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"Far Cry: New Dawn"

Neue Welt, alter Ärger

In "Far Cry: New Dawn" durchstreift der Spieler eine blühende Welt - 17 Jahre nach einer Nuklearkatastrophe. Auch in der Postapokalypse sind die Menschen das größte Problem.

Matthias Kreienbrink
Von
Donnerstag, 14.02.2019   12:00 Uhr

Spoiler-Hinweis: Im Text wird eins der Enden von "Far Cry 5" erwähnt.


Direkt zu Beginn scheinen die Möglichkeiten schier unendlich. "Der Tag meiner Geburt war der Tag, an dem die Welt unterging", spricht die Protagonistin. Auf Wunsch ist es auch ein Protagonist, denn bevor die ersten Bilder über den Schirm flimmern, kann sich der Spieler für eins von beidem entscheiden.

Es folgen keine grauen Bilder, es geht nicht um Zerstörung oder Untergang: Es ist das blühende Leben, das zu Spielbeginn gezeigt wird. Es sind Szenen eines Neuanfangs, den das Spiel nur selten auf interessante Art für seine Erzählung nutzt.

"Far Cry: New Dawn" spielt 17 Jahre nach dem Abschluss von "Far Cry 5". Die Prämisse des Spiels basiert darauf, dass im Quasi-Vorgänger alles mit Atombomben endete. Alle Konflikte, die "Far Cry 5" bestimmten, scheinen erst einmal hinweggefegt.

Doch weit gefehlt. Obwohl die Menschen in "New Dawn" nach sechs Jahren, die sie in Bunkern unter der Erde verbracht haben, eine blühende Welt wiederentdecken und sich in Siedlungen zusammentun, dauert es nicht lange, bis menschliche Konflikte wieder alles bestimmen: durch Waffengewalt. Der Spieler trifft in "New Dawn" auf neue, charismatische Antagonistinnen - zum ersten Mal in der Reihe sind es zwei Frauen -, die ihn letztlich aber vor altbekannte Aufgaben stellen.

Ja, es macht Spaß

Für viele "Far Cry"-Kenner ist sicher diese Frage die wichtigste: Macht das Spiel denn Spaß? Die Antwort ist: Ja, es unterhält gut.

"New Dawn" bietet eine, allein schon optisch faszinierende Welt, die es sich zu erkunden lohnt. Zu Fuß oder in diversen Vehikeln gilt es, durch diese grellbunte Landschaft zu eilen und eine Mission nach der nächsten zu erledigen. Oder aber man erkundet alles auf eigene Faust und dringt so auch immer tiefer in die Wildnis ein, die ohne die Menschen ungehindert gedeihen konnte.

Das allein ist schon spannend. Es bringt aber kaum neue Erlebnisse mit sich, wenn man "Far Cry 5" bereits gespielt hat. Wohl auch deshalb wird "New Dawn" als eine Art Erweiterung des Hauptspiels inszeniert und kostet keine 60 Euro, sondern 45.

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"Far Cry: New Dawn": Kein Leben nach dem Atomschlag

Die wenigen Neuerungen sind mal mehr, mal weniger sinnvoll. So lassen sich etwa eigene Waffen aus Werkstoffen bauen, die der Spieler in der Welt finden kann. Diese Waffen können noch optimiert und modifiziert werden. Man gelangt beispielsweise an eine Armbrust, die runde Sägeblätter verschießt. Das passt wie der Gedanke des Etwas-Selbermachens insgesamt gut in eine Welt, die sich noch immer selbst finden muss.

Doch auch kleine Rollenspiel-Elemente haben es ins Spiel geschafft. So werden nun etwa die Trefferpunkte über dem Gegner angezeigt, wenn der Spieler auf ihn schießt. Außerdem gibt es Gegner, die stärker sind als andere - so was wie Anführer des jeweiligen Gebiets -, die dementsprechend einstecken können.

Das erinnert an "The Division", das ebenso wie "Far Cry" aus dem Hause Ubisoft stammt. Offen bleibt, was diese Neuerung in einer postapokalyptischen Welt zu suchen hat - und ob sie das Spiel wirklich spannender macht.

Verpasste Chancen

"Wieso hat man das nicht interessanter gemacht?" - diese Frage schwebt oft über "New Dawn". Das Spiel erzählt zwar eine Geschichte, in der die Menschen beinahe ausgestorben sind. Das ändert aber nichts an den Missionen, am Sinn des Spiels. Anstatt, dass nun wirklich jeder Schuss, jeder besiegte Gegner ein Ereignis ist, geht es im Prinzip genau so weiter wie in "Far Cry 5": sofort schießen und das viel. Hope County vor oder nach dem Atomschlag, das ist nicht so viel anders.

"Far Cry 5"

Die Idee des Spiels, dass hier nun Menschen die Welt bestimmen, denen die alte Welt fremd ist, hat eigentlich Potenzial. Es geht um Menschen, die in einem Bunker aufgewachsen sind, die die alten Gefüge, Bräuche und Konflikte gar nicht kannten. Was sind die Wert- und Weltvorstellungen jener, die vom Vorher nichts wissen?

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In Ansätzen immerhin überzeugt das Spiel. So gibt es etwa einen Gitarristen in der Basis des Spielers, die Prosperity genannt wird. Er singt Lieder aus der alten Welt. "Oh My Darling Clementine" etwa, eine amerikanische Western-Ballade, die bis in das Jahr 1884 zurückgeht. Dann wieder stimmt er "Where Did You Sleep Last Night" an, einen Folk-Song, der ebenso eine lange Geschichte hat, aber aktuellen Generationen vor allem durch die Band Nirvana bekannt sein dürfte.

Dies können Momente des Innehaltens sein. Momente, in denen man sich fragt, wieso gerade diese Kulturgüter den Atomschlag überstanden haben und was sie über die neuen Menschen aussagen. Doch dann beginnt schon wieder die neue Mission und die Waffen müssen gezückt werden.


"Far Cry: New Dawn", für PlayStation 4, Xbox One, PC, circa 45 Euro, USK: ab 18 Jahren

insgesamt 10 Beiträge
0sixpack0 14.02.2019
1. Fallout
Hört sich stark nach Fallout 4 an!
Hört sich stark nach Fallout 4 an!
benedetto089 14.02.2019
2.
Ich hatte mit Far Cry 5 trotz der eher mauen Bewertungen in der Fachpresse durchaus Spaß. Far Cry 4 fand ich zwar besser, war aber mit dem ganzen Sammelkram und Crafting schon auch grenzwertig. Das die Welt angeblich kleiner ist [...]
Ich hatte mit Far Cry 5 trotz der eher mauen Bewertungen in der Fachpresse durchaus Spaß. Far Cry 4 fand ich zwar besser, war aber mit dem ganzen Sammelkram und Crafting schon auch grenzwertig. Das die Welt angeblich kleiner ist find ich gut, finde die meisten Open-Worlds eh viel zu groß. Bei New Dawn klingt es aber so, als würde einfach viel von Far Cry 5 recycelt und über einen Teil der alten Spielwelt einfach ein neuer Farbfilter gelegt, dafür bin ich nicht bereit den Vollpreis zu zahlen. Wenn’s mal günstiger ist denk ich werd ich’s spielen. Die Gamestar hat übrigens 77 gegeben.
Postwachstumsökonom 14.02.2019
3. Dystopie vs. Reality
Zitat:''. Auch in der Postapokalypse sind die Menschen das größte Problem...'' . Ja, genau wie in der realen Welt auch. Ein weiser Philosoph hat mal festgestellt :Egal, wo der Mensch hin geht, dort wird Krieg herrschen . Das [...]
Zitat:''. Auch in der Postapokalypse sind die Menschen das größte Problem...'' . Ja, genau wie in der realen Welt auch. Ein weiser Philosoph hat mal festgestellt :Egal, wo der Mensch hin geht, dort wird Krieg herrschen . Das Spiel wird sehr gut sein, denn mit dieser Art von interaktiver Lernsoftware kann man sich schon mal bestens auf unsere Zukunft vorbereiten, die uns erwarten wird, wenn wir so weitermachen.
Semmelbroesel 14.02.2019
4. Far Cry..
...ich habe die Teile 1-5 und Primal in meiner umfangreichen Spielesammlung, aber Teil 6 werde ich mit nach dem desaströsen Gameplay nicht mehr antun. Gegner, die aus dem Nicht heraus ohne Ankündigung spawnen, das ist [...]
...ich habe die Teile 1-5 und Primal in meiner umfangreichen Spielesammlung, aber Teil 6 werde ich mit nach dem desaströsen Gameplay nicht mehr antun. Gegner, die aus dem Nicht heraus ohne Ankündigung spawnen, das ist Spielemechanik von gestern. Mag die Grafik noch so schön sein, nein danke. Teil 3 und 4 waren da wesentlich besser gemacht.
arr68 14.02.2019
5. Zahlen
komisch, wenn ich jemanden boxe, schweben keine Zahlen gen Himmel. Warum die Zahlen in immer mehr Computerspielen Einzug halten statt eine andere Trefferreaktion, keine Ahnung.
komisch, wenn ich jemanden boxe, schweben keine Zahlen gen Himmel. Warum die Zahlen in immer mehr Computerspielen Einzug halten statt eine andere Trefferreaktion, keine Ahnung.

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