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Netzwelt

Alarmanlage Nest Secure

Google verschwieg eingebautes Mikrofon

Über die Alarmanlage Nest Secure kann der Nutzer neuerdings mit dem Google Assistant sprechen. Das überrascht und nährt Ängste: Google hatte zuvor nicht erwähnt, dass im seit 2017 verkauften Gerät diese Technik steckt.

nest

Nest Secure von Google mit Nest Guard (links)

Mittwoch, 20.02.2019   11:05 Uhr

Das Wort "Mikrofon" steht in den technischen Details zum Nest Guard. Neuerdings. Der Nest Guard ist der wichtigste Teil der Alarmanlage Nest Secure, die Google über seine Tochterfirma Nest in den USA verkauft. Bemerkenswert am Hinweis auf das Mikrofon ist, dass er Anfang Februar noch nicht auf der Website zu finden war.

Das bedeutet: Google hat seinen Kunden erst jetzt, anderthalb Jahre nach Erscheinen des Geräts Ende 2017, transparent gemacht, dass darin ein Mikrofon steckt. Das ist schlechte Kommunikationspolitik. Und es nährt die Ängste jener Menschen, die befürchten, ihre smarten Geräte könnten zweckentfremdet werden, um sie auszuspähen oder zu überwachen - sei es von Tech-Firmen selbst oder etwa von Kriminellen oder Geheimdiensten.

Ein "Fehler unsererseits", heißt es von Google nun zum fehlenden Hinweis auf das Mikrofon. Ein Google-Sprecher sagte dem Magazin "Business Insider", das eingebaute Mikrofon sei "nie als Geheimnis gedacht gewesen" und hätte bei den technischen Daten aufgeführt werden sollen.

"Scheint eine ziemlich wichtige Spezifikation zu sein, die man einfach 'vergessen' kann...", kommentierte "Mashable"-Reporterin Karissa Bell auf Twitter.

Mikrofon muss laut Google erst aktiviert werden

Dass nun über die technischen Fähigkeiten des Nest Guard gesprochen wird, hatte sich Google wohl eigentlich gewünscht - nur in anderem Kontext. Anfang Februar hatte das Unternehmen angekündigt, dass sich der Nest Guard nun auch als Google-Assistant-Lautsprecher nutzen lasse. "Der Google-Assistent wird auf Ihrem Nest Guard verfügbar sein", hieß es damals vom Unternehmen, "sodass Sie ihm Fragen wie 'Hey Google, brauche ich heute einen Regenschirm?' stellen können, bevor Sie Ihren Alarm einstellen und das Haus verlassen."

Aktivieren lässt sich das Mikrofon laut Google über die Nest-App: Das Mikrofon zeichnet dem Unternehmen zufolge also nur etwas auf, wenn Nutzer die Funktion bewusst freischalten.

Auf Twitter hatte ein Nutzer umgehend den Nest-Account gefragt, ob er die ganze Zeit ein Gerät mit verstecktem Mikrofon in seinem Haus gehabt habe: Nest reagierte darauf mit dem Hinweis, man habe ein Mikrofon eingebaut, weil man Funktionen wie den Google Assistant im Hinterkopf gehabt habe.

Auch der Website "Android Authoritiy" hatte Google bereits zu Beginn des Monats auf Nachfrage hin bestätigt, dass sich in den Nest-Guard-Geräten von Anfang an ein nicht standardmäßig aktiviertes Mikrofon befand.

"Der Google Assistant für Nest Guard ist eine Opt-in-Funktion", teilte Google "Android Authority" mit, "und wenn die Funktion für unsere Benutzer verfügbar wird, bekommen diese eine E-Mail mit Anweisungen, wie sie die Funktion aktivieren und das Mikrofon über die Nest-App einschalten können." Alle Geräte, in die ein Google Assistant integriert sei, würden unter Berücksichtigung des Themas Privatsphäre entwickelt.

Lesetipp aus dem Archiv

mbö

insgesamt 18 Beiträge
equigen 20.02.2019
1. Solche Dinge sind der Supergau
“Vergessen” den Käufern zu sagen, dass ein Mikrofon in die Alarmanlage eingebaut ist. Was “vergessen” Google, Amazon, Apple und Samsung denn sonst noch zu erwähnen das ihre Gerätchen können und tun von dem der User keine [...]
“Vergessen” den Käufern zu sagen, dass ein Mikrofon in die Alarmanlage eingebaut ist. Was “vergessen” Google, Amazon, Apple und Samsung denn sonst noch zu erwähnen das ihre Gerätchen können und tun von dem der User keine Ahnung hat oder haben soll? Entweder man lässt sich als Kunde darauf ein der gläserne Mensch zu sein (und zwar komplett) oder man muss solche smarten, vernetzte Geräte total aus seinem Leben raushalten. “Ein bisschen ”Gläsern” gibt es eben nicht.
Grummelchen321 20.02.2019
2. Und
wieder ein weiterer Beweis,dass man google ,amazon und Co nicht trauen sollte.Machen wir uns nichts vor!Wer solche Technik baut nutzt sie auch für seine Zwecke.Entweder mit oder ohne Wissen des Benutzers.Es wäre nicht das erste [...]
wieder ein weiterer Beweis,dass man google ,amazon und Co nicht trauen sollte.Machen wir uns nichts vor!Wer solche Technik baut nutzt sie auch für seine Zwecke.Entweder mit oder ohne Wissen des Benutzers.Es wäre nicht das erste mal das erst nach bekannt werden nicht dokumentierter funktionen kleinlaut zugegeben wird das sie da ist.Geheim bleibt ob sie schon genutzt wurde.
fredotorpedo 20.02.2019
3. Was ich selber denk und tu, das Trau ich auch den andern zu
Das fiel mir sofort ein, als ich diesen Artikel las. Die USA sperren Huawei- Produkte wegen angeblicher Spionagekomponenten und amerikanische Firmen verfahren genau so. Ein Mikrofon ist relativ einfach zu entdecken aber wer weiß, [...]
Das fiel mir sofort ein, als ich diesen Artikel las. Die USA sperren Huawei- Produkte wegen angeblicher Spionagekomponenten und amerikanische Firmen verfahren genau so. Ein Mikrofon ist relativ einfach zu entdecken aber wer weiß, was an anderen Funktionen bei Google, Apple, Amazon und Konsorten noch versteckt ist.
Skeptiker99 20.02.2019
4. nicht aktiv?!?
wenn sich das Mikrofon über eine App aktivieren lasst, gild es für mich als aktiv. Die erwähnen Kriminellen, Geheimdienste oder Google selber können es also aus der Ferne unbemerkt einschalten. Nicht aktiviert heißt für [...]
wenn sich das Mikrofon über eine App aktivieren lasst, gild es für mich als aktiv. Die erwähnen Kriminellen, Geheimdienste oder Google selber können es also aus der Ferne unbemerkt einschalten. Nicht aktiviert heißt für mich, ich muss selber einen Stecker in eine Buchse stecken um einen Stromkreis zu schließen.
Referendumm 20.02.2019
5.
Nö, auch das stimmt nicht! So trivial ist es nicht, wenn es auf einer Platine irgendwo versteckt liegt - beim Wort Mikrofon muss und sollte man nicht an die großen Dinger denken, die (früher) Sänger oder Showmaster in der [...]
Zitat von fredotorpedoDas fiel mir sofort ein, als ich diesen Artikel las. Die USA sperren Huawei- Produkte wegen angeblicher Spionagekomponenten und amerikanische Firmen verfahren genau so. Ein Mikrofon ist relativ einfach zu entdecken aber wer weiß, was an anderen Funktionen bei Google, Apple, Amazon und Konsorten noch versteckt ist.
Nö, auch das stimmt nicht! So trivial ist es nicht, wenn es auf einer Platine irgendwo versteckt liegt - beim Wort Mikrofon muss und sollte man nicht an die großen Dinger denken, die (früher) Sänger oder Showmaster in der Hand hielten. Schon Madonna hatte vor Jahren bereits winzige Mikros bei ihren Live-Auftritten im Einsatz. Und das waren wirklich sehr gute Geräte. Ein stecknadelkopfgroßes Mikro reicht allerdings heute, um Stimmen in guter Qualität aufnehmen zu können. Und dann, wie erwähnt: Physikalisch betrachtet ist JEDER Lautsprecher auch gleichzeitig ein Mikrofon. Dann muss man gar nix mehr verstecken.

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