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Netzwelt

Apples neue Dienste

Zahlen, bitte!

Apple präsentiert neue Unterhaltungsangebote statt neuer Gadgets - und etliche Hollywoodstars. Was der Spaß kostet, verriet das Unternehmen nicht.

REUTERS
Aus Cupertino berichtet
Dienstag, 26.03.2019   10:28 Uhr

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


War das ein Schaulaufen! Steven Spielberg war da und JJ Abrams, Jennifer Aniston, Reese Witherspoon und Steve Carrell. Sogar die von vielen Amerikanern geradezu vergötterte TV-Moderatorin Oprah Winfrey trat auf. Mehr als eine halbe Stunde lang gaben sich Hollywoodgrößen auf der Bühne in Apples Steve Jobs Theater das Staffelholz in die Hand. Die einen sprachen über die Tücken der Kreativität, andere über das große Miteinander bei der Filmproduktion, wieder andere warben schlicht für ihre neue TV-Serie.

Das musste auch so sein. Fernsehen war schließlich das Thema des Tages bei Apple. Und der Konzern hat geliefert. Nicht nur reichlich Promis, sondern auch reichlich Ankündigungen. Nur mit konkreten Angaben hatte es Apple am Montag nicht so. Viel wurde versprochen, wenig Konkretes gesagt.

Das betrifft auch, aber nicht nur, das TV-Angebot Apple TV+. Für den neuen Streamingdienst lässt Apple etliche neue Serien von und mit den Superstars auf der Bühne produzieren. Dazu gehören Comedyserien wie "The Morning Show" über die Tücken des amerikanischen Frühstücksfernsehens ebenso wie eine Neuauflage der Fantasy-Serie "Unglaubliche Geschichten" unter der Regie von Steven Spielberg.

Viel wurde darüber gesprochen, was da alles an neuen TV-Shows kommen und wie gut es in Apples TV-App integriert werden soll. Nur wann genau und zu welchem Preis Apple das alles anbieten will, das wurde nicht gesagt.

Ebenso wenig wurde erklärt, was Apple Arcade kosten wird, die Spiele-Flatrate für iOS, macOS und tvOS, die im Herbst in Apples Angebot aufgenommen werden soll. Mehr als 100 neue und exklusive Spiele sollen dort zum Ausleihen erhältlich sein. Wenn der Preis stimmt, eine verlockende Offerte. Nur kennt man diesen Preis eben nicht.

Auch der Ankündigung von Apple TV-Channels fehlte es an wichtigen Fakten. Über das neue Angebot sollen Apples Kunden künftig direkt in der TV-App Dienste wie HBO, Showtime oder Starz abonnieren können, die wegen Eigenproduktionen wie "Game of Thrones" viele Fans haben. Filme und Serien dieser Anbieter sollen sich nahtlos in die TV-App einfügen, also direkt in der Apple-App zum Anschauen bereitstehen. Das erinnert an Amazons Prime Video Channels, die nach demselben Prinzip funktionieren.

Bisher hat Apple dafür aber nur US-Angebote angekündigt, und gesagt "es kommen weltweit immer mehr dazu." Welche Partner in Deutschland über diesen Dienst zum Abo bereitstehen werden, ist unklar. Genauso unklar sind auch die Preise. Wenn Apple seine üblichen 30 Prozent Provision einstreichen will, müssten die in den Channels vertretenen Anbieter diese 30 Prozent von ihrem Gewinn abziehen. Oder sie auf ihre normalen Abopreise aufschlagen. Netflix tut das bei Abos, die über Apple verkauft werden, schon lange. Wer direkt beim Anbieter kauft, guckt billiger.

Apple-News für 9,99 Dollar - aber nicht in Deutschland

Das einzige neue Angebot, für das Apple tatsächlich einen Monatspreis genannt hat, ist Apple News+. Die Nachrichten-App ist um Magazine und neue Darstellungsmöglichkeiten erweitert worden und soll nun auch Inhalte der "LA Times" und des "Wall Street Journal" im Programm haben - wenn auch nicht alle. Das Abo kostet 9,99 Dollar monatlich, ist aber vorerst nur in den USA und Kanada verfügbar, soll im Herbst auf Großbritannien und Australien ausgeweitet werden. Von Deutschland war nicht die Rede.

Zwei Dinge fielen bei all dem immer wieder auf: Zum einen betonten Apples Manager bei der Präsentation der neuen Dienste stets, dass Apple die Daten seiner Kunden nicht verkaufen werde. Zum anderen, dass die neuen Angebote immer auch von mehreren Personen innerhalb einer Familie nutzbar sein sollen.

Apple bündelt seine TV-Angebote in einer neuen Version seiner TV-App, die im Mai veröffentlicht werden soll. Das ist einerseits komfortabel: Egal, welches Angebot man nutzt, man findet es immer in derselben App. Zum anderen ist das wichtig, um die Zahl potenzieller Nutzer zu erweitern. Laut Apple gibt es derzeit rund 1,4 Milliarden aktive Apple-Geräte. Zu denen kommen in Zukunft noch etliche Millionen Smart-TVs, Settop-Boxen und Fire-TV-Geräte von Amazon hinzu, auf denen die neue Apple-TV-App ebenfalls laufen soll.

Der geheime Hit: Die Apple Card

Der Höhepunkt der Veranstaltung war jedoch die Ankündigung der Apple Card, einer Art Kreditkarte, speziell für Apple-Kunden. Die Beantragung soll auf dem iPhone erfolgen, sehr einfach und im besten Fall binnen Minuten angeschlossen sein. Ist das erledigt, kann die Karte zum Bezahlen mit Apple Pay benutzt werden.

Apple bietet seine Kreditkarte als Sparmodell an, will weder Nutzungsgebühren, noch Überziehungszinsen oder Gebühren für die Nutzung im Ausland einfordern. Stattdessen sollen Apple-Card-Nutzern täglich zwei Prozent ihrer Umsätze als Guthaben gutgeschrieben bekommen. Apple nennt das "Daily Cash". Einkäufe bei Apple selbst werden sogar mit drei Prozent des Umsatzes belohnt.

Damit man sich auch nach außen klar als Apple-Card-Nutzer präsentieren und überall dort bezahlen kann, wo Apple Pay nicht akzeptiert wird, bekommen Apple-Card-Kunden zudem eine Kreditkarte zugeschickt. Weil die nicht aus Plastik, sondern aus Titan gemacht wird, dürfte sie bald ein Statussymbol werden. Auf Einkäufe mit dieser Karte gibt es eine Gutschrift von einem Prozent des Umsatzes.

Das klingt alles verlockend und das Daily Cash genannte Bonusprogramm dürfte ein Anreiz sein, die Karte oft einzusetzen. Nur wann dieses Angebot nach Deutschland kommen wird, ist unklar. In den USA wird es im Sommer starten.

Zusammengefasst: Viel weiß man über Apples neue Angebote auch nach dem Event vom Montag nicht. Die Starttermine sind nur schwammig formuliert, Preise werden meist nicht genannt und auch wie das Zusammenspiel mit den Partnern, die die neuen Angebote mit Inhalten füllen sollen, genau aussehen soll, wurde nicht erklärt. Was die Veranstaltung an Stars zu viel hatte, hatte sie an Zahlen zu wenig.

insgesamt 24 Beiträge
olix5555 26.03.2019
1. Apple wird sehr wohl Zinsen verlangen
[...will weder Nutzungsgebühren, noch Überziehungszinsen oder Gebühren für die Nutzung im Ausland einfordern. ] - das stimmt so nicht. Apple wird sehr wohl überziehungszinsen verlangen - in den USA APR genannt. Alleine [...]
[...will weder Nutzungsgebühren, noch Überziehungszinsen oder Gebühren für die Nutzung im Ausland einfordern. ] - das stimmt so nicht. Apple wird sehr wohl überziehungszinsen verlangen - in den USA APR genannt. Alleine verzichtet Apple in dem Modell bei Überziehung auf zusätzliche Gebühren neben den Zinsen, wie es viele andere Anbieter machen. Insofern ist es nicht so, dass man ohne Zinskosten die Karte überziehen kann.
chricoe 26.03.2019
2. Selbst bei N26 abgekupfert...
denn die Kreditkarte als Statussymbol hat N26 schon lange und sie haben verstanden, Banking erlebbar zu machen... Das Konto ist auch in 4 Minuten eröffnet... Die Großbanken müssen sich langsam warm anziehen.
denn die Kreditkarte als Statussymbol hat N26 schon lange und sie haben verstanden, Banking erlebbar zu machen... Das Konto ist auch in 4 Minuten eröffnet... Die Großbanken müssen sich langsam warm anziehen.
danmage 26.03.2019
3.
"...Weil die nicht aus Plastik, sondern aus Titan gemacht wird..." Das ist bestimmt wieder ein schönes Statussymbol für Apple-Liebhaber. Aber ich bin mal auf die Preisgestaltung gespannt. Denn die Konkurrenz ist in [...]
"...Weil die nicht aus Plastik, sondern aus Titan gemacht wird..." Das ist bestimmt wieder ein schönes Statussymbol für Apple-Liebhaber. Aber ich bin mal auf die Preisgestaltung gespannt. Denn die Konkurrenz ist in diesem Bereich groß.
hup 26.03.2019
4. Apple als Nachzügler statt Innovator
Mit Steve Jobs starb jede Kreativität in dem Laden. Kein nennenswertes neues Produkt seit dem, und wenn es neue Geschäftsfelder gibt, dann wird nur noch aufgekauft was es schon lange gibt, oder es wird nachgemacht was es schon [...]
Mit Steve Jobs starb jede Kreativität in dem Laden. Kein nennenswertes neues Produkt seit dem, und wenn es neue Geschäftsfelder gibt, dann wird nur noch aufgekauft was es schon lange gibt, oder es wird nachgemacht was es schon lange gibt. Apple ist seit Jahren ein MeToo-Laden (nicht im feministischen Sinn). Das Unternehmen zeigt alle Anzeichen des "Supertankersyndroms" - Innovationen würden bereits etablierte eigene Geschäftsfelder gefährden und kannibalisieren, also setzt man auf Größe, Marktmacht und Kapitalisierung um andere aufzuessen und zu integrieren - mehr schlecht als recht. Das hat historisch schon etliche Unternehmensgiganten langfristig den Kopf gekostet. Auch die Nokia-Titanic galt als unsinkbar, IBM wurde mal als Weltbeherrscher gehandelt, an Microsoft schien kein Weg vorbei zu führen, etc. Zu satt, zu reich, zu arrogant - und inzwischen an vielen Bedürfnissen der Kunden vorbei. Ein Alleinstellungsmerkmal ist aber weiterhin die quasi-religiöse harte Fanbasis. Dass das hinterherrennen bereits etablierter Trends als "Umbau" bezeichnet wird zeigt lediglich wie schlimm es um die Apple-Bank mit angeschlossenem Telefonladen eigentlich steht. Wenn Apple sich im Contentbereich nicht etablieren kann sieht es schlecht aus, und wenn sie es können (und z.B. Netflix übernehmen), dann entsteht ein weiteres Monopol - was für alle Verbraucher sehr schlechte news wäre. Da Apple langsam sich aus seiner Sparte heraus bewegt und versucht andere Branchen zu dominieren sollte bei den Kartellbehörden die Alarmglocken klingeln lassen. Wir nähern uns dem Punkt an dem das eine oder andere Mega-Unternehmen zerschlagen werden sollte - das muss nicht zum Nachteil der Aktionäre sein, es wäre auf jeden Fall ein Gewinn für den freien Wettbewerb und damit für alle Verbraucher.
benedetto089 26.03.2019
5.
Es wirkt eher etwas einfalls- und hilflos was Apple da macht. Amazon und Netflix sind bei Streaminginhalten deutlich weiter und vor allem kostengünstiger als Apple zumindest in Europa. Bin kein Hater aber besonders innovativ ist [...]
Es wirkt eher etwas einfalls- und hilflos was Apple da macht. Amazon und Netflix sind bei Streaminginhalten deutlich weiter und vor allem kostengünstiger als Apple zumindest in Europa. Bin kein Hater aber besonders innovativ ist Apple seit Jahren nicht mehr.

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