Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt
Montag, 12.11.2018   17:12 Uhr

"Red Dead Redemption II"

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von

waren Sie eigentlich auch schon in den Saloons von Valentine und Saint Denis? Wenn ich mich hier im Büro umhöre, sind die meisten spieleaffinen Kollegen gerade fast jeden Abend im virtuellen Westen, in Rockstars kürzlich erschienenem Epos "Red Dead Redemption II" unterwegs. Manche halten das Spiel für ein Meisterwerk, andere finden, dass es ein interessantes und vor allem wahnsinnig atmosphärisches Spiel ist, aber nicht unbedingt ein Meilenstein.

SPIEGEL ONLINE

Angeschossenes Tier in "Red Dead Redemption 2"

Fest steht dagegen: "Red Dead Redemption II" stellt eine Sache, die auch in vielen anderen Open-World-Games vorkommt, realistischer dar als viele Konkurrenztitel: das Töten von Tieren. "Ist das Jagen zu brutal?", fragte kürzlich beispielsweise das Magazin "PC Games". Auch ich finde die digitale Jagd in diesem Fall spielerisch interessant und grausam zugleich - Spaß macht sie mir so wenig. Angeschossene Tiere leiden sichtlich und wer ihnen das Fell abziehen will, sieht diesen Vorgang stets in einer nicht abbrechbaren, gar nicht so kurzen Animation (hier sehen Sie, wie sie bei einem Hasen aussieht, hier finden Sie das Beispiel eines Rehs).

SPIEGEL ONLINE

Fell-Abziehen in "Red Dead Redemption II"

Wird das Thema online in einem Artikel oder Forenpost angesprochen, wird dabei fast immer Peta erwähnt, nach dem Motto: Was würden die dazu sagen? Die Tierrechtsorganisation hatte sich schließlich in der Vergangenheit mehrfach über virtuelle Gewalt gegen Tiere beschwert, wie diese Fotostrecke dokumentiert.

Fotostrecke

Peta versus Videospiele: Immer dasselbe Spiel

Petas Empörung über große Games ist natürlich wohlkalkuliert und gute Eigen-PR, wie ich hier mal aufgeschrieben habe, zu "Red Dead Redemption II" jedoch hatte sich die Organisation bislang nicht geäußert. Deshalb bat ich um eine Stellungnahme - aus ehrlichem Interesse, im Wissen, dass die explizite Darstellung des Tierleids durchaus schon Spieler dazu gebracht hat, in "Red Dead Redemption II" so gut es geht aufs Jagen zu verzichten.

Peter Höffken von Peta Deutschland antwortete mir, seine Organisation habe "von Unterstützern und Videospielern zahlreiche Meldungen über die vergleichsweise real dargestellten Grausamkeiten an Tieren" im Spiel erhalten.

"Nach unserer Auffassung sollten Spielefirmen davon absehen, virtuelle Jagd-, Angel- und Tötungsszenen in ihre Spiele einzubauen, denn die Grausamkeiten an Tieren werden dadurch banalisiert", schreibt er weiter. "Unterschwellig und subtil wird in 'Red Dead Redemption 2' das Jagen und Angeln, das nach unserer Auffassung aus Tierschutzgründen verboten werden sollte, als etwas 'Notwendiges' legitimiert - eine aus Tierschutzsicht katastrophale Botschaft."

Fotostrecke

Wild-West-Epos: Das ist "Red Dead Redemption II"

Ausschließlich kritisch äußert sich Höffken aber nicht: "Bemerkenswert ist aber, dass das Spiel auch positive Tierschutzaspekte beinhaltet, etwa wenn man Hunde quält", heißt es. "Dann kann es passieren, dass die virtuellen Dorfbewohner auf den Spieler losgehen." Dann stellt Höffken aber noch klar: "Dies macht das Spiel für uns dennoch nicht empfehlenswert."


Sie mögen Netzwelt-Themen? Dann abonnieren Sie Beiträge wie diesen hier. Der Newsletter Startmenü ist kostenlos und landet jeden Montagnachmittag in Ihrem Postfach.

Seltsame Digitalwelt: Magische Technik mit trivialen Problemen

Eine Last-Minute-Blindbuchung verschlug mich neulich in ein Berliner Hotel, in dem mich eine "Magic"-Fernbedienung von LG neugierig machte. Sie hatte kaum Tasten, bot laut Anleitung aber zum Beispiel eine Art Mauszeiger für den Bildschirm. Die Zukunft des Hotelfernsehens, dachte ich kurz, zumal auf einer Taste auch noch "3D" stand.

SPIEGEL ONLINE

"Magic"-Fernbedienung im Hotel

Eine Viertelstunde später war ich nur noch genervt: Bis auf An und Aus und die Lautstärke-Regelung schien nichts zu funktionieren, erst recht nicht der Mauszeiger. Als ich das Hotel abends verließ, fragte ich an der Rezeption nach, ob das normal sei. Vielleicht sei die Batterie leer, antwortete man mir, man werde sich darum kümmern.

Als ich später wieder im Zimmer war, hatte sich jemand des Problems angenommen: Der Fernseher lief bereits und tatsächlich war nun ein Zeiger da. Und bei der 3D-Taste kam immerhin der Hinweis, dass mein Fernseher diese Funktion nicht unterstütze. Dafür gab es nun ein neues Problem: Ich konnte die Lautstärke nicht mehr einstellen. Es dauerte letztlich noch einen Neustart, dann konnte ich zumindest normal fernsehen.


App der Woche: "Teslagrad"
getestet von Tobias Kirchner

Playdigious

"Teslagrad" kombiniert klassische Videospiel-Elemente mit einer modernen, handgezeichneten Optik und einer innovativen Spielidee. Wie der Name vermuten lässt, spielt in dem Abenteuer eines kleinen Jungen die Physik eine große Rolle. Mit einer Waffe, die für magnetische Anziehungskraft sorgt, warten auf ihn im alten verlassenen Teslaturm verschiedene Rätsel und Aufgaben. Außerdem gibt es Bosskämpfe.

"Teslagrad" ist ein umfangreiches Spiel, das für viele Stunden unterhält und bereits auf PC sowie Konsolen erfolgreich war. Die Umsetzung für das Smartphone hat nur wenige technische Einschränkungen und lässt sich einwandfrei steuern.

Für 5,49 Euro (iOS) oder 6,99 Euro (Android) von Playdigious, ohne In-App-Käufe.


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Markus Böhm

insgesamt 33 Beiträge
msvfagottfan 12.11.2018
1.
Stellt eine realistische Jagd im Videospiel, die einen das Leiden der virtuellen Tiere mitansehen lässt, nicht eher sensibiliert für das Thema zurück? Jagen und Fischen als essentieller Part einer alten Wild West Welt führen [...]
Stellt eine realistische Jagd im Videospiel, die einen das Leiden der virtuellen Tiere mitansehen lässt, nicht eher sensibiliert für das Thema zurück? Jagen und Fischen als essentieller Part einer alten Wild West Welt führen lange nicht dazu, dass man dies banalisiert oder im realen Leben für Gut heißen würde. PETA kann sinnvollere Dinge machen, als den Spott der Gamer auf sich zu ziehen.
darksystem 12.11.2018
2.
Der Artikel sagt es doch schon selbst: Viele Spieler verzichten so gut es geht auf das Jagen, wegen seiner "realistischen" Darstellung. D.h. es tritt exakt ein sensibilisierender Effekt ein und kein banalisierender. [...]
Der Artikel sagt es doch schon selbst: Viele Spieler verzichten so gut es geht auf das Jagen, wegen seiner "realistischen" Darstellung. D.h. es tritt exakt ein sensibilisierender Effekt ein und kein banalisierender. Also das genaue Gegenteil von dem was PETA sagt. Das hat nichts mehr mit rationalem Kampf gegen Tierquälerei zu tun sondern ist schlicht dem eigenem Image geschuldet.
rewerb 12.11.2018
3. Ernsthaft?
Habe mich gerade mal an meinem Getränk verschluckt. Kann das ernsthaft sein, dass sich ein paar Leute aufregen, weil die Jagd auf Pixel-Tiere zu realistisch dargestellt wird? Keine Frage, Tiere gehören geschützt, von mir aus [...]
Habe mich gerade mal an meinem Getränk verschluckt. Kann das ernsthaft sein, dass sich ein paar Leute aufregen, weil die Jagd auf Pixel-Tiere zu realistisch dargestellt wird? Keine Frage, Tiere gehören geschützt, von mir aus auch die digitale Version im Spiel. Allerdings wundere ich mich dann doch ein bißchen, dass die gleichen Leute dann anscheinend aber kein Problem damit haben auf die Pixel-Variante von Menschen zu schießen...
mmamops 12.11.2018
4. ^^
Dass im Spiel Gliedmaßen und sogar der Kopf der virtuellen Feinde zerschossen werden können scheint niemanden zu stören. Im Spiel werden möglichst effizientes Jagen (angemessene Waffen, möglichst wenig Tierleid) durch das [...]
Dass im Spiel Gliedmaßen und sogar der Kopf der virtuellen Feinde zerschossen werden können scheint niemanden zu stören. Im Spiel werden möglichst effizientes Jagen (angemessene Waffen, möglichst wenig Tierleid) durch das Ehre-System belohnt!
demiurg666 12.11.2018
5.
Zitat:"Nach unserer Auffassung sollten Spielefirmen davon absehen, virtuelle Jagd-, Angel- und Tötungsszenen in ihre Spiele einzubauen, denn die Grausamkeiten an Tieren werden dadurch banalisiert". Hätte er auch noch [...]
Zitat:"Nach unserer Auffassung sollten Spielefirmen davon absehen, virtuelle Jagd-, Angel- und Tötungsszenen in ihre Spiele einzubauen, denn die Grausamkeiten an Tieren werden dadurch banalisiert". Hätte er auch noch das Sammeln genannt hätte er die komplette menschliche Zivilisation in Frage gestellt.
Newsletter
Startmenü - der Netzwelt-Newsletter

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP