheim Pendler" etwas hoch vor.
die Studie wird ganz bestimmt nicht dadurch verfälscht, dass Studenten als Erstwohnsitz bei den Eltern bleiben, oder? Mir kommt die Zahl der "Mehrere Stunden von Daheim Pendler" etwas hoch vor.

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