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Netzwelt

Softwarefehler entdeckt

Apple schaltet FaceTime-Gruppenanrufe vorläufig ab

Ein Fehler in FaceTime ermöglicht es Anrufern, einen Angerufenen zu hören, bevor dieser den Anruf annimmt. Apple hat die entsprechende Funktion deaktiviert und einen schnellen Bugfix versprochen.

Apple

FaceTime-Gruppenanruf

Dienstag, 29.01.2019   08:59 Uhr

Apple hat die Möglichkeit, mit seiner Videochatsoftware FaceTime sogenannte Gruppenanrufe zu führen, deaktiviert. In der Nacht zum Dienstag war bekannt geworden, dass man darüber andere Nutzer unter Umständen belauschen konnte. Wegen eines Softwarefehlers konnte ein Anrufer dem Angerufenen zuhören, noch bevor dieser den Anruf annahm.

Hacker musste man freilich nicht sein, um diesen Fehler auszunutzen. Stattdessen reichte es aus, ein paar einfache Schritte durchzuführen:

SPIEGEL ONLINE

Gruppenanruf in der FaceTime-App

Das Ergebnis war, dass die Software offenbar davon ausging, dass man nun eine Gruppenunterhaltung begonnen hatte, auch wenn an dieser nur man selbst und der Angerufene teilnahmen. In der Folge schaltete FaceTime die Mikrofone aller Teilnehmer - in diesem Fall eben nur zwei - frei.

Das Technologieblog "9to5Mac" stellte überdies fest, dass die Videoübertragung vom iPhone des Angerufenen unbemerkt aktiviert werden konnte, wenn dieser, statt den Anruf anzunehmen, vom Sperrbildschirm aus den Einschaltknopf des Handys drückte.

Apple hatte die Funktion für Gruppenanrufe, an denen bis zu 32 Nutzer teilnehmen können, erst vor wenigen Monaten mit der Einführung von iOS 12.1 hinzugefügt. FaceTime ist nur auf Geräten von Apple verfügbar.

FaceTime deaktivieren in iOS und macOS: So geht es

Apple erklärte bereits, der Fehler sei gefunden worden und werde in den kommenden Tagen per Software-Update behoben. Zudem wurden Gruppenanrufe vorläufig komplett abgeschaltet, wie aus Apples Systemstatus-Seite hervorgeht.

Wer sich nicht allein auf Apple verlassen will, kann FaceTime zusätzlich komplett deaktivieren, bis das Update erhältlich ist. Das geht in den iOS-Einstellungen unter FaceTime, dort muss nur der oberste virtuelle Schalter nach links geschoben werden. Mac-Nutzer hingegen müssen die FaceTime-App selbst öffnen und FaceTime deaktivieren aus dem Menü auswählen.

Für das Unternehmen ist der Bug schmerzhaft, denn Apple wirbt gerade intensiv mit der Verschlüsselung und Sicherheit seiner Dienste.

mak/dpa

insgesamt 6 Beiträge
iphone_dummy 29.01.2019
1.
Und wieder ist ein Feature betroffen, das neu eingeführt wurde (iOS 12.1) und extra beworben wurde. Bis vor wenigen Jahren stand der Name Apple für gute, sichere Produkte. Hard- und Software. Inzwischen muss man davon [...]
Und wieder ist ein Feature betroffen, das neu eingeführt wurde (iOS 12.1) und extra beworben wurde. Bis vor wenigen Jahren stand der Name Apple für gute, sichere Produkte. Hard- und Software. Inzwischen muss man davon ausgehen, dass in Cupertino die gesamte QM-Abteilung geschlossen wurde - und Tests und das Verfassen von Testprozeduren nur noch gelegentlich und von ungeschultem Personal durchgeführt wird.
touri 29.01.2019
2.
Das merkt man heutzutage leider bei so ziemlich jeder Software. Da wird was halbfertiges auf den Markt geschmissen, die Nutzer als Tester missbraucht und dann werden die Bugs nach und nach herausgepatcht. Häufig kommt das [...]
Zitat von iphone_dummyUnd wieder ist ein Feature betroffen, das neu eingeführt wurde (iOS 12.1) und extra beworben wurde. Bis vor wenigen Jahren stand der Name Apple für gute, sichere Produkte. Hard- und Software. Inzwischen muss man davon ausgehen, dass in Cupertino die gesamte QM-Abteilung geschlossen wurde - und Tests und das Verfassen von Testprozeduren nur noch gelegentlich und von ungeschultem Personal durchgeführt wird.
Das merkt man heutzutage leider bei so ziemlich jeder Software. Da wird was halbfertiges auf den Markt geschmissen, die Nutzer als Tester missbraucht und dann werden die Bugs nach und nach herausgepatcht. Häufig kommt das dadurch Zustande, das unrealistische deadlines unbedingt eingehalten werden müssen.
padberx 29.01.2019
3. Agile Software-Entwicklung
Genau darin besteht eine große Gefahr des aktuellen "Agile-Trends" in der Software-Entwicklung: Einfach mal drauf los zu entwickeln und letztlich nur halbfertige, mit unzähligen Bugs gespickte (Vor-) Versionen zu [...]
Genau darin besteht eine große Gefahr des aktuellen "Agile-Trends" in der Software-Entwicklung: Einfach mal drauf los zu entwickeln und letztlich nur halbfertige, mit unzähligen Bugs gespickte (Vor-) Versionen zu veröffentlichen (ohne sie als solche kenntlich zu machen). Und die armen User sollen dann bitte 'die Bereitschaft zu Fehlertoleranz unter Beweis stellen' und nachsichtig mit den armen Entwicklern sein, dass sie von letzteren häufig unfertigen und nicht genügend getesteten Software-Schrott vorgesetzt bekommen. Und zur Krönung wird 'Agilität' dann gleich auch noch als neue Management-Philosophie ausgerufen - aus Sicht des Qualitätsmanagements ist das durchaus nicht ironiefrei ...! ;-)
derBlock 29.01.2019
4. Bug oder cleveres Insider-feature?
Programmierer testen ggf. aus, was Zuhause abgeht: ein tiefer Seufzer vorm Gepräch lässt nachdenken... Akuter wird es bei z.B.: "Hör auf, du Lustmolch.. das ist mein Mann!" Klingt paranoid, aber wenn man mal [...]
Programmierer testen ggf. aus, was Zuhause abgeht: ein tiefer Seufzer vorm Gepräch lässt nachdenken... Akuter wird es bei z.B.: "Hör auf, du Lustmolch.. das ist mein Mann!" Klingt paranoid, aber wenn man mal überlegt wie verlockend es ist, Möglichkeiten zu nutzen, die sonst keiner hat. Siehe Polizei und ständige privatabfragen im System.
Neustädter_02 30.01.2019
5. Das ist doch Quatsch!
Das hat doch nichts mit Agile Development, sondern mit Schlamperei zu tun! Agile entwickelte Software ist - bei richtigem Gebrauch der Methode, versteht sich - außerordentlich gut getestete, da Tests in sehr frühen Phasen [...]
Zitat von padberxGenau darin besteht eine große Gefahr des aktuellen "Agile-Trends" in der Software-Entwicklung: Einfach mal drauf los zu entwickeln und letztlich nur halbfertige, mit unzähligen Bugs gespickte (Vor-) Versionen zu veröffentlichen (ohne sie als solche kenntlich zu machen). Und die armen User sollen dann bitte 'die Bereitschaft zu Fehlertoleranz unter Beweis stellen' und nachsichtig mit den armen Entwicklern sein, dass sie von letzteren häufig unfertigen und nicht genügend getesteten Software-Schrott vorgesetzt bekommen. Und zur Krönung wird 'Agilität' dann gleich auch noch als neue Management-Philosophie ausgerufen - aus Sicht des Qualitätsmanagements ist das durchaus nicht ironiefrei ...! ;-)
Das hat doch nichts mit Agile Development, sondern mit Schlamperei zu tun! Agile entwickelte Software ist - bei richtigem Gebrauch der Methode, versteht sich - außerordentlich gut getestete, da Tests in sehr frühen Phasen schon sehr systematisch durchgeführt werden. Es gibt dazu Literatur ohne Ende, und man kann es durchaus richtig machen (was man von einer Weltfirma wie Apple auch erwarten sollte!). Man kann aber auch nur behaupten, man arbeite "agile" und alle vierzehn Tage etwas heraushauen. Dann trifft zu, was Sie geschrieben haben, das ist aber nicht der Methode zur Last zu legen!

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