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Netzwelt

Britischer Geheimdienst

GCHQ verrät Standort mitten in London - nach 66 Jahren

Kaffee und Fish and Chips gab es gleich nebenan: Der britische Geheimdienst saß jahrzehntelang in einem unscheinbaren Bau in der Londoner Innenstadt. Wo genau, hat der GCHQ jetzt öffentlich gemacht.

Henry Nicholls/ REUTERS

Ehemaliges GCHQ-Gebäude in London

Freitag, 05.04.2019   14:35 Uhr

Der GCHQ hatte seit 1953 eine geheime Basis mitten in London. Wie Jeremy Fleming, der Direktor des britischen Geheimdienstes, nun offiziell bekannt gab, residierte die Behörde 66 Jahre lang in der Palmer Street, einer kleinen Straße im Regierungsviertel Westminster. Das unscheinbare Gebäude ohne Firmenschild liegt zwischen einer Starbucks-Filiale und einem Pub namens "Adam & Eve".

Vom GCHQ heißt es, der Sitz in der Palmer Street habe im Laufe der Jahre bei wichtigen Ereignissen eine Rolle gespielt. Als Beispiel werden die Olympischen Spiele 2012 in London erwähnt.

Henry Nicholls/ REUTERS

Gebäude in der Palmer Street

Mittlerweile ist das Gebäude aber kein Geheimdienst-Standort mehr. Der GCHQ ist ausgezogen, heißt es, wolle aber auch künftig in London präsent sein. Wo genau, ist unbekannt. Ebenso unklar ist bislang, wer künftig die neuen Nachbarn von Starbucks und dem "Adam & Eve"-Pub sind.

Per Google-Street-View lässt sich der bisherige GCHQ-Standort von außen erkunden. Die Street-View-Aufnahme stammt von 2008, also aus einer Zeit, in der der Geheimdienst noch in dem Gebäude beherbergt war.

Wie geheim der Standort in der Palmer Street wirklich war, hängt wohl stark davon ab, mit wem man darüber spricht. Die BBC jedenfalls berichtet von Anwohnern, die sagen, der Zweck des Gebäudes sei vor Ort ein offenes Geheimnis gewesen. Eine Bardame aus dem Pub etwa soll auf die Frage, was das Gebäude nebenan sei, mit "Es ist M... MI6?" geantwortet haben. Damit lag sie nur knapp daneben: Der MI6 ist ebenfalls ein britischer Geheimdienst - der, für den im Film James Bond arbeitet.

Erinnerungen an Manhattan

Dass Geheimdienste in Großstädten verdeckt ihre Arbeit verrichten, kommt vor. So gibt es beispielsweise viele Indizien dafür, dass auch das Long Lines Building, ein fensterloser und unbeleuchteter Wolkenkratzer mitten in Manhattan, eine Abhörstation der NSA ist oder zumindest lange Zeit eine war.

Unweit der Londoner Palmer Street, in der Nähe des Bahnhofs London Victoria, hat seit 2017 auch eine Tochterorganisation des GCHQ ihren Sitz, das National Cyber Security Centre (NCSC) - allerdings ohne Geheimhaltung.

Außer in London ist der GCHQ offiziell in Cornwall, Scarborough, Lincolnshire und Harrogate vertreten, in Manchester entsteht derzeit eine weitere Außenstelle. Seinen optisch an einen Donut erinnernden Hauptsitz hat der Geheimdienst in Cheltenham im Südwesten Englands.

Getty Images

GCHQ-Hauptquartier in Cheltenham

Der GCHQ zählt zu den technisch versiertesten Geheimdiensten weltweit. Als eng vernetzt gilt der GCHQ unter anderem mit der amerikanischen NSA.

Im Zuge der Snowden-Dokumente waren einige GCHQ-Operationen öffentlich geworden. So hatte sich der GCHQ etwa durch das Anzapfen von transatlantischen Internetkabeln heimlich Zugang zu riesigen Mengen von E-Mails und anderen Daten verschafft. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg war 2018 zu dem Urteil gekommen, dass das britische System zur massenhaften Internetüberwachung in Teilen die Menschenrechte von Internetnutzern verletzt hat.

mbö/Reuters

insgesamt 18 Beiträge
Jöel L. 05.04.2019
1.
Wo diese Leute residieren ist mir ziemlich egal. Was sie dort treiben, kümmert mich bedeutend mehr.
Wo diese Leute residieren ist mir ziemlich egal. Was sie dort treiben, kümmert mich bedeutend mehr.
tailspin 05.04.2019
2. Die Briten koennen demnaechst auf dem Bauch landen
Aber fuer diesen Mist haben sie immer Geld. Es nutzt ja auch nicht den Buergern, sondern es ist ein Herrschafts- und Unterdrueckungsinstrument. Da sieht man, wo die Prioritaeten liegen.
Aber fuer diesen Mist haben sie immer Geld. Es nutzt ja auch nicht den Buergern, sondern es ist ein Herrschafts- und Unterdrueckungsinstrument. Da sieht man, wo die Prioritaeten liegen.
taglöhner 05.04.2019
3. Reden wir drüber
Das verwechseln Sie vielleicht mit touristischen Freunden inzwischen weltberühmter britischer Kathedralen, hehe. Oder haben Sie einen Fall eines durch seinen Geheimdienst unterdrückten Briten anzubieten?
Zitat von tailspinAber fuer diesen Mist haben sie immer Geld. Es nutzt ja auch nicht den Buergern, sondern es ist ein Herrschafts- und Unterdrueckungsinstrument. Da sieht man, wo die Prioritaeten liegen.
Das verwechseln Sie vielleicht mit touristischen Freunden inzwischen weltberühmter britischer Kathedralen, hehe. Oder haben Sie einen Fall eines durch seinen Geheimdienst unterdrückten Briten anzubieten?
permissiveactionlink 05.04.2019
4. #3, taglöhner
Unterdrückt ? Nein. Aber vielleicht verraten, fallen gelassen, für entbehrlich erklärt. Das geschah sogar bei einem ehemaligen homosexuellen Mitarbeiter des GCHQ, vormals GS&GS, der im zweiten Weltkrieg wichtige Erfolge [...]
Unterdrückt ? Nein. Aber vielleicht verraten, fallen gelassen, für entbehrlich erklärt. Das geschah sogar bei einem ehemaligen homosexuellen Mitarbeiter des GCHQ, vormals GS&GS, der im zweiten Weltkrieg wichtige Erfolge gegen die verschlüsselte deutsche Kommunikation erzielen konnte und seinem Land großartige Dienste geleistet hatte. Als man ihn wegen einer sexuellen Eskapade zur chemischen Kastration verurteilte, tat das GCHQ nichts, aber auch gar nichts für seinen ehemaligen Top-Mitarbeiter und dessen Rehabilitierung. Wahrlich kein Ruhmesblatt für den GCHQ und Großbritannien ! Das Opfer, der Erfinder aller wesentliche Zusammenhänge und Berechnungsprozesse in modernen Computern, wählte einen vergifteten Apfel für seinen Freitod. Die Firma Apple machte daraus ihr Firmensymbol. Der Name des brillianten Mathematikers : Alan Turing.
modemhamster 05.04.2019
5. @taglöhner
Meinen Sie sowas https://www.theguardian.com/uk/2013/jan/11/uk-border-agency-rejects-force OK, das ist "Undercover Police", und nicht direkt Geheimdienst. Die fallen eher mit sowas [...]
Meinen Sie sowas https://www.theguardian.com/uk/2013/jan/11/uk-border-agency-rejects-force OK, das ist "Undercover Police", und nicht direkt Geheimdienst. Die fallen eher mit sowas https://www.theguardian.com/uk-news/2018/sep/13/gchq-data-collection-violated-human-rights-strasbourg-court-rules und sowas http://www.theinquirer.net/inquirer/news/2460891/snoopers-charter-independent-reviewer-worked-at-gchq Das hier war eher witzig: http://www.bbc.com/news/uk-england-gloucestershire-35174646 und das hier fällt nicht direkt unter "Unterdrückung" im engeren Sinne http://www.theguardian.com/world/2015/oct/14/gchq-monitor-communications-mps-peers-tribunal-wilson-doctrine Und das hier ist auch nur Einschüchterung, aber nicht Unterdrückung: https://theintercept.com/2014/02/18/snowden-docs-reveal-covert-surveillance-and-pressure-tactics-aimed-at-wikileaks-and-its-supporters/ Reden wir weiter?

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