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Netzwelt

Strategie bei iPhones und Apple Watch

Apple kratzt an der Mittelklasse

Die Kameras sind die auffälligste Neuerung der 11er-iPhones. Wichtiger aber könnte eine andere Änderung sein - und dass ein Oldie in die Verlängerung geht.

Foto: AFP
Aus Cupertino berichtet
Mittwoch, 11.09.2019   10:45 Uhr

Bei der Präsentation der neuen iPhones ging es fast ausschließlich um deren neue Foto-Fähigkeiten. Das ist auch richtig so, schließlich ist die Kamera eines der beiden Kriterien, die von Verbrauchern immer wieder als kaufentscheidend bei Smartphones angegeben werden. Und Apple hat auf diesem Gebiet einige Fortschritte gemacht. Zum einen haben nun alle aktuellen iPhones mindestens eine Dualkamera, zum anderen gibt es endlich einen Nachtmodus.

Dass der schon als Slofie-bezeichnete Zeitlupen-Selfie-Modus ein Erfolg wird, scheint schon jetzt absehbar zu sein, nachdem etliche Journalisten damit erstellte Videos aus dem Ausprobier-Bereich posteten. Apple-Manager Phil Schiller hat zudem für den Herbst einen "Deep Fusion" genannten Fotomodus angekündigt, bei dem eine künstliche Intelligenz aus neun in schneller Folge aufgenommenen Bildern die jeweils besten Bestandteile auswählt und dann zu einem so scharfen und detailreichen Foto zusammensetzt, wie es mit herkömmlichen Mitteln unmöglich wäre.

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Ausprobiert: Das sind die 11er-iPhones

Mehr Energie

Noch wichtiger als die Kamera könnten aber die Fortschritte bei der Akkulaufzeit sein, die Apple versprochen hat. Vor allem durch Optimierungen im neuen A13-Prozessor, der die neuen iPhones antreibt, sollen die Akkulaufzeiten der iPhones 11 Pro und Pro Max um vier beziehungsweise fünf Stunden länger ausfallen als beim iPhone XS und XS Max. Wenn diese Behauptungen von unabhängigen Tests bestätigt werden, dürfte allein das für viele als Kaufargument ausreichen.

Letztlich ist es aber auch eine scheinbare Nebensächlichkeit, mit der Apple seine iPhones substanziell aufwertet. Statt der seit jeher üblichen, kleinen aber schlappen 5-Watt-Steckernetzteile liegen wenigstens den Pro-Modellen jetzt Netzteile bei, die 18 Watt Leistung haben und den Akku viel schneller aufladen dürften. Dieser Schritt war längst überfällig. Schade, dass dem iPhone 11 weiterhin der alte Ladestecker beiliegt, der ziemlich veraltet wirkt.

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Smartwatch: Das ist die Apple Watch Series 5

Mut zu mehr Apple Watch

Bei der Apple Watch Series 5 geht es nach den funktionellen Fortschritten der vergangenen Jahre, allen voran der eingebauten EKG-Funktion, nun wieder mehr um Mode und Personalisierung, um die Computeruhr als Lifestyle-Objekt eben.

Statt die Smartwatch wie bisher mit einem von zwei Standard-Armbändern auszuliefern - Weiß bei den hellen Gehäusefarben, Schwarz bei den dunklen - haben Käufer jetzt die Möglichkeit, sich ihr Wunscharmband zur Wunschuhr mit zu bestellen.

Zwei Größen, vier Gehäusematerialien und etliche Armbänder spannen dabei eine Bandbreite von 1000 möglichen Kombinationen auf, durch die ein Onlinekonfigurator führt, zu Preisen von 449 bis 1749 Euro. Für viele Nutzer dürfte das einer Preissenkung entsprechen, weil sie nun nicht mehr ein zweites Armband zu ihrer Uhr dazu kaufen müssen, sondern gleich das für sie passende ordern können.

Mehr Auswahl

Mit Blick auf den stagnierenden Smartphonemarkt war es aber wohl die wichtigste Entscheidung Apples, das iPhone-Sortiment breiter aufzustellen. Den teuren Edelmodellen steht jetzt das mit 699 Euro vergleichsweise günstige iPhone XR, vor allem aber das mit 529 Euro jetzt schon fast im Mittelklassesegment angesiedelte iPhone 8 zur Seite.

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Unser Testbericht von 2017: iPhone 8 und iPhone 8 Plus im Test

Gerade mit letzterem Angebot könnte es Apple gelingen, den schwindenden Käuferzahlen etwas entgegenzusetzen. Denn auch wenn das iPhone 8 schon zwei Jahre auf dem Buckel hat, ist es mit True-Tone-Display, Wasserdichtigkeit und drahtloser Ladefunktion sicher noch kein Altmetall.

Natürlich sind die Margen in diesem Preisbereich nicht mehr so üppig, wie es Apple gewöhnt ist. Dafür kann der Konzern damit aber mehr Kunden für Dienste wie Apple Arcade und Apple TV+ heranzüchten. Mit Blick auf die Verlagerung der Einnahmen von Hardwareverkäufen auf Dienste ist das sicher kein dummer Plan.

insgesamt 31 Beiträge
forsakenid 11.09.2019
1. Bildunterschrift
Die junge Frau in eurem abgebildeten Foto ist Justine Ezarik, alias "iJustine" auf YouTube. So ein bisschen Recherche hätte ich diesbezüglich von euch durchaus erwartet... Passt ja schließlich auch zum Thema.
Die junge Frau in eurem abgebildeten Foto ist Justine Ezarik, alias "iJustine" auf YouTube. So ein bisschen Recherche hätte ich diesbezüglich von euch durchaus erwartet... Passt ja schließlich auch zum Thema.
kopi4 11.09.2019
2.
Nicht "eine Frau" probiert auf dem Foto das neue iPhone aus. Das ist eine YouTuberin mit 6 Millionen Abonnenten.Inhalt Ihres Kanals: relativ unkritisch die neuen Apple-Produkte testen.
Nicht "eine Frau" probiert auf dem Foto das neue iPhone aus. Das ist eine YouTuberin mit 6 Millionen Abonnenten.Inhalt Ihres Kanals: relativ unkritisch die neuen Apple-Produkte testen.
S. J. Muck 11.09.2019
3. iPhone okay, Watch überzeugend
Was ich etwas schade (aber nicht weltbewegend, sprich: nicht kaufentscheidend) finde, ist, dass Apple klammheimlich die "3-D-Touch"-Funktion gestrichen hat (nun ersetzt durch das technisch minderwertigere [...]
Was ich etwas schade (aber nicht weltbewegend, sprich: nicht kaufentscheidend) finde, ist, dass Apple klammheimlich die "3-D-Touch"-Funktion gestrichen hat (nun ersetzt durch das technisch minderwertigere "Haptic-Touch"-Feature). Und dass die Einbuchtung am oberen iPhone-Bildschirmrand (engl.: "notch") nicht dezenter/schmaler geworden ist. Auch das "Foto-Viereck" auf der iPhone-11-Pro-Gehäuserückseite sieht designmäßig nicht gerade elegant aus. Voll gelungen, meine ich, ist jedoch die Watch 5. Ich denke, ich werde meine Watch 4 (die sehr, sehr gut ist) verkaufen und mir die noch bessere 5er-Watch zulegen.
michael.oettinger 11.09.2019
4. Schon ganz gut
Schon ganz gut, die iPhones, die Apple da präsentiert hat. Das kann technisch und von der Innovation her fast mit dem neuen Redmi Note mithalten, das Xiaomi vor zwei Wochen vorgestellt hat. Kosten < 200 €.
Schon ganz gut, die iPhones, die Apple da präsentiert hat. Das kann technisch und von der Innovation her fast mit dem neuen Redmi Note mithalten, das Xiaomi vor zwei Wochen vorgestellt hat. Kosten < 200 €.
Rosa Elefant 11.09.2019
5. Echte Nachhaltigkeit
Was für mich entscheidend ist: Auch mein 5 Jahre altes iPhone 6S+ ist nach wie vor auf dem aktuellsten Stand des Betriebssystems, läuft damit so schnell, dass mir nichts fehlt und kann laufend mit den neuesten Apps aufgewertet [...]
Was für mich entscheidend ist: Auch mein 5 Jahre altes iPhone 6S+ ist nach wie vor auf dem aktuellsten Stand des Betriebssystems, läuft damit so schnell, dass mir nichts fehlt und kann laufend mit den neuesten Apps aufgewertet werden. Das relativiert das immer wieder kritisierte Preisgefälle sehr deutlich.

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