Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Internet-TV

Leihvideos aus dem Web ins Wohnzimmer

Fernsehen aus dem Internet wird langsam massenfähig. Medion bringt zwei IPTV-fähige Settop-Boxen zu Supermarktpreisen auf den Markt, Anbieter wie Videobuster liefern die passenden Filmangebote. Hightech ist das aber nicht.

Von
Freitag, 06.03.2009   15:00 Uhr

Der Video-on-Demand-Anbieter Videobuster ist offenkundig hochzufrieden mit der Entwicklung. Bisher mussten sich Kunden des Angebots entweder vor den PC setzen oder den Computer ins Wohnzimmer holen, um die Filme aus der Online-Videothek anschauen zu können. Jetzt soll eine Box die Web-Videos auf den TV-Bildschirm holen, schnell, billig und einfach.

"Es sind nicht mehr als drei Steckverbindungen und ein paar Sekunden Ladezeit nötig", bis sich die Box zum ersten Mal am Fernseher meldet, erklärt das Unternehmen. Schon wenig später soll man sich aus dem rund tausend Spielfilme umfassenden Angebot des Unternehmens bedienen können. Außerdem ermöglicht es das Kästchen, vom Fernseher aus auf Musik, Filme und Fotos zuzugreifen, die auf dem heimischen PC gespeichert sind.

Die Box selbst ist ein Produkt des Essener Unterhaltungselektronikkonzerns Medion. 149 Euro soll das unscheinbare schwarze Kästchen kosten. Im Gerätepreis ist ein 25-Euro-Gutschein für das Videobuster-Angebot bereits enthalten. Anders als viele bisher angebotene Settop-Boxen ist das als Medion Life S27022 bezeichnete Gerät nicht an einen bestimmten DSL-Anbieter gebunden.

Ohne Windows keine Videos

Ganz ohne Computer funktioniert die Settop-Box aber nicht. "Die Filme werden am PC ausgesucht, aber am Fernseher abgespielt", erklärt Projektleiter Matthias Zinecker. Nach seiner Ansicht ist es einfacher, sich auf diese Weise ein TV-Programm zusammenzustellen, statt sich umständlich durch Bildschirmmenüs zu hangeln.

Die Festlegung auf den PC als Steuerzentrale für die Filmauswahl sperrt allerdings automatisch alle Linux- und Mac-Anwender aus. Ein PC, auf dem mindestens Windows XP mit dem Service Pack 2 läuft, ein 2-Megabit-DSL-Anschluss und Microsofts Windows Mediaplayer 11 sind die Mindestvoraussetzungen zur Nutzung des Players.

Ein Schalter reicht aus

Die technische Ausstattung der Medion Life S27022 ist mager. Ihr Prozessor ist mit 300 MHz getaktet, der Arbeitsspeicher 128 MB groß. Als Betriebssystem läuft auf der Box eine integrierte Version von Windows CE 5.0. Die wird schon für das ebenfalls eingebaute Microsoft-Kopierschutzsystem Media-DRM-10 benötigt. Der Netzzugang erfolgt wahlweise per Ethernet-Kabel oder W-Lan.

An den Fernseher wird die Box per Scart-Buchse angeschlossen, was bei aktuellen Flachbild-TVs nicht mehr zeitgemäß ist. Für moderne HD-TV-Geräte gilt die HDMI-Buchse als Standard. Den Ton gibt das Gerät digital über einen optischen SPDIF-Anschluss aus, analoge Anschlüsse sind nicht vorhanden. Als einziges mechanisches Element ist ein Ein/Aus-Schalter vorhanden, über dessen Status eine LED Auskunft gibt.

Mehr Möglichkeiten mit Festplatte und DVB-T

Einiges mehr an Funktionen bietet dagegen die Medion Life S27200. Diese Settop-Box ist vollkommen autark vom Computer nutzbar, ähnelt schon optisch eher einem Videorecorder. Wie die S27022 lässt sich auch diese Box drahtlos oder per Kabel ins Netzwerk einbinden. So kann auch sie Medieninhalte vom PC auf den Fernseher bringen. Außerdem sollen die beliebtesten YouTube-Videos sowie weitere ausgewählte Web-Videos abrufbar sein. Außerdem kann auch die S27200 auf Videobuster-Leihfilme zugreifen.

Zusätzlich ist diese Box allerdings mit zwei DVB-T-Fernsehempfängern ausgerüstet. So kann man außer Internet-Fernsehen auch gewöhnliche digital-terrestrische TV-Programme empfangen. Eine 250-Gigabyte-Festplatte ermöglicht es, dabei sogar zeitversetzt fernzusehen, TV-Sendungen also beispielsweise anzuhalten, um sie später weiter anzusehen, oder Aufnahmen zu programmieren. Bis zu 125 Stunden TV-Inhalte sollen sich auf diese Weise auf der Festplatte zwischenlagern lassen.

Auch bei diesem Modell ist nach Angaben des Herstellers allerdings zusätzlich ein Windows-PC vonnöten. Zudem ist das als Recorder nutzbare Gerät mit 250 Euro um einiges teurer als die reine Streaming-Box S27022. Trotz dieses Aufpreises aber hat der Hersteller auch hier auf den Einbau eines HDMI-Anschlusses verzichtet. Zeitgemäß ist das nicht mehr.

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP