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Netzwelt

Deutscher Computerspielpreis

"Trüberbrook" räumt doppelt ab

In Berlin sind die besten Videospiele des Jahres ausgezeichnet worden. Der Hauptpreis ging an das Adventure "Trüberbrook", das ins Deutschland der Sechzigerjahre entführt. Das erzählt viel über die Branche.

Headup Games
Aus Berlin berichtet
Dienstag, 09.04.2019   22:32 Uhr

"Trüberbrook" ist das beste deutsche Videospiel 2019, meint die Jury des Deutschen Computerspielpreises (DCP). Das Point-and-Click-Adventure mit seinem ungewöhnlichen Grafikstil ist am Dienstagabend im Berliner Admiralspalast als "Spiel des Jahres" sowie in der Kategorie "Beste Inszenierung" ausgezeichnet worden. In "Trüberbrook" steuert man einen Quantenphysiker durch eine idyllisch-irre Dorfwelt, die mit Klischees über das Deutschland der späten Sechzigerjahre spielt.

Hinter dem Spiel für Windows, Mac und Linux, das am 17. April auch für Spielkonsolen erscheint, steckt ein kleines Studio in Berlin, das zur bildundtonfabrik gehört. Die wiederum sitzt in Köln und ist verantwortlich für Fernsehproduktionen wie Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale". Die Macher von "Trüberbrook", denen eine Kickstarter-Kampagne bei der Spielfinanzierung half, erhalten insgesamt 150.000 Euro Preisgeld.

In der Hauptkategorie setzte sich ihr Werk gegen das Buchstaben-Physik-Rätselspiel "supertype" von Kamibox sowie gegen "Unforeseen Incidents" von Backwoods Entertainment durch. Letzteres Spiel gewann einen Preis in der Kategorie "Bestes Jugendspiel" - und ist ebenfalls ein Point-and-Click-Adventure.

Interessante Optik, altbewährtes Spielprinzip

Diese Erfolge sagen etwas über die deutsche Videospielbranche aus: Als Vorzeigetitel gelten hier 2019 zwei Games, die zwar beide eine interessante Optik bieten: "Unforeseen Incidents" setzt auf handgezeichnete Kulissen, "Trüberbrook" auf mittels Fotogrammetrie ins Spiel übertragene Miniaturkulissen. Aber beide sind keine Blockbuster, sondern eher etwas für Liebhaber des Genres. Hinzu kommt, dass sie, was das eigentliche Gameplay angeht, kaum etwas wagen.

Point-and-Click-Adventures sind seit den Achtzigerjahren hierzulande ein beliebtes Genre voller Klassiker. Und vor allem "Trüberbrook" musste sich von vielen Testern den Vorwurf gefallen lassen, bei Spielablauf sowie Rätsel-Design eher zu enttäuschen. Neben der Optik ist an dem Spiel immerhin sein Szenario interessant, für deutsche Spieler und damit auch Juroren: die deutsche Provinz.

In der Branche gibt es Erklärungen dafür, warum es Spielen aus Deutschland - ähnlich wie es lange bei Fernsehserien der Fall war - noch immer schwerfällt, sich mit der weltweiten Konkurrenz zu messen. Verwiesen wird darauf, dass nur wenige deutsche Studios Budgets haben, wie sie für Blockbuster mit internationaler Durchschlagskraft nötig wären. Etwas Hoffnung macht manchem der Games-Fonds der Bundesregierung, der im November 2018 auf den Weg gebracht wurde.

Fotostrecke

24 Highlights der SPON-Redaktion: Die besten Games 2018

Preise für "Laika" und "see/saw"

Innovative Projekte mit Potenzial finden sich in den Gewinner- und Nominiertenlisten des Computerspielpreises aber durchaus. Auszeichnungen samt Preisgeld gingen am Dienstagabend noch an die Macher der Games "see/saw" (Kamibox, "Bestes mobiles Spiel") und "Laika" (Mad About Pandas, "Bestes Kinderspiel"). Das Virtual-Reality-Spiel "Tower Tag" von den VR Nerds hat in den Augen der Jury das "beste Gamedesign" und ihr Preis für "Beste Innovation" ging diesmal nicht an ein Spiel, sondern an "Bcon - The Gaming Wearable" von CapLab.

Nachwuchspreise erhielten die Projekte "Elizabeth", "AnotherWhere" und "Meander Book" der HTW Berlin sowie "A Juggler's Tale" (Filmakademie Baden-Württemberg), "Orbital Bullet" (SRH Hochschule Heidelberg) und "Sonority" (HdM Stuttgart).

"State of Mind" ist kein klassisches "Serious Game"

Daedalic

"State of Mind"

Als "bestes Serious Game" wurde auch noch "State of Mind" von Daedalic Entertainment prämiert. Das Spiel, das im Berlin des Jahres 2048 spielt, dürfte jenseits der Berliner Gala allerdings kaum jemand als "Serious Game" verstehen, also als eine Art Lehr- oder Aufklärungsspiel.

Undotierte Preise erhielten die Macher bekannter Spiele aus dem Ausland wie "Thronebreaker: The Witcher Tales", "God of War", "Read Dead Redemption 2" und "Super Smash Bros. Ultimate". Ein Sonderpreis der Jury wurde an das Indiegame-Festival "A MAZE." verliehen, das vom 10. bis 13. April in Berlin stattfindet.

Ausgerichtet wird der Computerspielpreis von der Bundesregierung - vertreten durch die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur - sowie dem Spielebranchenverband game. Von den Veranstaltern heißt es, die Auswahlkriterien für die nominierten oder ausgezeichneten Spiele seien "Spielspaß und Unterhaltung, die künstlerische Qualität, der Innovationscharakter oder der pädagogisch-didaktische Wert".

insgesamt 25 Beiträge
stefan1904 09.04.2019
1. Trüberbrook ist kein gutes Spiel
Trüberbrook sieht zwar sehr hübsch aus, spielerisch hat es aber leider nicht viel auf dem Kasten. Mit Genre-Klassikern wie Monkey Island und Baphomets Fluch kann es nicht mithalten und auch aktuelle Adventures wie Life is [...]
Trüberbrook sieht zwar sehr hübsch aus, spielerisch hat es aber leider nicht viel auf dem Kasten. Mit Genre-Klassikern wie Monkey Island und Baphomets Fluch kann es nicht mithalten und auch aktuelle Adventures wie Life is Strange und What Remains of Edith Finch sind klar besser. Außerdem stammt die Originalidee vom kleinen Kölner Indie-Studio Slow Bros., die mit Harold Halibut ein optisch sehr ähnliches Spiel in Entwicklung haben.
Moridin 09.04.2019
2. Muss schlimm um die Branche stehen...
...wenn Trüberbrook das beste Spiel unter den nominierten war. Die anderen beiden erwähnten Titel kenne ich nicht. Trüberbrook habe ich gespielt, aber nicht zu Ende, weil es leider relativ dilettantisch konzipiert wirkt und [...]
...wenn Trüberbrook das beste Spiel unter den nominierten war. Die anderen beiden erwähnten Titel kenne ich nicht. Trüberbrook habe ich gespielt, aber nicht zu Ende, weil es leider relativ dilettantisch konzipiert wirkt und die relativ gute Umsetzung da nicht mehr viel aufbessern kann. Ich kann immer noch nicht glauben, wie z.B. der Umstand, dass es in einer Szene einen normalen Raum gibt, der sich in der nächsten Szene auf einmal über 2 Etagen erstreckt, offenbar von irgendjemanden abgenickt worden ist. Bugs können auftreten - gravierende konzeptionelle Fehler dürfen aber nicht auftreten. Diese sind leider das größte Problem von Trüberbrook. Der Fisch stinkt vom Kopf her.
metzelkater 10.04.2019
3. Ich bin Gamer und kenne keinen der deutschen Gewinner
Das ist wirklich lustig. Ich interessiere mich für Videospiele und kenne wirklich viele Titel zumindest vom Namen her und worum es dabei geht. Den Sieger und die beiden anderen Nominierten kenne ich nicht. Daher frage ich mich, [...]
Das ist wirklich lustig. Ich interessiere mich für Videospiele und kenne wirklich viele Titel zumindest vom Namen her und worum es dabei geht. Den Sieger und die beiden anderen Nominierten kenne ich nicht. Daher frage ich mich, welche Marktrelevanz so ein Preis überhaupt hat.
vitalik 10.04.2019
4.
Naja, die Politik will die Spielebranche in Deutschland unterstützen und die Entwickler freuen sich über die Preisgelder. Durch diesen Preis habe die Politiker ein Alibi, dass man nun etwas getan. Dass das Ganze ein Witz [...]
Zitat von metzelkaterDas ist wirklich lustig. Ich interessiere mich für Videospiele und kenne wirklich viele Titel zumindest vom Namen her und worum es dabei geht. Den Sieger und die beiden anderen Nominierten kenne ich nicht. Daher frage ich mich, welche Marktrelevanz so ein Preis überhaupt hat.
Naja, die Politik will die Spielebranche in Deutschland unterstützen und die Entwickler freuen sich über die Preisgelder. Durch diesen Preis habe die Politiker ein Alibi, dass man nun etwas getan. Dass das Ganze ein Witz ist, der dem Standort Deutschland im Bereich Spieleentwicklung nichts bringt, dürfte wohl jedem klar sein.
benmartin70 10.04.2019
5.
Wohl wahr. Gibt es in Deutschland ausser Crytek überhaupt ne Entwicklerschmiede die es international zu was gebracht hat? Und die machen ja böse Shooter.....
Zitat von vitalikNaja, die Politik will die Spielebranche in Deutschland unterstützen und die Entwickler freuen sich über die Preisgelder. Durch diesen Preis habe die Politiker ein Alibi, dass man nun etwas getan. Dass das Ganze ein Witz ist, der dem Standort Deutschland im Bereich Spieleentwicklung nichts bringt, dürfte wohl jedem klar sein.
Wohl wahr. Gibt es in Deutschland ausser Crytek überhaupt ne Entwicklerschmiede die es international zu was gebracht hat? Und die machen ja böse Shooter.....

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