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Netzwelt

"Schutz der persönlichsten Lebensbereiche"

Justizministerium warnt Ermittler vor Zugriff auf Sprachassistenten

Können Daten von Alexa, Siri und Co. bald als Beweismittel vor Gericht verwendet werden? Einen entsprechenden Vorschlag der Innenminister lehnt das Bundesjustizministerium ab: Es gebe Grenzen.

DPA

Lautsprecher Amazon Echo (Archivbild): Wofür dürfen Daten von Sprachassistenten benutzt werden?

Donnerstag, 06.06.2019   01:52 Uhr

Verbraucherschutz-Staatssekretär Gerd Billen aus dem Bundesjustizministerium hat vor einem Zugriff von Ermittlern auf die Daten von Sprachassistenten und Smarthome-Geräten gewarnt. Die Strafverfolgungsbehörden müssten zwar auf der Höhe der Zeit sein, "aber der Schutz der persönlichsten Lebensbereiche und die Freiheit jedes Beschuldigten, sich nicht selbst zu belasten, setzen Grenzen", sagte er der "Rheinischen Post". Diese dürften durch keine Technologien umgangen werden.

Die Innenminister von Bund und Ländern wollen bei ihrer anstehenden Konferenz in Kiel über einen möglichen Zugriff auf Daten digitaler Sprachassistenten und "smarter" Haushaltsgeräte in der Strafverfolgung beraten (mehr dazu erfahren Sie hier).

"Aus unserer Sicht ist es für eine effektive Kriminalitätsbekämpfung sehr wichtig, dass den Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern auch auf diesen Geräten gespeicherte Daten nicht verschlossen bleiben", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin. Eine Prüfung der damit verbundenen rechtlichen Fragen dauere aber noch an.

Der Sprecher betonte, die Beratungen bei der Innenministerkonferenz, die am nächsten Mittwoch beginnt, seien aber erst der "Einstieg in die Diskussion". Zur Aufklärung welcher Verbrechen die Auswertung solcher Geräte angestrebt werden könnte, ließ er offen.

aar/dpa

insgesamt 23 Beiträge
bernteone 06.06.2019
1. Die Polizei will auch nichts auslassen
Mehr Beamte und solide Polizeiarbeit würden auch zum Ergebniss führen . Wenn ich was zu verbergen habe werde ich sowieso keine Kommunikation wählen von der ich weiß das jeder mithören kann . Der gläserne Mensch wird [...]
Mehr Beamte und solide Polizeiarbeit würden auch zum Ergebniss führen . Wenn ich was zu verbergen habe werde ich sowieso keine Kommunikation wählen von der ich weiß das jeder mithören kann . Der gläserne Mensch wird vorbereitet , auf Knopfdruck sollen alle möglichen Daten und Informationen abrufbar sein ohne das er je im Focus von Ermittlern war . Das ist die Zukunft , aber wer im dunklen fischt findet auch weiterhin Mittel und Wege unerkannt zu bleiben , es geht um die Überwachung der breite Masse ..
merlin 2 06.06.2019
2. Feuchter Traum des Bundesinnenministeriums
Mit derartigen Maßnahmen kriegt man keinen der großen Ganoven. Damit kriegt man klein Lieschen, die irgendwo eine Kleinigkeit falsch macht. Und warum jetzt zurückgerudert wird ist auch klar, weil die Veröffentlichung [...]
Mit derartigen Maßnahmen kriegt man keinen der großen Ganoven. Damit kriegt man klein Lieschen, die irgendwo eine Kleinigkeit falsch macht. Und warum jetzt zurückgerudert wird ist auch klar, weil die Veröffentlichung vermutlich gar nicht geplant gewesen ist. Die Pläne, die Privatsphäre des Bürgers auszuhorchen, gibt es ja schon länger und mit den anstehenden Maßnahmen, Smartphones abhören zu können und Verschlüsselung knacken zu können bzw. immer einen Zweitschlüssel zu haben ist das hier doch eher eine kosmetische Maßnahme. Vermutlich wollte man das gar nicht groß veröffentlichen, damit sich alle in Sicherheit wiegen und gar nicht erst daran denken, daß DDR 2.0 stattfindet. Mit den Abhörmöglichkeiten, die sich im Auto ergeben, ist dann die Rundumüberwachung komplett.
haichen 06.06.2019
3. In der Summe wird das noch schlimmer
Es kommt noch der Wunsch von Seehofer nach einem Masterschlüssel für alle Messenger wie z.B. Whatsapp, sowie der Einbau von Lücken in den 5G-Standard, der eigentlich eine technische Ende zu Ende Verschlüsselung verwirklicht. [...]
Es kommt noch der Wunsch von Seehofer nach einem Masterschlüssel für alle Messenger wie z.B. Whatsapp, sowie der Einbau von Lücken in den 5G-Standard, der eigentlich eine technische Ende zu Ende Verschlüsselung verwirklicht. Statt die Sicherheit des Staates zu verbessern gibt man den Bürger zum Abschuß frei. Selbst wenn die Behörden immer die "Guten" wären, werden auch Kriminelle Wege finden um diese Sicherheitslücken! auszunutzen.
vburthur 06.06.2019
4.
Was für Daten erhoffen sich diese Minister eigentlich genau? Denken die, dass diese Assistenten alles aufzeichnen und speichern? Schnarchen in der Nacht, Geschirrklappern in der Küche, Motorenlärm von der Straße? Oder geht es [...]
Was für Daten erhoffen sich diese Minister eigentlich genau? Denken die, dass diese Assistenten alles aufzeichnen und speichern? Schnarchen in der Nacht, Geschirrklappern in der Küche, Motorenlärm von der Straße? Oder geht es nur um die Kommandos, die sich direkt an die Assistenten wenden? "Alexa, wo kann ich am besten ein entführtes Opfer aufbewahren, so dass es keiner findet?" oder "Alexa, welche Gifte sind tödlich und nicht nachweisbar?", oder "Alexa, bestelle mir eine Pistole!"? In dem Fall hätte ich eine schlechte Nachricht an diese Minister, die offenbar absolute IT-Experten sind (Achtung, Sarkasmus): damfür werden Verbrecher und Terroristen eher nicht einen Sprachassistenten konsultieren, der jedes an ihn/sie/es gewendetes Kommando von einem Server auswerten lässt, bei dem sie nicht wissen, was er sonst noch mit den Daten macht.
swnf 06.06.2019
5. Was sich die Ermittler erhoffen?
Na die erhoffen sich wahrscheinlich so ziemlich das Gleiche, was sie sich von der Auswertung der Aufnahmen von Überwachungskameras erhoffen: stimmt die Aussage von Verdächtigen und/oder Zeugen eines Verbrechens bzw. lassen [...]
Zitat von vburthurWas für Daten erhoffen sich diese Minister eigentlich genau? Denken die, dass diese Assistenten alles aufzeichnen und speichern? Schnarchen in der Nacht, Geschirrklappern in der Küche, Motorenlärm von der Straße? Oder geht es nur um die Kommandos, die sich direkt an die Assistenten wenden? "Alexa, wo kann ich am besten ein entführtes Opfer aufbewahren, so dass es keiner findet?" oder "Alexa, welche Gifte sind tödlich und nicht nachweisbar?", oder "Alexa, bestelle mir eine Pistole!"? In dem Fall hätte ich eine schlechte Nachricht an diese Minister, die offenbar absolute IT-Experten sind (Achtung, Sarkasmus): damfür werden Verbrecher und Terroristen eher nicht einen Sprachassistenten konsultieren, der jedes an ihn/sie/es gewendetes Kommando von einem Server auswerten lässt, bei dem sie nicht wissen, was er sonst noch mit den Daten macht.
Na die erhoffen sich wahrscheinlich so ziemlich das Gleiche, was sie sich von der Auswertung der Aufnahmen von Überwachungskameras erhoffen: stimmt die Aussage von Verdächtigen und/oder Zeugen eines Verbrechens bzw. lassen sich Beweise/Hinweise finden, wenn man keine Zeugen hat? Solche Dinge, schätze ich mal. Stellen sie sich vor, es findet ein Mord in privaten Räumen statt. Der Ehemann der Ermordeten behauptet zur Tatzeit nicht anwesend gewesen zu sein. Die Auswertung von einem Smart-Home Gerät zeigt aber, dass der Mann zur Tatzeit mit dem Gerät interagiert hat. Hilfreich ist das sicher, aber der Schutz der Privatsphäre ist meiner Meinung nach wichtiger! Ich hoffe mal sehr, dass bei dem Thema das Bundesjustizministerium am längeren Hebel sitzt!

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