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CryptoDrop

Erpressungssoftware wird auf frischer Tat ertappt

Verschlüsselungstrojaner sind ärgerlich, doch ein neues System könnte vor ihnen schützen. Es entdeckt die Schadsoftware nicht sofort, sondern lässt sie zunächst ihr schädliches Werk verrichten.

DPA

Verschlüsselungstrojaner (Symbolbild)

Von
Donnerstag, 14.07.2016   08:22 Uhr

Mit Ransomware können Kriminelle immer noch ein schönes Sümmchen verdienen. Die Idee hinter der Erpressungssoftware ist einfach: Angreifer schleusen die Schädlinge etwa über E-Mail-Anhänge auf die Computer ihrer Opfer ein und lassen sie dort Dateien verschlüsseln. So werden Dokumente, Fotos, E-Mails, komplette Datenbanken und sogar Spielstände von Gamern unbrauchbar. Wer wieder an seine Daten will, muss den Angreifern ein Lösegeld zahlen.

Derartige Angriffe zielen nicht nur auf private Nutzer. Sie erwischten auch schon Stadtverwaltungen, Krankenhäuser und in den USA sogar die Polizei. Im vergangenen Jahr verzeichnete das FBI 2400 Anzeigen wegen Ransomware, bei denen Schäden von über 24 Millionen Dollar entstanden sein sollen. Die Sicherheitsfirma Flashpoint hat ermittelt, dass die Drahtzieher hinter der Erpressungssoftware im Durchschnitt 90.000 Dollar pro Jahr verdienen (PDF) .

Solche Gewinne und die Tatsache, dass die Schädlinge vergleichsweise einfach zu programmieren sind, sorgen dafür, dass immer neue Versionen von Ransomware entstehen. Virenscanner können da kaum mithalten. Sie sind meist darauf ausgelegt, Viren zu entdecken, sobald diese per E-Mail, USB-Stick oder über einen anderen Weg auf den Computer eindringen. Der Virenscanner gleicht alle neuen Dateien mit einer Datenbank bekannter Schädlinge ab. Findet er dabei einen Virus, verweigert er ihm den Zugang zum Computer. Doch unbekannte Schadsoftware, wie ein neu entwickelter Verschlüsselungstrojaner, kann durch dieses Suchraster rutschen.

Abwarten, bis etwas passiert

Die Lösung könnte ein System sein, das Informatiker der University of Florida und der Villanova University entwickelt haben. Es heißt CryptoDrop (PDF) und ist gar nicht dafür gemacht, Ransomware beim Eindringen auf einem Computer zu erkennen. Vielmehr erwischt es die Schadsoftware auf frischer Tat.

Es überwacht die Dateien des Benutzers und sucht nach Veränderungen, die von Ransomware stammen könnten. Verdächtig ist etwa, wenn plötzlich massenweise Verschlüsselungsprozesse ausgeführt oder Dateitypen verändert werden. Sobald CryptoDrop so etwas feststellt, stoppt es diese Prozesse und benachrichtigt den Nutzer.

CryptoDrop ersetzt keinen Virenscanner

Immer klappt das jedoch nicht. Seine Macher schreiben, dass CryptoDrop auch falschen Alarm schlagen kann. Etwa, wenn jemand seine E-Mails verschlüsselt, und das System das als Angriff einer Ransomware fehlinterpretiert. Aber wenn es darum geht, echte Angriffe aufzuspüren, funktioniert das Programm gut.

Bei einem Test sollte es 492 Varianten von Erpressungssoftware erkennen und erreichte eine Trefferquote von 100 Prozent. Im Schnitt schlug es zu, nachdem die Schädlinge bereits zehn Dateien verschlüsselt hatten. Das ist die unüberwindbare Schwäche eines Systems, das Angreifer erst erkennt, wenn diese bereits zugeschlagen haben.

Daher soll CryptoDrop auch keinen Virenscanner ersetzen. Es könnte vielmehr unterstützend arbeiten. Erst, wenn sich die Ransomware an einem Virenscanner vorbeigeschlichen hat und anfängt, Dateien zu verschlüsseln, würde es in Aktion treten. Zu kaufen gibt es das System noch nicht. Die Macher haben jüngst einen funktionierenden Prototyp auf einer Konferenz in Japan vorgestellt. Nun suchen sie ein Unternehmen, das dabei hilft, ihr Programm zu vermarkten.

Erpresser-Viren - wie kann ich mich schützen?

Seien Sie vorsichtig mit E-Mail-Anhängen
Deaktivieren Sie die Makro-Funktion in Dokumenten, die Sie per E-Mail erhalten. Vor allem bei Nachrichten von fremden Personen sollten Sie vorsichtig sein. "Locky" und andere Ransomware-Trojaner werden nach Angaben von Sicherheitsexperten meist über E-Mail-Anhänge eingeschleust, die sich etwa als harmloses Worddokument tarnen, aber im Hintergrund die gefährliche Software ausführen. Völlige Sicherheit lässt sich so aber nicht erreichen: Auch als "drive-by", also einfach beim Besuch einer Website kann man sich Ransomware einfangen. Es traf sogar schon Leser von Seiten wie Nytimes.com und BBC.com.
Daten per Back-up sichern
Ransomware-Trojaner verschlüsseln Ihre Dateien oft so gut, dass sie dauerhaft unbrauchbar werden. Sichern Sie Ihre Daten also möglichst per Back-up, damit Sie Ihre Dokumente im Notfall wiederherstellen können. Am besten eignet sich dafür eine Festplatte, die nicht ständig mit dem PC verbunden ist, wie eine externe USB-Platte. Auch ein Cloud-Back-up kann sinnvoll sein - das sollte man dann aber sicher verschlüsseln.
Verwenden Sie aktuelle Software
Um Sicherheitslücken zu schließen, sollten Sie möglichst alle Programme auf Ihrem Rechner auf den neuesten Stand bringen. Installieren Sie Patches für den Browser, für Office-Anwendungen und den Flash-Player. Malware-Programme nutzen Sicherheitslücken in dieser Software aus.
Benutzen Sie aktuelle Virenschutz-Software
Die neuesten Versionen der Erpressertrojaner schaffen es zuweilen auch an aktuellen Sicherheitsprogrammen vorbei, aber schon bekannte Varianten kann ein Virenschutzprogramm abfangen. Diverse Anbieter haben auch kostenlose Versionen ihrer Schutzsoftware im Programm, die zumindest einen Basisschutz bieten, und bereits bekannte Virensignaturen erkennen.
insgesamt 4 Beiträge
GrinderFX 14.07.2016
1.
Im Prinzip leider keine Lösung, denn es bestraft definitiv User die sich richtig verhalten und macht es eigentlich unbenutzbar. Denn wer irgendeine Verschlüsselung benutzt wird damit Probleme kriegen. Auch bin ich mir sicher, [...]
Im Prinzip leider keine Lösung, denn es bestraft definitiv User die sich richtig verhalten und macht es eigentlich unbenutzbar. Denn wer irgendeine Verschlüsselung benutzt wird damit Probleme kriegen. Auch bin ich mir sicher, dass man diese Software wieder recht schnell umgehen kann, nämlich dann, wenn sich die Verschlüsselungssoftware als Root-Kit einnistet. Dann hat die Software absolut keine Chance irgendwas zu entdecken und das wird schneller passieren als man denkt.
frenchie3 14.07.2016
2. @1 Einspruch
Zunächst mal wird das System sinnvollerweise die Tätigkeit untersagen und eine Abfrage starten, auf OK gehts weiter. Kann lästig sein aber ein kleiner Preis für die Sicherheit. Für Rootkits gibt es bereits Scanner. Und [...]
Zunächst mal wird das System sinnvollerweise die Tätigkeit untersagen und eine Abfrage starten, auf OK gehts weiter. Kann lästig sein aber ein kleiner Preis für die Sicherheit. Für Rootkits gibt es bereits Scanner. Und letztlich dürfte es Wurscht sein von wo aus der Angriff herkommt denn es wird die Tätigkeit überwacht
GrinderFX 14.07.2016
3.
Ja die gibt es aber normalerweise kann man die nicht mehr entfernen und auch nur dann, wenn man das System an ein anderen Rechner oder Betriebssystem anschließt und mit dem anderen System nach dem Root-Kit sucht und dieses [...]
Zitat von frenchie3Zunächst mal wird das System sinnvollerweise die Tätigkeit untersagen und eine Abfrage starten, auf OK gehts weiter. Kann lästig sein aber ein kleiner Preis für die Sicherheit. Für Rootkits gibt es bereits Scanner. Und letztlich dürfte es Wurscht sein von wo aus der Angriff herkommt denn es wird die Tätigkeit überwacht
Ja die gibt es aber normalerweise kann man die nicht mehr entfernen und auch nur dann, wenn man das System an ein anderen Rechner oder Betriebssystem anschließt und mit dem anderen System nach dem Root-Kit sucht und dieses wieder entfernt. Das geht aber wie gesagt fast nie und wenn doch ist es zu gefährlich, da man nicht sicher sein kann wirklich alles gefunden zu haben. Mir kommt es so vor als würden sie nicht genau wissen wie ein Root-Kit funktioniert.
managerbraut 14.07.2016
4. Solcher Überwachungssoftware welche einzig auf
veränderte Dateiendungen anspringen werden Programmierer von Ransomware binnen Stunden ausgehbelt, wirkungslos, blind, damit nutzlos datehen lassen. Ransomeware Programmierer könnten ganz zu Beginn ihrer Routinen systemwichtige [...]
veränderte Dateiendungen anspringen werden Programmierer von Ransomware binnen Stunden ausgehbelt, wirkungslos, blind, damit nutzlos datehen lassen. Ransomeware Programmierer könnten ganz zu Beginn ihrer Routinen systemwichtige Dateien auswählen oder die ganze Partitiontabelle ändern, das Motherboard Bios mit angreifen und so, den ganzen Rechner total lahm legend außer Gefecht setzen! Die einzig wahre und sicherste Methode besteht darin sich von seinem System - Userdaten ein Backup anzufertigen und nach einer Ransomeware Attacke das System nicht mit irgendwelchen zweifelhaften Tools retten zu versuchen sondern sämtliche Partitionen zu löschen, neu einrichten und sein Backup zurückspielen. Nur, das garantiert ein neues, frisches, Ransomeware freies System mit allen Userdaten des letzten Backup. Von Vorteil wäre auch ein Zweitrechner der generell in keinem Netzwerk noch Internetzugang eingebunden ist und wichtige Software - Userdaten - Adressdaten - Passwörter usw. in verschlüsselte Dateien enthält. So, könnte man immer noch notdürftig mit einem Zweitcomputer weiter arbeiten, während man den Hauptrechner neu aufsetzt!

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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
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Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
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