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Netzwelt

Sechs wichtige Tipps

So schützen Sie sich vor Erpressungstrojanern

Wird ein Computer von einer Schadsoftware verschlüsselt, sind oft alle Daten verloren. "c't"-Redakteur Dennis Schirrmacher erklärt, was man tun kann, damit es nicht so weit kommt.

B. TONGO/ EPA/ REX/ Shutterstock

Ransomware "WannaCry"

Montag, 02.07.2018   10:56 Uhr

Krypto-Miner statt Ransomware?

Ein Freund meinte zu mir, dass es kaum noch Verschlüsselungstrojaner gebe und man sich nun vor Krypto-Minern in Acht nehmen müsse, die heimlich Ether & Co. auf Computern von Opfern schürften. Muss ich nun keine Angst mehr vor Erpressungstrojanern haben?

Doch, das sollten Sie durchaus. Zwar sind Krypto-Miner momentan klar auf dem Vormarsch und verdrängen Ransomware in der Summe, es sind aber konstant Erpressungstrojaner im Umlauf, die Daten von Opfern verschlüsseln und Lösegeld einfordern. Das Geschäft ist immer noch lukrativ. Derzeit liegt der Fokus der Erpresser auf Firmen. Dort kann man mehr Lösegeld fordern. Aber auch Privatpersonen sind immer noch bedroht.


Windows absichern

Ich nutze Windows 10 und habe einen Anti-Viren-Scanner installiert. Bin ich so ausreichend gegen Ransomware geschützt?

Nein. Ein AV-Scanner bietet keinen allumfassenden Schutz gegen Ransomware und andere Trojaner. Problematisch ist, dass Schädlinge oft so neu sind, dass sie der Scanner noch nicht erkennt. Einige AV-Anwendungen verfügen mittlerweile über spezielle Schutzmechanismen gegen Verschlüsselungstrojaner. Ein Ansatz ist beispielsweise, den Computer auf typische Verhaltensweisen beim Verschlüsseln von vielen Dateien zu überwachen und dazwischenzugrätschen.

Windows 10 verfügt zudem über einen überwachten Ordnerzugriff, den man aber explizit im Security Center von Windows aktivieren muss. Der Schutz funktioniert jedoch nur, wenn Microsofts AV-Lösung Windows Defender aktiv ist. Standardordner wie Dokumente und Bilder sind damit dann geschützt. In den Einstellungen fügt man weitere Ordner hinzu.

Mit aktiviertem Schutz kann ein Erpressungstrojaner Dateien in den ausgewählten Ordnern nicht mehr verändern und ist ausgesperrt. Wer noch weiter gehen möchte, kann das Betriebssystem komplett verrammeln. Das funktioniert über die Software Restriction Policies (SRP) von Windows. Diese kann man so konfigurieren, dass das System standardmäßig alle ausführbaren Dateien außerhalb der Windows-System-Ordner blockiert. Das verbietet einem Erpressungstrojaner bereits den Start, sodass dieser keinen Schaden anrichten kann. Damit Sie SRP bequem konfigurieren können, gibt es das kostenlose c't-Tool "Restric'tor".

Außerdem sollten Sie sicherstellen, dass stets aktuelle Sicherheitsupdates für Windows und Ihre weiteren Anwendungen installiert sind.

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Der tatsächliche Dateityp kann vom Vorschaubild abweichen

Empfehlenswert ist es auch, Windows so einzustellen, dass es die Dateinamenerweiterungen anzeigt. Andernfalls könnte Ihnen ein Angreifer eine als PDF-Dokument getarnte EXE-Datei unterjubeln. Öffnen Sie das vermeintliche Dokument, wird direkt Schadcode ausgeführt. Die Ansicht passen Sie in Windows 10 in einem Ordner unter Ansicht/Ein-/Ausblenden/Dateinamenerweiterungen an.

Fernab aller Schutzlösungen sollten sie unbedingt regelmäßig ein Back-up anfertigen. Damit gewappnet können Sie einer Ransomware-Infektion gelassen begegnen und Ihre Daten einfach wiederherstellen.


Allheilmittel Back-up

Ich kopiere einmal pro Woche meine wichtigsten Daten auf eine externe Festplatte, die immer am Computer angeschlossen ist. Wenn ich mir einen Erpressungstrojaner einfange, sind die Daten auf einer externen Festplatte doch sicher, oder?

Richtig gemacht ist ein Back-up in der Regel die effektivste Rettung. Aber Ransomware hat es nicht nur auf interne Festplatten abgesehen, sondern nimmt sich auch extern angeschlossene Datenspeicher und Netzwerkfestplatten (NAS) vor. Wenn eine externe Festplatte zum Sichern stets an einen Computer angeschlossen ist, hilft ein Back-up jedoch wenig, da Erpressungstrojaner es ebenfalls verschlüsseln. Hier steht, wie man Back-ups richtig macht. Neben trojanersicheren Back-up-Zielen zeigt der Artikel auch verschiedene Tools wie Duplicati auf, um System-Sicherungen bequem automatisiert ablaufen zu lassen. Sollten Sie noch kein Back-up haben, fangen Sie jetzt damit an!

Gefunden in c't

Infektionswege

Wie fängt man sich eigentlich einen Erpressungstrojaner ein?

In der Regel verbreiten Kriminelle Ransomware über E-Mails mit einem manipulierten Dateianhang. Oft handelt es sich dabei um vermeintliche Rechnungsmails mit einem Word-Dokument im Gepäck. Mit dem alleinigen Empfang der Mail passiert erst mal nichts. Das Opfer muss das Dokument öffnen und anschließend die Makros darin ausführen. Erst dann kommt der Schädling auf den Computer und beginnt mit der Verschlüsselung.

Man sollte also niemals unüberlegt Dateianhänge von E-Mails öffnen - selbst dann nicht, wenn der Absender bekannt ist. Schließlich ist dieser fälschbar. Um auf Nummer sicher zu gehen, kann man Dokumente kostenlos beim Online-Analysedienst "VirusTotal" hochladen und von rund 60 Virenscannern begutachten lassen.

In Einzelfällen schleichen sich Erpressungstrojaner über Sicherheitslücken ins System. Das war beispielsweise bei WannaCry der Fall. Selten sind auch Drive-by-Downloads, bei denen der Schädling auf einer Webseite lauert und Sicherheitslücken in Browsern und Programmen ausnutzt. Für eine Infektion auf diesem Weg reicht der Besuch einer präparierten Seite aus.

Makros in MS-Office zähmen

Ich habe gehört, dass die meisten Erpressungstrojaner Computer über mit Makros ausgestattete Word-Dokumente infizieren. Ich nutze Microsoft Office. Wie kann ich mich schützen?

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Deaktivierte Makros in Microsoft Word

Makros sind eine Abfolge von Befehlen, um beispielsweise Layoutaufgaben zu automatisieren. Malware-Autoren nutzen sie wiederum, um Schädlinge als Download auf Computer zu holen. In der Standardeinstellung sind Makros in Microsoft Office bereits deaktiviert. Öffnet man ein entsprechendes Dokument, taucht eine Warnung auf, ob man die Makros zulassen will. Oft steht in den Dokumenten von Betrügern verfasster Text, der Opfer dazu bringen soll. Erst danach schlägt Ransomware zu.

Die Makro-Einstellungen findet man in etwa Office 2016 unter Datei/Optionen/TrustCenter/Einstellungen für das Trust Center/Makroeinstellungen. Admins in Unternehmen können die Makro-Verwaltung unter Windows bequem über eine Gruppenrichtlinie realisieren.

LibreOffice und OpenOffice beherrschen zwar auch Makros, handhaben diese aber anders als MS-Office. Nach jetzigem Kenntnisstand sind LibreOffice- und OpenOffice-Nutzer von MS-Office-Makros nicht bedroht.

Hilfe danach

Meinen Computer hat es erwischt und ein Großteil meiner Dateien sind verschlüsselt. Was kann ich nun tun? Soll ich das Lösegeld zahlen?

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Analysedienst "ID-Ransomware"

Wenn Sie ein Back-up haben, setzen Sie Windows einfach auf einen Zeitpunkt vor der Infektion zurück. Haben Sie keines, schwinden die Chancen deutlich, dass Sie jemals wieder Zugriff auf Ihre Daten bekommen. Aber vielleicht gibt es ja bereits eine Möglichkeit, die Daten zu entschlüsseln.

Dazu müssen Sie erst mal prüfen, welcher Erpressungstrojaner auf Ihrem Computer zugeschlagen hat. Das ist oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Um das herauszufinden, laden Sie eine der verschlüsselten Dateien zum kostenlosen Analysedienst "ID-Ransomware" hoch. Der Service erkennt fast 600 Verschlüsselungstrojaner und neben dem Namen steht im Ergebnis auch, ob es bereits ein Gratis-Entschlüsselungstool gibt.

Ist das nicht der Fall, sinken die Chancen abermals drastisch, dass Sie Ihre Daten wieder öffnen können. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie vom infizierten System eine 1:1-Kopie anfertigen, damit Ihre Daten noch vorhanden sind, wenn im Zuge der verschiedenen Rettungsversuche etwas kaputtgeht.

Als letzten Rettungsanker können Sie versuchen, mit Forensiktools wie "PhotoRec" Zugriff auf unverschlüsselte Versionen zu bekommen oder diese mit "ShadowExplorer" in den sogenannten Schattenkopien von Windows zu suchen.

Doch machen Sie sich nicht allzu viele Hoffnungen: Über diese Wege gelingt es nur selten, wieder auf unverschlüsselte Originaldateien zuzugreifen. Wenn gar nichts mehr geht, sichern Sie die verschlüsselten Daten auf einer Festplatte, legen diese in einen Schrank und hoffen auf die baldige Veröffentlichung eines Entschlüsselungstools.

Wer über eine Zahlung des Lösegelds nachdenkt, darf nicht vergessen, dass das keine Garantie dafür ist, den Schlüssel für die Daten zu bekommen. Das kann, muss aber nicht klappen, wie Berichte von Lesern zeigen.

insgesamt 30 Beiträge
uli_san 02.07.2018
1. Ich habe alle wichtigen...
...und auch unwichtigen Daten auf einer Cloud. Sind sie da sicher oder kann die Schadsoftware auch darauf zugreifen? Die Cloud spiegelt ja eigentlich nur meine Arbeit am PC. Wenn ein Trojaner auf meinem PC Dateien verschlüsselt, [...]
...und auch unwichtigen Daten auf einer Cloud. Sind sie da sicher oder kann die Schadsoftware auch darauf zugreifen? Die Cloud spiegelt ja eigentlich nur meine Arbeit am PC. Wenn ein Trojaner auf meinem PC Dateien verschlüsselt, sind sie danach automatisch in der Cloud auch verschlüsselt? Als Backup nutze ich den Server meines Providers (Netcup). Die Synchronisation mache ich einmal wöchentlich manuell. Wie sieht es damit aus?
pleromax 02.07.2018
2. Falscher Link?
Der Link unter "Hier steht, wie man Back-ups richtig macht." führt (wie schon der vorige) nur auf die Seite mit dem c't-Tool "Restric'tor". Bitte korrigieren!
Der Link unter "Hier steht, wie man Back-ups richtig macht." führt (wie schon der vorige) nur auf die Seite mit dem c't-Tool "Restric'tor". Bitte korrigieren!
spon_2999637 02.07.2018
3. Kommt darauf an....
Kommt darauf an, wie die Synchronisation lokaler Daten mit der Cloud erfolgt. Wenn das nur auf manuelles Eingreifen hin geschieht, sollten die Daten der Cloud unangetastet bleiben. Bei (typischerweise weil bequemer) [...]
Zitat von uli_san...und auch unwichtigen Daten auf einer Cloud. Sind sie da sicher oder kann die Schadsoftware auch darauf zugreifen? Die Cloud spiegelt ja eigentlich nur meine Arbeit am PC. Wenn ein Trojaner auf meinem PC Dateien verschlüsselt, sind sie danach automatisch in der Cloud auch verschlüsselt? Als Backup nutze ich den Server meines Providers (Netcup). Die Synchronisation mache ich einmal wöchentlich manuell. Wie sieht es damit aus?
Kommt darauf an, wie die Synchronisation lokaler Daten mit der Cloud erfolgt. Wenn das nur auf manuelles Eingreifen hin geschieht, sollten die Daten der Cloud unangetastet bleiben. Bei (typischerweise weil bequemer) automatischer Synchronisation wird die neue (verschlüsselte) Version einer Datei dann eben die veraltete (unverschlüsselte) Version der Datei in der Cloud überschreiben. Das ist wie mit lokalen Backup-Medien. Hängt man die USB-Platte für das Backup nur alle 1-2 Wochen an den Rechner, so ist das Risiko des Mitverschlüsselns natürlich sehr viel geringer, als wenn die Platte dauerhaft am Rechner angeschlossen ist. Der Hinweis auf richtige Backups wurde ja verlinkt - im Prinzip kann man zusammenfassen, dass Backups erstmal immer helfen (nicht nur vor Verschlüsslern), dass zweitens alternierende Backupmedien helfen (dann wird nämlich ggf. nur eine der 2-3 Backupplatten verschlüsselt oder geht sonstwie kaputt) und dass read-only-Backups (eher ein Archiv als ein Backup) grundsätzlich mal gar nicht betroffen sind. Insgesamt kollidieren hier wieder Bequemlichkeit und Sicherheit. Backups machen Arbeit - gute Backups machen mehr Arbeit (entweder bei der Einrichtung oder bei der Organisation - auf alle Fälle aber beim Test, ob ein Backup auch im Ernstfall funktioniert... Ein Backup ohne Restore ist Platz- und Zeitverschwendung).
ar_wo 02.07.2018
4. Und wenn ich einen Mac ohne Word benutze ?!?
Funktionieren diese Verschlüsselungs-Trojaner da überhaupt ?!? (Abgesehen davon dass ich keine verdächtigen Anhänge öffne.)
Funktionieren diese Verschlüsselungs-Trojaner da überhaupt ?!? (Abgesehen davon dass ich keine verdächtigen Anhänge öffne.)
cpt.z 02.07.2018
5. ...und Mac?
Jetzt haben wir ja in vielen Unterpunkten Windows Rechner durchgekaut. Aber wie sieht's denn bei MacOS aus? Ich dachte die viel gerühmte Virenfreiheit ist inzwischen auch da Geschichte... Oder etwa doch nicht?
Jetzt haben wir ja in vielen Unterpunkten Windows Rechner durchgekaut. Aber wie sieht's denn bei MacOS aus? Ich dachte die viel gerühmte Virenfreiheit ist inzwischen auch da Geschichte... Oder etwa doch nicht?

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Schad- und Spähsoftware

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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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