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Netzwelt

Remake von "Resident Evil 2"

Schrecklich erholsam

Vor 21 Jahren erschien der Horrorspiel-Klassiker "Resident Evil 2". Ein Remake soll nun Nostalgiker und auch Neueinsteiger ansprechen. Das funktioniert - weil das Spiel langsames, bedachtes Vorgehen belohnt.

Capcom
Von
Dienstag, 22.01.2019   17:01 Uhr

Auf der Toilette ist die Angst mit am größten: Jede Kabine einzeln öffnen, in jeder Kabine das unsagbare Schrecken erwarten. Es tropft, modert, knarzt, schließlich öffnet sich die Tür und - puh, hinter ihr befindet sich ein Heilspray. Vorläufig also nimmt das Horror-Erlebnis in "Resident Evil 2" ein gutes Ende. Das passiert jedoch nicht immer in diesem Spiel, in dem sich die Hauptfigur durch enge Räume und dunkle Flure bewegt, und dabei nur ein Ziel kennt: überleben.

"Resident Evil 2" ist kein neues Spiel, eigentlich. 1998 ist es erstmals für die Playstation erschienen, in Deutschland ist es seinerzeit indiziert worden - zu brutal. Auch vom Hersteller Capcom zensierte Fassungen konnten an diesem Urteil der BPjM nichts ändern, das Spiel blieb bis 2014 auf dem Index.

Jetzt, im Januar 2019, erscheint das Remake von "Resident Evil 2" mit einer Freigabe ab 18 Jahren, die neue Variante ist zudem komplett ungeschnitten. Und an brutaler Unappetitlichkeit spart sie wahrlich nicht.

Die Frage: Braucht es das?

Wie jedem Remake drängt sich eine Frage auf: Braucht es das? Lohnt es sich, 2019 ein Spiel zu spielen, das in den Neunzigerjahren erdacht wurde? Und bekommen auch Spieler des Originals genug Neuerungen, um sich erneut auf den Weg durch zombieverseuchte Gemäuer zu machen?

Die Antwort auf all das lautet: ja. Das neue "Resident Evil 2" hat nicht mehr viel mit der alten Vorlage gemein. Damals lief der Spieler noch ziemlich ungelenk - mit der sogenannten Tank-Control - durch vorgerenderte Hintergründe und bemühte sich darum, immer ein paar Slots in seinem Inventar freizuhalten, falls er gleich einen wichtigen Gegenstand finden sollte.

Heute ist die Kamera über der Schulter von Claire Redfield oder Leon S. Kennedy positioniert: Das Spiel bietet beide Figuren an, ihre Wege sind leicht unterschiedlich. Die Umgebung wurde von Grund auf neu gebaut, die Grafik an heutige Standards angepasst.

Fotostrecke

Remake von "Resident Evil 2": Erschreckend erholsam

Das Inventar-System jedoch hat es auch ins Remake geschafft. Der Spieler kann auch heute nicht beliebig viel Munition, Heilkräuter oder Waffen mit sich herumtragen. Stets gilt es, genau abzuwägen, gut hauszuhalten mit dem wenigen Platz, den man hat.

Gerade nicht gebrauchte Gegenstände können in Truhen aufbewahrt werden, die meist in der Nähe der Schreibmaschinen stehen, an denen gespeichert werden kann. Das klingt antiquiert und ist es auch - doch genau deshalb ist es eine angenehme Abwechslung.

Mutierende Videospiele

"Resident Evil 2" hat den Charme eines Kammerspiels. Während Spiele wie "Red Dead Redemption 2" oder "Assassin's Creed: Odyssey" immer weiter wuchern und mutieren, immer größer werden, läuft hier alles im ganz Kleinen. Es gibt keine endlos vielen Wege, sondern meistens nur einen. Der Spieler durchstreift - zunächst - eine Polizeistation, durchsucht jedes Zimmer, findet nach und nach Kurbeln, Schalter, Schlüssel - und bahnt sich so seinen Weg immer weiter ins Gebäude.

Freilich laufen ihm dabei immer wieder Zombies über den Weg und irgendwann wird der Punkt kommen, an dem er sich die Zombies zurückwünscht, weil die Gegner immer grausiger werden. Doch der Spieler weiß, dass seine Figur bewaffnet ist: Wenn er sich geschickt anstellt, dann wird sie entkommen.

"Resident Evil" steht für einen Horror, gegen den man sich wehren kann. Andere Spiele wie "Outlast 2" lassen ihre Protagonisten schutzlos, ihre Körper sind verletzlich, ihre Kraft erschöpft sich im Wegrennen. Diese Art Horrorspiel lebt von der Unangreifbarkeit des Bösen. Der Spieler kann nur zuschauen und sich sprachlos gruseln. Die Welt ist in kompletter Unordnung, sie ist die Hölle, und der Mensch ist ihr ausgeliefert. "Resident Evil" dagegen gibt dem Spieler Waffen in die Hand und damit den Gedanken: Ich kann die Ordnung zurückbringen.

Logik gegen Horror

"Resident Evil 2" ist trotzdem voller Schrecken. Es spielt mit der Dunkelheit, die nur kurz von der Taschenlampe des Spielers zerrissen wird. Es schleudert dem Spieler Klänge entgegen, die er nur selten einordnen kann - und wenn er sie einordnet, steht der Zombie oft schon direkt vor ihm.

Das Spiel fordert ein langsames, bedachtes Vorgehen. Gegen den Horror hilft nur Logik. Dazu gehören freilich auch wieder die Rätsel, für die die Reihe bekannt ist. Schlüssel mit unterschiedlichen Farben, die nur bestimmte Türen aufschließen können. Amulette, die gefunden und in Vorrichtungen gesteckt werden müssen. Immer wieder spielen in "Resident Evil 2" Reste der (Un)logiken des Menschen eine Rolle, die nun genutzt werden wollen, um die Unmenschen zu besiegen.

Nach etwa acht bis zehn Stunden ist das Spiel einmal durchgespielt, der bis dahin wahrscheinlich schweißnasse Controller kann endlich losgelassen werden. Was bleibt, ist Genugtuung. Der Horror wurde besiegt. Und so diffus die Schrecken unserer realen Welt auch sein mögen - wahrscheinlich wird auf der Toilette kein Zombie warten.

insgesamt 9 Beiträge
noisehammer 22.01.2019
1. Zu kurz
Ich empfand den zweiten Teil damals zu kurz im Vergleich zu Resident Evil Teil 1. Story war gut, aber die Rätsel teilweise zu einfach und auch die Munitionsknappheit nicht mehr so sehr ausgeprägt wie im Teil 1. Unterm Strich war [...]
Ich empfand den zweiten Teil damals zu kurz im Vergleich zu Resident Evil Teil 1. Story war gut, aber die Rätsel teilweise zu einfach und auch die Munitionsknappheit nicht mehr so sehr ausgeprägt wie im Teil 1. Unterm Strich war ich damals enttäuscht. Einen Remake zu machen finde ich OK. Die Bilder sehen vielversprechend aus. Ein Remake hat halt immer den Nachteil, dass man die Story schon kennt. Schockmomente gibt es aber bestimmt. Aber nach 8-10 Stunden schon durchgespielt? Klingt so, als ob es auch diesmal wieder eher nur ein kurzes Erlebnis wird.
Little_Nemo 22.01.2019
2. Wiederauferstandene Wiederhingelegte
Klingt gut. Und sieht auch gut aus, auf den Fotos. Werde ich mir vielleicht kaufen. Zwar bin ich nicht gerade ein Fan des Zombie-Genres, fand die "Resident Evil"-Filme unterirdisch schlecht und kann eigentlich auch auf [...]
Klingt gut. Und sieht auch gut aus, auf den Fotos. Werde ich mir vielleicht kaufen. Zwar bin ich nicht gerade ein Fan des Zombie-Genres, fand die "Resident Evil"-Filme unterirdisch schlecht und kann eigentlich auch auf Unappetitlichkeiten gut verzichten, aber dieses durch dunkle Gänge schleichen, mich gruseln und Monster killen, damit sie mich nicht killen, das mag ich. Eines meiner Alltime-Lieblingsgames ist "Aliens vs. Predators 2". Auch davon sollte es mal ein Remake geben, finde ich. Obwohl es da auch Unappetitlichkeiten und etwas überflüssige Grausamkeiten gab. Und die "AvP"-Filme waren fast noch unterirdischer als die von "RE". Leider habe ich das Spiel nicht mehr, es ist auch nicht leicht zu bekommen, soweit ich weiß, und ob es unter Windows 10 überhaupt noch läuft ist auch fraglich. Kürzlich habe ich mal irgendwo von einer Initiative gelesen, die alte Software nutzbar halten will. Emulation ist wohl das Stichwort. Das würde ich sehr begrüßen. Einiges an Software, die mir einst sehr wertvoll war, die auf neueren Windows-Versionen aber nicht laufen will, vermisse ich schon sehr.
noisehammer 22.01.2019
3. Altersfreigabe
Nachtrag: Zum Thema Altersfreigabe, ich wusste gar nicht dass Teil 2 damals auf dem Index stand :-) Ich war damals 15/16 Jahre alt. Mein älterer Bruder hatte sich die Spiele besorgt. Früher hat sich keine Sau um das Thema [...]
Nachtrag: Zum Thema Altersfreigabe, ich wusste gar nicht dass Teil 2 damals auf dem Index stand :-) Ich war damals 15/16 Jahre alt. Mein älterer Bruder hatte sich die Spiele besorgt. Früher hat sich keine Sau um das Thema Altersfreigabe gekümmert. Heute ist das gefühlt ein deutlich größeres Thema geworden (auch bei Filmen).
rudolfsikorsky 22.01.2019
4.
Resident Evil 2 , herrlich. Zusammen mit Medal of Honor Frontline das einzige Spiel , das ich bis zum Ende durchgespielt habe , ha ha ha , bin halt kein sogenannter "Zocker ". Das Spiel finde ich heute noch super, auch [...]
Resident Evil 2 , herrlich. Zusammen mit Medal of Honor Frontline das einzige Spiel , das ich bis zum Ende durchgespielt habe , ha ha ha , bin halt kein sogenannter "Zocker ". Das Spiel finde ich heute noch super, auch was Grafik und Spielgefühl betrifft. Aber das soll indiziert gewesen sein?? Wenn ich mich recht erinnere hab ich das damals als Jugendlicher ganz normal in diesem MediadingsbumsMarkt gekauft, das Spiel liegt vor mir mit deutschem Text, also wohl in Deutschland erschienen ,und auf der Hülle der Hinweis USK nicht geeignet unter 18 Jahren . Fertig. Waren damals wohl noch entspannte normale Zeiten !!!!! und Filme wie Zb Stirb langsam oder Predator liefen noch ungeschnitten im Fernsehen , auch um 20 Uhr 15.
tilmanneller 22.01.2019
5. @Little_Nemo Genau!
Ein ständig wiederkehrender Gedanke meinerseits seit der Remakehype auch in die Spieleindustrie Einzug erhalten hat. AvP2 ist meiner Meinung nach eins der besten Spiele ever. Nachdem ich die Demoversion durch hatte, bin ich [...]
Ein ständig wiederkehrender Gedanke meinerseits seit der Remakehype auch in die Spieleindustrie Einzug erhalten hat. AvP2 ist meiner Meinung nach eins der besten Spiele ever. Nachdem ich die Demoversion durch hatte, bin ich sofort losgezogen und habe es mir gekauft. Diese Angst mit der man als Marine durch die Gegend schleicht, nur um später die vollkommene Überlegenheit des Predators genießen zu können..fantastisch :D Keine Ahnung wie oft ich das Spiel durch gespielt habe und wieviele Stunden ich im (zugegeben mittelmäßigen) Multiplayer verbracht habe. Wenn man eine tolle Gruppe hatte in der jeder seinen Part der Rolle entsprechend gespielt hat (und nicht der Kills wegen), war auch der MP echt spaßig. So...Nostalgiemodus off :D

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