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Montag, 11.02.2019   14:51 Uhr

Cyberkrieg

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von

zur Einweihung der neuen BND-Zentrale am vergangenen Freitag in Berlin kam selbstverständlich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihr Gastgeschenk: eine neue Aufgabe für den Bundesnachrichtendienst. Er soll herausfinden, ob der Schauspieler Morgan Freeman wirklich tot ist.

So jedenfalls verstehe ich folgende Passage aus Merkels Redemanuskript:

Eine der erfolgreichsten Falschmeldungen der letzten Jahre lautete: "Legendärer Schauspieler Morgan Freeman gestorben." Diese Falschmeldung ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr sich das Internet für die schnelle Verbreitung von Informationen eignet […] Welche Information stimmt? Was wurde manipuliert? Wohinter steckt gegebenenfalls die Propaganda einer staatlichen Organisation? Dies zu klären, ist eine der besonderen Herausforderungen, in der für mich auch ein Kern der zukünftigen Arbeit des BND liegt.

Das Beispiel war etwas unglücklich gewählt, denn Merkel ging es eigentlich um die "sogenannten Fake News als Teil einer hybriden Kriegsführung" und damit um "eine der entscheidenden Weichenstellungen für die zukünftige Sicherheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland". Da den BND zu Hilfe zu rufen, ist zumindest nachvollziehbar. Der Freeman-Hoax hingegen war zwar eine gezielt in Umlauf gebrachte Falschnachricht, hatte mit Kriegsführung aber nichts zu tun. Es ging vielmehr um Aufmerksamkeit für eine Website, die in ihre frei erfundenen Meldungen bezahlte Inhalte einbettet und damit Geld verdient.

AP

Morgan Freeman

Die Kanzlerin ist natürlich nicht die einzige, die an dieser Stelle präziser unterscheiden könnte. Wir Medien sind leider nicht besser. In einem am heutigen Montag veröffentlichten Gastbeitrag in der "Financial Times" zum Beispiel spricht BBC-Generaldirektor Tony Hall von "Fake News" mit "tödlichen Effekten" und stellt dabei politisch und ökonomisch motivierte Falschmeldungen, Gerüchte auf WhatsApp und DeepFake-Videos in eine Reihe.

Der ehemalige Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos hat das Problem so diagnostiziert: "Nach mehr als zwei Jahren vermischen manche noch immer verschiedene Sachverhalte unter dem Begriff Fake News" - seien es die Lügen gewisser Politiker und deren mediale Wiedergabe, digitale staatliche Propaganda, finanziell motivierte Falschnachrichten, die Veröffentlichung gehackter Daten oder die Berichterstattung extrem parteiischer Medien.

Ich fürchte, auch Fake News in Anführungszeichen oder ein vorangestelltes "sogenannte" ändert wenig daran, dass der Begriff für eine sachliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ausprägungen von Falsch- und Desinformation nicht taugt. Zumal er längst instrumentalisiert worden ist von denen, die es mit sachlicher Auseinandersetzung eh nicht so haben. Ich plädiere deshalb dafür, ihn komplett zu vermeiden.

Um den BND zu entlasten und etwas für mein Land zu tun, habe ich übrigens eine Website eingerichtet. Sie heißt Ist Morgan Freeman tot?.

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Seltsame Digitalwelt: Für mich bitte nur Cyber

Seit ich für die Münchner Sicherheitskonferenz am kommenden Wochenende akkreditiert bin, bekomme ich Interviewangebote und Einladungen zu Nebenveranstaltungen geschickt, die rein gar nichts mit meinem Fachgebiet zu tun haben. Keine Ahnung, welches Einverständnis-Häkchen ich während der aufwendigen Registrierung unabsichtlich gesetzt habe. Ich könnte nun jedenfalls mit Georgiens Premierminister sprechen, oder mir angeblich "sehr interessante" Daten zum globalen Rüstungsmarkt ansehen. Dass ich in den 18 Jahren meines bisherigen Journalistendaseins kein einziges Mal über Georgien oder die Rüstungsindustrie berichtet habe, scheint niemanden zu interessieren. Also antworte ich einfach allen mit "Thank you, but I'm only there for the cyber".

Aber ich denke darüber nach, das nächste Gesprächsangebot eines Regierungsmitglieds einfach anzunehmen und dann ein Interview zum Thema Bluetooth-Kopfhörer zu führen.


App der Woche: "G30 - A Memory Maze"
getestet von Tobias Kirchner

Ivan Kovalov

"G30 - A Memory Maze" ist ein Denkspiel mit besonderer Geschichte. Im Mittelpunkt steht eine Person mit einer kognitiven Störung. Die einzelnen Perspektiv- und Logikrätsel, die dem Spieler gestellt werden, sind jeweils ein Teil der Erinnerungen des Protagonisten. Durch die Story im Hintergrund sorgt das Spiel dafür, dass man die Rätsel nicht einfach abarbeitet, sondern sich Gedanken über ihre Bedeutung macht und wie sie in die Erinnerungen der Person passen.

Für 3,99 Euro (Android) oder für 4,49 (iOS), von Ivan Kovalov: iOS, Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine cyberhafte Woche,

Patrick Beuth

insgesamt 1 Beitrag
mannheim1978 11.02.2019
1. Abend,
Etwas weg vom Thema, aber auch passend zum Thema Cyber insgesammt, ich denke, daß digitale Avatare auf Youtube eingesetzt werden können, die über Kameras und Mikrofonen im Monitor den Nutzer individuell kontaktieren und [...]
Etwas weg vom Thema, aber auch passend zum Thema Cyber insgesammt, ich denke, daß digitale Avatare auf Youtube eingesetzt werden können, die über Kameras und Mikrofonen im Monitor den Nutzer individuell kontaktieren und analysieren können, über die Erkennung von Mimik und Gestik. Zum Artikel, also hab ich noch eine Chance, ein neues Album von Michael Jackson zu bekommen, falls er doch nicht tod ist, oder was???
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