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Netzwelt

Speichertechnik

Flash schlägt Festplatte

Die Harddisk scheint am Ende. Zur Cebit kündigen etliche Firmen Massenspeicher an, die auf Chips statt auf Magnetplatten setzen. Sie sind schnell, sparen Strom - und kosten viel.

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Dienstag, 13.03.2007   13:29 Uhr

Den Einstieg in diesen lukrativen Markt will sich der größte Chiphersteller der Welt natürlich nicht nehmen lassen. Schließlich locken fette Gewinne. Anders als bei rotierenden Festplatten, deren Preisniveau sich in den vergangenen Jahren drastisch nach unten verschoben hat, ist die Technologie der Flash-basierten Massenspeicher noch geradezu jungfräulich. Und was neu ist, darf ruhig teuer sein.

Den Vogel schießt in jeder Hinsicht die Firma Adtron aus Phoenix in Arizona ab. Deren Modelle I25FB und A25FB stellen mit Kapazitäten von bis zu 160 Gigabyte das Maximum dessen dar, was bisher technisch machbar ist. Der Preis dafür ist allerdings deftig. Rund 8000 Euro verlangen die Amerikaner für ihr High-End-Modell. Dafür kann man die Massenspeicher per Array-Funktion zusammenschalten und so zu wahren Speicher-Monstern ausbauen.

Austauschbar

Da bietet der seit jeher auf Flashspeicher spezialisierte Hersteller Sandisk doch deutlich konsumentenfreundlichere Preise. 350 US-Dollar, also knapp 270 Euro, soll deren neue und 32 Gigabyte große Flash-Festplatte kosten. Dafür lässt sich das Sandisk-Modell laut Hersteller in vielen handelsüblichen Notebooks anstelle der vorinstallierten Festplatte einsetzen, da sie über einen Standard-SATA-Anschluss verfügt.

Durch diesen Tausch würde man zwar etwas Speicherplatz einbüßen - aktuelle Notebook-Platten haben Kapazitäten zwischen 60 und 200 Gigabyte - dafür aber Laufzeit und Geschwindigkeit gewinnen. Da sie keine beweglichen Teile haben, sind Flash-basierte Medien schneller und benötigen weniger Strom als rotierende Festplatten.

Derartige Lösungen stehen bei Notebookherstellern derzeit hoch im Kurs. Samsung etwa, zeigte schon vor einem Jahr einen Mobilrechner mit Flash-Platte. Allerdings nur als Prototyp. Sony hingegen verkauft sogar schon einen Mini-PC mit Festspeicher-Festplatte. Der Micro-PC VGN-UX390N verfügt über ein 32 Gigabyte Flash-Laufwerk. Als es vor wenigen Tagen hieß, Apple plane ein Notebook mit Flashspeicher, schlugen die Wogen hoch.

Samsung sucht die Mitte

Aufgrund der noch sehr hohen Preise ist es aber unwahrscheinlich, dass Flash-Festplatten bald in allen Notebooks zu finden sein werden. Samsung scheint hier den richtigen Mittelweg gefunden zu haben. Statt ausschließlich auf die teure neue Flash-Technologie zu setzen, kombinieren die Südkoreaner in einer neuen Festplattenserie die Vorzüge magnetischer Plattenspeicher mit einer überschaubaren Menge Flashspeicher. Der fungiert quasi als Puffer zwischen Festplatte und PC. Laut Samsung soll diese Technologie Windows Vista zu einem um 50 Prozent beschleunigten Systemstart verhelfen. Zudem sei der Stromverbrauch um gut zwei Drittel geringer als bei herkömmlichen Festplatten und verlängere damit die Notebook-Laufzeit um 20 bis 30 Prozent.

Die ersten Modelle der als "Flashon" bezeichneten Serie kommen mit Kapazitäten von 80, 120 und 160 Gigabyte, sowie einem 256 MB großen Flashspeicher auf dem Markt. Über Preise schweigt sich das Unternehmen noch aus.

Billiglösung USB-Stick

Chip-Primus Intel hingegen setzt voll und ganz auf Flash und stellt unter der Bezeichnung Z-U130 Intel eine Flash-Platte vor, die mit Kapazitäten von einem bis acht Gigabyte verfügbar sein soll. Ungewöhnlich an dieser Lösung ist, dass sie nicht mit einem Standard-Festplattenanschluss ausgerüstet ist, Stattdessen ist ein USB-Port eingebaut. So kann man die Platte wie einen USB-Stick als mobiles Laufwerk nutzen. Allerdings sind viele PCs mittlerweile mit internen USB-Anschlüssen ausgerüstet. An einen solchen angeschlossen, könnte Intels Laufwerk ein komplettes Betriebssystem aufnehmen und beispielsweise den Systemstart erheblich beschleunigen.

Einen ganz ähnlichen Effekt können Vista-User freilich auch mit einem ganz simplen USB-Stick erreichen. Den kann Vista nämlich ebenfalls als Zusatzspeicher nutzen, um den Start von Betriebssystem und Programmen zu beschleunigen. Das ist billig und funktioniert sofort. Wichtig aber: nicht jeder USB-Stick ist dafür geeignet. Vista prüft bei einstecken des Sticks, ob dessen Performance ausreicht, um das System zu beschleunigen. Wer beim Kauf eines neuen Sticks sichergehen will, diese Funktion nutzen zu können, sollte auf eine entsprechende Kennzeichnung, wie etwa "Enhanced for Windows Readyboost" achten.

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