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Netzwelt

Nach Attentat in Halle

Seehofer will Gamerszene stärker beobachten - und erntet Hohn

Horst Seehofer und das Internet werden keine Freunde mehr. Jetzt will der Innenminister als Reaktion auf den rechtsradikalen Anschlag in Halle die "Gamerszene" beobachten - die reagiert mit ätzendem Spott.

picture alliance / Sven Hoppe/dp

Horst Seehofer mit geschenktem Spielzeug: 2017 erhielt er in China einen Modellbahnzug für seine Anlage

Sonntag, 13.10.2019   16:39 Uhr

Horst Seehofer spielt gerne. Das hat er öfter durchblicken lassen: Was ihn fasziniert und entspannt, ist die Modelleisenbahn in seinem Hobbykeller. Im Mai 2016 durfte ein Team der ARD-Sendung "Beckmann" das Refugium des Politikers erstmals filmen.

Ansonsten aber, das hat er am Wochenende klargemacht, hält der CSU-Innenminister von Spielern nicht viel: Nach dem Terroranschlag von Halle hat Seehofer mit Äußerungen zu Computerspielplattformen eine Kontroverse in sozialen Medien ausgelöst.

"Das Problem ist sehr hoch. Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamerszene", sagte Horst Seehofer der ARD. Die Sendung "Bericht aus Berlin" verbreitete einen entsprechenden Auszug aus einem Video-Interview mit dem Minister per Twitter.

Der rechtsextremistische Attentäter von Halle hatte vor der Tat einen Ablaufplan veröffentlicht, der Anspielungen auf Aufgaben aus Computerspielen enthält. Nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden nutzen Extremisten unterschiedlicher Couleur auch Gaming-Plattformen. Da der Austausch oft ohne Moderation erfolgt, bieten sich einige dieser Foren für Kommunikation unterhalb des Radars der Behörden an.

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"Manche nehmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild", sagte Seehofer. "Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist, eine Simulation oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag. Und deshalb müssen wir die Gamerszene stärker in den Blick nehmen."

Der Interviewauszug löste auf Twitter Spott und höhnische Kritik aus. Nutzer schrieben, Seehofer lenke mit seiner Wortmeldung vom Problem des Rechtsextremismus ab und stelle Gamer unter Generalverdacht. Zahlreiche User nutzen die Seehofer-Vorlage zur vermeintlichen Erklärung anderer historischer Ereignisse - so wie der Kabarettist Shahak Shapira.

Andere Nutzer machten sich über die simple Kausalität der Seehofer-Erklärung lustig. Sie suchten nach weiteren Gemeinsamkeiten von Amokläufern - und wurden schnell fündig: bei Lebensmitteln.

Auch die Idee, dass Spiele generell aggressionsfördernd sind, wurde von den Seehofer-Kritikern vielfach aufgenommen. "Pokémon", "Candy Crush" und sogar Brettspiele wurden als vermeintliche Belege für die Terrorgefahr herangezogen, die vom Spielen ausgeht.

Bei vielen Beobachtern war schiere Fassungslosigkeit zu spüren. "Wie kann man seinen Job immer und immer wieder so sehr verkacken?", fragte beispielsweise der YouTuber Rezo, der im Frühjahr durch ein kritisches Video zur Politik der Bundesregierung Aufmerksamkeit erregt und die Union in eine Kommunikationskrise gestürzt hatte. "Er und seine Crew sind echt so krass inkompetent", schrieb Rezo jetzt über den Innenminister.

Seehofer hatte bereits zuvor mit Aussagen zum Internet irritiert. So behauptete er im Januar auf einer Pressekonferenz zum Thema Sicherheit, er sei bereits "seit den Achtzigerjahren" im Netz unterwegs. Und nach seiner Ankündigung von 2018, sich verstärkt per Twitter in politischen Debatten zu Wort melden zu wollen, folgten gerade mal zwei Beiträge - dann zog er sich aus dem Dienst wieder zurück.

him/dpa

insgesamt 79 Beiträge
m_s@me.com 13.10.2019
1. Horst, lass Dich doch mal beraten
Es reicht vielleicht schon, fünf Minuten Elmar Theveßen vom ZDF zuzuhören, um diese eigentlich gar nicht so schwierigen Sachverhalte differenzieren zu können. Ich bin zwar kein Gamer, aber: Nein, diese Szene war es nicht. Es [...]
Es reicht vielleicht schon, fünf Minuten Elmar Theveßen vom ZDF zuzuhören, um diese eigentlich gar nicht so schwierigen Sachverhalte differenzieren zu können. Ich bin zwar kein Gamer, aber: Nein, diese Szene war es nicht. Es war 8chan, die ihre perversen "Rankings" wie Gamer gestalten. Da enden die Zusammenhänge wahrscheinlich auch.
frmwltd 13.10.2019
2. Der Vorschlag
entspricht ja dem heutigen SPON Kommentar, vermisse im Text aber den Hinweis, dass dieser dann ebenso unsinnig ist.
entspricht ja dem heutigen SPON Kommentar, vermisse im Text aber den Hinweis, dass dieser dann ebenso unsinnig ist.
C0untZer0 13.10.2019
3. Derartig traurig...
Jedes Mal wieder weigert man sich die tatsächlichen Probleme anzugehen. Zugang zu Waffen, Zugang zu Waffen und Zugang zu Waffen. Mittlerweile kommt noch Extremismus und fortschreitende Enthemmung, Etablierung von Hass im [...]
Jedes Mal wieder weigert man sich die tatsächlichen Probleme anzugehen. Zugang zu Waffen, Zugang zu Waffen und Zugang zu Waffen. Mittlerweile kommt noch Extremismus und fortschreitende Enthemmung, Etablierung von Hass im Allgemeinen und auf Minderheiten im Speziellen hinzu.
Meckerameise 13.10.2019
4.
Man muss Seehofer zugute halten, dass in zahlreichen Medien wie Spiegel, Tagesspiegel, blabla x-Mal wieder das Thema Videospiele in Szene gesetzt wird und irgendwelche "Experten" interviewt werden, die fast schon [...]
Man muss Seehofer zugute halten, dass in zahlreichen Medien wie Spiegel, Tagesspiegel, blabla x-Mal wieder das Thema Videospiele in Szene gesetzt wird und irgendwelche "Experten" interviewt werden, die fast schon explizit einen Kausalzusammenhang zwischen Amoklauf und "hat irgendwann mal Videospiele gespielt" festsetzen, weil irgendjemand analysiert hat, dass der Ablauf der Tat so eine Art Reallife-let's-play war. Als ob das Gros der Politiker überhaupt noch zum Eigendenken fähig wäre - so natürlich wirkt eine Aussage wie Seehofer. Würde er nämlich die Rechtsradikalität und den Antisemitismus des Täters eingestehen, würde er ja eingestehen, dass er mit seinem Ressort überfordert wäre und unter Zugzwang stehe.
jjcamera 13.10.2019
5.
Mich erinnern Leute wie der Christ Church Attentäter oder der von Halle, die ihre Gewalttaten live streamen, sogar stark an Videogame-Spieler, die entrückt von der Wirklichkeit und damit von der Verantwortung von ihren eigenen [...]
Mich erinnern Leute wie der Christ Church Attentäter oder der von Halle, die ihre Gewalttaten live streamen, sogar stark an Videogame-Spieler, die entrückt von der Wirklichkeit und damit von der Verantwortung von ihren eigenen Taten agieren. Seehofer liegt da richtig. Übrigens ist das Internet der weltweit siebtgrößte Stromverbraucher und liegt laut einer greenpeace-Studie nach Ländern (Gesamtstromverbrauch) gerechnet zwischen Japan und Russland. Etwas weniger Gamen wäre da auch eine gute Idee für die FfF-Generation.
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