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Netzwelt

Games-Förderung

Diese Spiele entstehen mit Geld vom Bund

Die ersten hunderttausend Euro fließen und bald sollen Millionenbeträge folgen: Der Bund fördert erstmals direkt die Entwicklung von Games. Doch der Blick auf 2020 ist für Entwickler schon wieder ernüchternd.

Asylum Square Interactive

Jump'n'Run-Spiel "Tiny Thor": Eins der geförderten Projekte

Von
Donnerstag, 10.10.2019   09:27 Uhr

Jochen Heizmann hat Ende September Post bekommen, auf die viele Spieleentwickler hoffen: Sein Videospielprojekt "Tiny Thor" wird vom Bund gefördert. Und das ab dem 1. Oktober.

199.996 Euro stehen Heizmann und seinem Studio Asylum Square Interactive jetzt zur Verfügung, um "Tiny Thor" zu entwickeln - damit sind etwa 70 Prozent der Gesamtkosten gedeckt. Im November 2020 soll das Spiel für PC, Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch erscheinen.

"Ein befreundeter Entwickler hat mir von der Förderung erzählt", sagt Heizmann. "Daraufhin habe ich direkt die Unterlagen zusammengestellt." Die Unterlagen, dazu gehören ein Finanzierungsplan, eine Spielbeschreibung sowie eine Einschätzung zur Vermarktbarkeit.

Für Heizmann ist die staatliche Förderung ein entscheidender Schritt: "Die Games-Förderung des Landes Baden-Württemberg ist so gering, meist um die 20.000 Euro", sagt er, "da kommt man nicht weit."

Sechs Spiele sind schon bekannt

Neben "Tiny Thor" sind dieser Tage fünf weitere Spiele bekannt geworden, für die die deutsche Bundespolitik Geld ausgibt. Weitere dürften in den nächsten Wochen und Monaten folgen.

Fördergeld wurde bislang in Deutschland nur über die Förderanstalten einiger Bundesländer sowie als Preisgeld beim Deutschen Computerspielpreis (DCP) ausgeschüttet. Für 2019 gab es nun erstmals 50 Millionen Euro Budget für eine Bundesförderung. Zuständig ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das Andreas Scheuer untersteht.

Bei dem Geld handelt es sich um Wirtschaftsförderung, unterstützt werden sollen damit also Spiele, denen auf dem Markt Erfolge zugetraut werden. Die bisher geförderten Games sind Teil der sogenannten De-minimis-Beihilfe, die Spiele mit Beträgen von bis zu 200.000 Euro unterstützt.

Eine zweite Phase der Games-Förderung, in der Spiele mit Beträgen ab einer Million Euro gefördert werden, soll ebenfalls noch dieses Jahr anlaufen. Hierbei handelt es sich um eine EU-notifizierte Förderung, bei der Spiele einen "Kulturtest bezüglich des Spielinhalts und des kulturellen Hintergrunds" durchlaufen müssen.

"Tiny Thor" soll einfach nur Spaß machen, es hat keinen pädagogischen Aspekt. Der 2D-Plattformer orientiert sich an Spielen der Super-Nintendo-Ära. "Der Hauptcharakter hat einen Hammer, den man an Gegnern und Hindernissen abprallen lassen kann", sagt der Entwickler, der sich freut, die bisher höchste Fördersumme bekommen zu haben - auch mit Blick auf Arbeitsverträge in seinem Studio, die an dem Geld hängen.

Es geht auch ernst

Einige der ersten geförderten Spiele haben aber auch einen ernsthaften Inhalt. Dazu zählt "Until It's Gone", das sich mit dem Schlaganfall eines Siebenjährigen auseinandersetzt, ebenso wie "Ad Infinitum", das einen heimkehrenden Soldaten des Ersten Weltkriegs begleitet. "Geplagt von den Erlebnissen im Krieg, schwindet für ihn die Grenze zwischen Realem und Alptraum", erklären Tom Lenz, Lukas Deuschel und Felix Dreyfus vom Studio Hekate ihr Projekt.

Trotz des ernsten Themas sollen sich Spieler von "Ad Infinitum" aber gruseln: Es handelt sich um ein Survival-Horrorspiel, das im zweiten Quartal 2021 für PC und Konsolen erscheinen soll. 149.895 Euro Förderung sollen den Machern von "Ad Infinitum" helfen, einen Prototyp zu finanzieren. "Dieser wird als Eintrittskarte für weitere Finanzierungsmöglichkeiten genutzt."

Weiteres Geld aus der De-minimis-Beihilfe geht an "Bomb Bots Arena", ein kompetitives Multiplayer-Spiel, in dem Roboter gegeneinander antreten. "Enuan's Path" wiederum ist ein Abenteuerspiel, das Spieler an einen fantastischen Ort versetzt - sie müssen die Welt retten.

2020 wohl keine neuen Fördermillionen

Und dann gibt es noch das sechste Spiel, den "Autobahnpolizei-Simulator 3". Das Projekt wird als umfangreiche Weiterentwicklung des "Autobahnpolizei-Simulator 2" vorgestellt, als Überarbeitung eines Spiels also, das bei Tests der Fachpresse ziemlich ins Schleudern kam. Mit 125.000 Euro soll es nun vorangehen, das entspricht 50 Prozent der erwarteten Kosten. "Das Spiel ist als Casual-Simulation ausgelegt und soll dem Spieler die Arbeit der Autobahnpolizei näherbringen", sagt Entwickler Andreas Heldt.

Heldt findet, dass sich durch die Förderung eine jahrelange Vorarbeit auszahle, die unter anderem der Branchenverband Game geleistet habe. "Wir als Spieleentwickler bekommen nun die Möglichkeit, international konkurrenzfähig gegenüber den Förderprogrammen anderer Länder zu werden", sagt er.

Wie lange die Begeisterung deutscher Entwickler anhält, ist allerdings fraglich, denn eine Neuauflage der Games-Förderung wird es vorerst wohl nicht geben. Bereits im Haushalt 2020 des Bundes ist das Geld, das für 2019 noch eingeplant war, nicht mehr zu finden. Noch kann sich das zwar ändern, aber die Chancen stehen schlecht.

Heldt hat dafür kein Verständnis. Ihn irritiert es, dass Fördermechanismen auf Bundesebene zwar aufgebaut, sie dann aber, noch bevor sie richtig anliefen, wieder einstampft werden. Das Vorgehen grenze an Verschwendung von Steuergeldern, sagt Heldt. Er ist sich sicher: "Erst wenn man Förderung längerfristig einsetzt, werden sowohl international relevante Spiele aus Deutschland kommen, als auch mehr und sicherere Arbeitsplätze entstehen."

insgesamt 43 Beiträge
vox veritas 10.10.2019
1.
Wer entscheidet nach welchen Kriterien, welche Spiele und Konzepte förderungswürdig sind? Ich finde des ein wenig bedenklich, wenn die Politik entscheidet, was Designer machen dürfen und was nicht. Und anscheinend ist eine [...]
Wer entscheidet nach welchen Kriterien, welche Spiele und Konzepte förderungswürdig sind? Ich finde des ein wenig bedenklich, wenn die Politik entscheidet, was Designer machen dürfen und was nicht. Und anscheinend ist eine Förderung notwendig, damit Game-Designer überhaupt noch am Markt 'überleben' können.
charly05061945 10.10.2019
2. Brot und Spiele
Es kann ja wohl nicht Aufgabe des Staates sein die Entwicklung von Computerspielen finanziell zu unterstützen! Wie wäre es mit der Förderung eines unabhängigen Betriebssystemes?
Es kann ja wohl nicht Aufgabe des Staates sein die Entwicklung von Computerspielen finanziell zu unterstützen! Wie wäre es mit der Förderung eines unabhängigen Betriebssystemes?
benmartin70 10.10.2019
3.
Es kann auch nicht die Aufgabe des Staates sein Filme, Theater, Opernhäuser und Orchester zu fördern...? Von irgendwelchen dubiosen Rettungsmassnahmen für antiquierte Unternehmensbranchen ganz zu schweigen
Zitat von charly05061945Es kann ja wohl nicht Aufgabe des Staates sein die Entwicklung von Computerspielen finanziell zu unterstützen! Wie wäre es mit der Förderung eines unabhängigen Betriebssystemes?
Es kann auch nicht die Aufgabe des Staates sein Filme, Theater, Opernhäuser und Orchester zu fördern...? Von irgendwelchen dubiosen Rettungsmassnahmen für antiquierte Unternehmensbranchen ganz zu schweigen
isi723 10.10.2019
4. Was für ein Irrsinn!
Wenn man Geld - vielleicht sogar einen sehr hohen Betrag - ausloben würde, damit Alternativen zu Android oder Apple Betriebssystemen generiert würden, dann hätte ich dafür sehr viel Verständnis. Steuern zu verwenden um [...]
Wenn man Geld - vielleicht sogar einen sehr hohen Betrag - ausloben würde, damit Alternativen zu Android oder Apple Betriebssystemen generiert würden, dann hätte ich dafür sehr viel Verständnis. Steuern zu verwenden um Computerspiele herzustellen halte ich für kompletten Irrsinn!
kezia_BT 10.10.2019
5. Rausgeschmissenes Geld!
Lieber die Summen in Umwelt- und Klimaschutz investieren - wer spielt, zahlt auch, entsprechend kommen die Entwickler auf marktüblichem Weg an ihren Lohn. Das ist nun wirklich keine Angelegenheit des Steuerzahlers.
Lieber die Summen in Umwelt- und Klimaschutz investieren - wer spielt, zahlt auch, entsprechend kommen die Entwickler auf marktüblichem Weg an ihren Lohn. Das ist nun wirklich keine Angelegenheit des Steuerzahlers.

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