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Montag, 25.03.2019   15:37 Uhr

Apple-Show und Urheberrecht

Liebe Leserin, lieber Leser,

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das vielleicht Beste an der mittlerweile fast unerträglich hässlichen Debatte um die geplante EU-Urheberrechtsreform ist noch, dass sich endlich mal unübersehbar viele Menschen für EU-Politik interessieren. Deshalb möchte ich Ihnen eine Zusammenfassung der letzten Beschimpfungen, Verleumdungen und Unterstellungen der Richtlinienbefürworter und -gegner ersparen und stattdessen durchspielen, was am Dienstag im EU-Parlament passieren wird.

Zur Mittagszeit nämlich kommt es in Straßburg zum Showdown um Uploadfilter und das Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Dann wird die Richtlinie im Plenum beschlossen, abgelehnt - oder irgendwas dazwischen. Und je nachdem, was passiert, geht es danach anders weiter.

Peter Endig/DPA

Demo gegen Artikel 13

1. Zurück auf Los

Als erstes steht ein Antrag zur Abstimmung, den kompletten Entwurf der Richtlinie abzulehnen. Das ist das Szenario "Gehen Sie zurück auf Los": Bekommt dieser Antrag eine Mehrheit, müsste die (nächste) EU-Kommission einen neuen Vorschlag vorlegen, wenn sie das Urheberrecht modernisieren wollte. Der ganze Prozess ginge von vorne los.

2. Urheberrechts-Döner mit alles

Bekommt der Vorschlag keine Mehrheit, steht als nächstes der Kompromiss aus dem Trilog in seiner Gesamtheit zur Abstimmung. Kommt er durch, ist die Richtlinie mitsamt der Artikel 13 und 11 so gut wie beschlossene Sache. Zwar muss der Europäische Rat, also die Mitgliedsstaaten, noch zustimmen. Doch das gilt in diesem Fall als Formsache. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten haben dann zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationale Gesetze zu fassen. Anders als bei einer EU-Verordnung haben sie dabei einen gewissen Interpretationsspielraum.

3. Mit alles außer Zwiebeln

Scheitert auch dieser zweite Vorschlag, gehen die Abgeordneten jeden Teil des Richtlinienentwurfs einzeln durch, zu dem es Änderungsanträge gibt. Das sind vor allem Artikel 11 und 13. (In der offiziellen deutschen Übersetzung der Richtlinie ist Artikel 13 zu Artikel 17 geworden, aber in der Abstimmung gelten die alten Nummern.)

Fällt Artikel 11 oder 13 oder beides durch, muss wiederum der Rat dem zustimmen, was noch übrig ist. Das ist dann allerdings keine Formsache mehr. Gut möglich, dass die Arbeit am bestehenden Entwurf in diesem Fall einfach weitergeht - allerdings nach der Europawahl und mit einem neu besetzten Parlament und einer neuen Kommission. Theoretisch könnte die Kommission auch noch selbst die Notbremse ziehen, wenn sie die vom Parlament beschlossene Fassung als zu weit von dem entfernt ansieht, was sie selbst will.

Was auch immer Dienstag passiert, wir werden berichten.

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Apple zu Diensten

Apple wird am Montagabend einen TV-Streamingdienst wie Netflix und einen Nachrichten-Abodienst wie Readly vorstellen. Darüber hinaus, schreibt "Bloombergs" gut informierter Apple-Spezialist Mark Gurman, arbeite das Unternehmen an einem iOS-Spiele-Abodienst. Macht zusammen jeweils ein iTunes für Fernsehen, Zeitungen und Games.

Interessant ist unter anderem, wer alles nicht dabei ist: Netflix-Serien wird es in Apples Dienst wohl nicht zu sehen geben, und die "New York Times" will ausdrücklich nicht beim Newsdienst mitmachen. Aber Apple kann sehr hartnäckig sein: Die Beatles wollten zunächst auch nicht auf iTunes vertreten sein, knapp zehn Jahre nach dem Start der Download-Plattform war es dann doch so weit.

Ng Han Guan/AP

Apple-CEO Tim Cook

Mein Kollege Matthias Kremp wird von der heutigen Vorstellung im Steve Jobs Theater in Cupertino berichten, Andreas Albert wiederum analysiert hier vorab, was für ein fundamentaler Umbau das für Apple ist.

Live mitverfolgen können Sie die Neuheiten-Show auf apple.com/apple-events/livestream/ - sofern Sie ein Apple-TV, ein iOS-Gerät oder einen Mac mit halbwegs aktuellem Betriebssystem (iOS 10.0 oder macOS 10 Sierra 10.12) haben oder den Edge-Browser von Microsoft benutzen. Über die aktuellen Versionen von Chrome und Firefox sollte es auch funktionieren, aber Apple schreibt vorsichtshalber nur "may also be able to access the stream". Alternativ können Sie sich den Stream direkt in Apples Twitter-Account ansehen.

Seltsame Digitalwelt: Gäste-Googeln
eine Anekdote von Martin U. Müller

Wer auf eine Veranstaltung geht, muss sich vorher anmelden. So auch beim "Hotelier des Jahres", einer Abendveranstaltung in Berlin, auf der Menschen aus der Hotelbranche für ihr Tun geehrt werden. Damit sich niemand einschleicht, müssen Gäste mitunter sogar Ausweisdokumente vorlegen.

Und weil es eben Menschen gibt, die sagen, sie hätten keinen Ausweis dabei, beobachtete ich am Einlass eben dieser Party, wie solche Situationen heutzutage gehandhabt werden: Eine Frau am Empfang fragte zwei Männer nach ihrem Ausweis, beide hatten ihren nicht dabei. Sie googelte daraufhin die Namen der Gäste, um Fotos von ihnen zu finden - auf einer LinkedIn-Seite, einem Facebook-Profil oder einer offiziell aussehenden Website. Sie wurde fündig, die Herren durften passieren.

Allerdings mussten sie dann noch ihr mit einem RFID-Chip versehenes Namensschild an ein Terminal halten, um den digitalen Check-in zu komplettieren. Was waren das für Zeiten, als man einfach auf einer Liste abgehakt wurde.


App der Woche: "Squad"
getestet von Tobias Kirchner

Olabot

"Squad" macht es sehr leicht, das Geschehen auf dem eigenen Bildschirm mit Freunden oder Arbeitskollegen zu teilen. So kann man beispielsweise einen Videochat mit bis zu neun Personen starten, in dem auch Apps oder Browser abgebildet werden können.

Die Einladung erfolgt einfach über die Kontaktliste. Anschließend kann man gemeinsam in der eigenen Fotogalerie, Chatverläufen, auf Shoppingseiten oder in sozialen Netzwerken stöbern. Die Bedienung ist einfach und funktioniert problemlos.

Gratis von Olabot, ohne In-App-Käufe: iOS, Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine erfreuliche Woche,

Patrick Beuth

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