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EU fürchtet staatlich gewollte Hackerangriffe auf 5G

Der Name Huawei taucht in einem Bericht der EU-Mitgliedstaaten zum 5G-Aufbau nirgends auf. Doch ihre Risikobewertung ist reich an Anspielungen auf den chinesischen Netzwerkausrüster.

Aly Song/REUTERS

Gravierende Schwachstellen? 5G bereitet EU-Ländern

Mittwoch, 09.10.2019   19:06 Uhr

Die EU-Mitgliedstaaten fürchten, die künftige Abhängigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft vom Mobilfunkstandard 5G könne die Konsequenzen von Netzwerkstörungen "signifikant verschlimmern". Die größte Gefahr gehe dabei von staatlichen oder staatlich unterstützten Akteuren aus. Denn sie "können die Motivation, Absicht und vor allem die Fähigkeit haben, dauerhafte und ausgefeilte Angriffe auf die Sicherheit von 5G zu führen". So steht es in einem Bericht, den die EU-Kommission am Mittwoch veröffentlicht hat.

Der Bericht fasst die Einschätzungen der Mitgliedstaaten zusammen, die Kommission wollte damit eine EU-weite Risikobewertung durchführen. Die Einschätzung der Bundesregierung hatte Netzpolitik.org bereits im August veröffentlicht. Die Europäische Agentur für Informationssicherheit (Enisa) soll die Einschätzungen noch durch ein in den technischen Details ausführlicheres Papier ergänzen, bis Jahresende sollen daraus dann Empfehlungen für den Aufbau sicherer 5G-Netze in Europa entstehen.

Insgesamt befürchten die EU-Staaten, dass staatliche oder von Regierungen unterstützte Hacker "großflächige Ausfälle oder Störungen von Telekommunikationsdiensten verursachen" könnten, "indem sie nicht-dokumentierte Funktionen ausnutzen oder kritische Infrastrukturen wie die Stromversorgung angreifen".

Warnung auch vor organisierter Kriminalität und "Cyberterroristen"

Außerdem heißt es im Bericht: "Mehrere Mitgliedstaaten haben festgestellt, dass gewisse Nicht-EU-Staaten eine bestimmte Cyberbedrohung ihrer nationalen Interessen darstellen, basierend auf früheren Angriffsmethoden oder der Existenz eines offensiven Cyberprogramms von Drittstaaten, das gegen sie gerichtet ist."

Dem Bericht zufolge können auch Auftragnehmer oder Insider - etwa von Netzwerkbetreibern oder deren Zulieferern - als potenzielle Bedrohungen angesehen werden. Schließlich könnten sie von einer Regierung ausgenutzt werden, "um Zugang zu kritischen Bestandteilen" zu erlangen.

Weitere gefährliche Akteure seien Gruppen aus der organisierten Kriminalität, Unternehmen, die sich vom Diebstahl geistigen Eigentums einen Wettbewerbsvorteil versprechen, sowie "Cyberterroristen".

Netzbetreiber sollen sich nicht auf einen einzelnen Ausrüster verlassen

Viele der Bedrohungsszenarien würden auch schon für die bestehenden Mobilfunknetzwerke gelten, stellt der Bericht klar. Weil 5G aber "zu großen Teilen auf Software basieren wird, könnten gravierende Schwachstellen es Angreifern erleichtern, Hintertüren in Produkte einzufügen".

Wer mit staatlichen oder staatlich unterstützten Akteuren gemeint ist, wird im Bericht nicht erläutert. Die Befürchtungen mancher Regierungen, China könne die Netzwerkausrüster Huawei und ZTE zu Spionage und Sabotage zwingen, lassen sich nur indirekt herauslesen, das aber an mehreren Stellen. So heißt es etwa, Zulieferer und Ausrüster könnten von Nicht-EU-Staaten gesteuert werden,

Nach Ansicht mancher Experten trifft all das auf Huawei zu. Beweise für staatlich gesteuerte Spionage durch Huawei gibt es jedoch keine. Dennoch warnen die EU-Staaten davor, sich beim Aufbau der 5G-Netze auf einzelne Ausrüster zu verlassen.

Lesetipp aus dem Archiv

pbe

insgesamt 30 Beiträge
peteftw 09.10.2019
1. Nicht-EU?
"So heißt es etwa, Zulieferer und Ausrüster könnten von Nicht-EU-Staaten gesteuert werden, -wenn es ohnehin starke Verbindungen zwischen der Regierung und dem jeweiligen Unternehmen gebe, -wenn die Gesetze des [...]
"So heißt es etwa, Zulieferer und Ausrüster könnten von Nicht-EU-Staaten gesteuert werden, -wenn es ohnehin starke Verbindungen zwischen der Regierung und dem jeweiligen Unternehmen gebe, -wenn die Gesetze des entsprechenden Landes es erlauben, wenn bestimmte Eigentümerstrukturen bei einem Unternehmen vorliegen -oder wenn die Regierung Druck auf das Unternehmen ausüben kann." Tja, trifft alles auf die USA und Cisco u.a. zu. Es ist nachgewiesen, dass US-amerikanische Unternehmen der NSA im Zweifel zuarbeiten müssen, die Gesetze geben das ebenfalls her. Für Huawei ist das lediglich eine Vermutung ohne Belege.
Klaus's Meinung 09.10.2019
2. Europäische Hersteller
wie Nokia und Ericsson bieten genau so Netzwerktechnik an. Ich verstehe nicht weshalb Chinesische Technik in Frage kommt. Nur um ein paar EUR zu sparen ?
wie Nokia und Ericsson bieten genau so Netzwerktechnik an. Ich verstehe nicht weshalb Chinesische Technik in Frage kommt. Nur um ein paar EUR zu sparen ?
Circular 09.10.2019
3. Die chinesischen Hersteller sind nicht billiger
aber deutlich besser, als die US-Amerikaner oder die Europäer. Die Chinesen sind seit geraumer Zeit auch führend bei der Normenentwicklung.
Zitat von Klaus's Meinungwie Nokia und Ericsson bieten genau so Netzwerktechnik an. Ich verstehe nicht weshalb Chinesische Technik in Frage kommt. Nur um ein paar EUR zu sparen ?
aber deutlich besser, als die US-Amerikaner oder die Europäer. Die Chinesen sind seit geraumer Zeit auch führend bei der Normenentwicklung.
brutus972 09.10.2019
4. Da brauchen wir uns keine Gedanken zu machen,
denn bis das 5G bei uns richtig funktioniert, ist auch der BER fertig und es gibt weltweit schon 7G. Ich war gestern an verschiedenen kleinen Flughäfen in Hessen, da war das Schnellste 3G mit 2 Balken. Wenn wir kein [...]
denn bis das 5G bei uns richtig funktioniert, ist auch der BER fertig und es gibt weltweit schon 7G. Ich war gestern an verschiedenen kleinen Flughäfen in Hessen, da war das Schnellste 3G mit 2 Balken. Wenn wir kein deutschlandweites Roaming bekommen, wird das nix.
majonga 09.10.2019
5. China?
nö, lieber lasse ich mich von "unseren Freunden" abhören anstatt von China... Es ist mir sowieso ein Rätsel warum der kapitalistische Westen, deren Reichtum von Gleichheit, Freiheit und Gleichberechtigung Fußt, [...]
nö, lieber lasse ich mich von "unseren Freunden" abhören anstatt von China... Es ist mir sowieso ein Rätsel warum der kapitalistische Westen, deren Reichtum von Gleichheit, Freiheit und Gleichberechtigung Fußt, Geschäfte mit China macht. Wenn ich an China denke, kommen mir nur Unterdrückung, Armut, aggressive Politik ggü seinen Nachbarn und Stasi-Methoden in den Kopf... Noch dazu die Raubkopien in den Grosskonzernen und was die chinesischen Investoren hier in Deutschland agieren. Dass die oben angeführten Punkte auch im Westen vorkommen ist klar, aber der Westen ist ggü seinen Bürgern und Bürgerinnen mit einer gewissen Empathie verbunden...

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