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Netzwelt

Videochat-Dienst von Microsoft

Auch manche Skype-Gespräche werden von Menschen ausgewertet

Nach Apple, Amazon und Google muss sich auch Microsoft wegen Auswertungen von Sprachaufnahmen rechtfertigen. Es geht um Skype-Anrufe, bei denen Nutzer eine praktische Übersetzungsfunktion aktivieren.

imago images/Joko

Skype gehört seit 2011 zu Microsoft und wird noch immer von vielen Menschen genutzt

Mittwoch, 07.08.2019   17:46 Uhr

Aufzeichnungen von Anrufen mit dem Microsoft-Dienst Skype, bei denen die automatische Übersetzungsfunktion genutzt wurde, können laut einem Medienbericht nachträglich auch von Mitarbeitern angehört werden. Dabei kann es auch um sehr private Themen gehen, wie die Website "Motherboard" am Mittwoch berichtete. Auf von einem Dienstleister weitergegebenen Mitschnitten hätten Skype-Nutzer zum Beispiel über Beziehungsprobleme oder Gewichtsverlust gesprochen, schreibt "Motherboard". Die erhaltenen Audiodateien sollen meist zwischen fünf und zehn Sekunden lang gewesen seien.

In den Skype-Nutzungsbedingungen wurde bisher nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Dritte Aufnahmen aus dem Kontext der Übersetzungsfunktion zu hören bekommen könnten - auch wenn einige Formulierungen dies angedeutet hatten. So heißt es, dass "Sätze und automatische Abschriften analysiert werden" und eventuelle Korrekturen ins System eingetragen würden. Skype betont auch, dass die Identität der Gesprächsteilnehmer dabei weggelassen werde. Nur Gespräche mit der Übersetzungsfunktion würden aufgezeichnet.

Der zu Microsoft gehörende Internettelefonie-Dienst bietet die automatische Übersetzung von Gesprächen fast in Echtzeit seit 2015 an. Inzwischen ist die Funktion für acht Sprachen verfügbar. "Skype Translator basiert auf einem maschinellen Lernprozess", heißt es auf einer Webseite zum Feature. "Das heißt: Je öfter Sie die Funktion nutzen, desto besser wird sie." Ein Link zu "Datenschutz bei Verwendung von Skype Translator" führte am Mittwoch zu einem Bereich, der nur für Microsoft-Mitarbeiter und -Partner zugänglich ist.

Auch Cortana-Mitschnitte werden offenbar angehört

In den vergangenen Monaten waren die Microsoft-Konkurrenten Amazon, Apple und Google massiv in die Kritik geraten, weil sie Nutzer nicht oder nicht eindeutig genug auf die Auswertungspraxis hingewiesen haben, die es in ähnlicher Form auch bei ihren Sprachassistenten Alexa, Siri und Google Assistant gibt oder gab. In allen Fällen dient die Praxis der Verbesserung der Software, zudem wird immer nur ein verhältnismäßig kleiner Teil aller Aufnahmen von Menschen nachgehört.

Derzeit setzen Google und Apple die Auswertung von Aufzeichnungen zur Optimierung ihrer Sprachassistenten aus. Amazon bietet Nutzern die Möglichkeit, einer solchen Verwendung von Mitschnitten zu widersprechen. Apple kündigte an, Nutzer künftig ausdrücklich um Zustimmung dazu zu bitten.

Microsoft erklärte in einer Stellungnahme an "Motherboard", man erhalte vor der Sammlung und Verwendung ihrer Daten eine Erlaubnis der Nutzer. Bevor Informationen an Dienstleister gehen, würden sie anonymisiert. Die Partner seien an strikte Vertraulichkeitsvorgaben gebunden.

Dem Informanten von "Motherboard" zufolge hören sich Dienstleister zum Teil auch Mitschnitte von Sprachbefehlen an Microsofts Assistenzsoftware Cortana an.

mbö/dpa

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