Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Missbrauch im Smart Home

Er hat das Passwort - und damit die Macht

Vernetzte Thermometer, Kameras, Lautsprecher: Ums Digitale kümmern sich bei Paaren oft die Männer - ein gefährliches Ungleichgewicht. Bei einer Trennung kann das zum Problem werden.

Getty Images

Wärmebild eines Hauses

Von
Sonntag, 12.05.2019   15:58 Uhr

Das alles sind Geschichten von Frauen, über die Erica Olsen zu berichten weiß. Olsen arbeitet in den USA beim "Nationalen Netzwerk zur Beendigung häuslicher Gewalt". Sie leitet bei der gemeinnützigen Organisation ein Projekt, das sich mit dem Missbrauch von Technik beschäftigt.

Denn alle drei Fälle haben etwas mit neuer Technik zu tun. Sie erzählen eine Geschichte davon, wie smarte, also internetfähige Geräte Einzug halten in unserem Zuhause - und später in Konfliktfällen so missbraucht werden, dass der Ort sich eben nicht mehr so anfühlt wie ein Zuhause.

Traumatisierender Kontrollverlust daheim

"Wenn jemand erzählt, dass bei ihm unfreiwillig die Musik angestellt wurde, klingt das nicht sonderlich furchteinflößend. Aber diese Form des Missbrauchs kann extrem traumatisierend sein", sagt Olsen.

Erica Olsen

"Es geht ums Zuhause, das ein privater, sicherer Rückzugsort sein soll. Und das ist es plötzlich nicht mehr." Opfer fühlten sich, als hätten sich die eigenen vier Wände gegen sie verschworen, berichtet Olsen über ihre Beratungsgespräche.

Genaue Zahlen zu dieser Form des Missbrauchs gibt es laut Olsen noch nicht. "Das Phänomen ist sehr neu und schwierig zu erfassen. Wenn ein Täter es darauf anlegt, nicht entdeckt zu werden, klappt das oft auch. Es gibt ein großes Dunkelfeld."

Olsen rechnet damit, dass es in den nächsten Jahren mehr solcher Fälle geben wird, nicht nur in den USA, wo Smart-Home-Geräte noch beliebter sind als in Deutschland. Aber auch hierzulande steigt die Zahl der Haushalte, die auf smarte Heizungen, smarte Lampen oder smarte Türschlösser setzen.

Oft gilt: Der Mann kontrolliert die Technik

"Der Missbrauch dieser Systeme wird zunehmen, je günstiger und einfacher bedienbar sie werden", schätzt Olsen. Weil genaue Zahlen, fehlen, ist es schwer, über Opfergruppen Auskunft zu geben. In den meisten Fällen zeigen sich aber alte Geschlechterrollen, beschreibt Olsen. Sie schätzt, dass überwiegend Frauen von dieser Form des Missbrauchs betroffen sind.

Der Mann kauft die Technik, installiert alles und holt sich die App aufs Handy. Viele Frauen wüssten laut Olsen oft nicht genau, wie das alle funktioniere. Im Konfliktfall sind sie so ein leichtes Opfer.

Ist die Lösung, smarte Technik zu verbannen?

"Auf gar keinen Fall", sagt Olsen. "Wir wollen, dass Überlebende von Missbrauch Technologie zur Verfügung haben. Wer sie kontrollieren kann, kann die Geräte auch zu seinem Vorteil einsetzen."

Ein Beispiel: Wenn ein Ex-Partner sich immer wieder unerlaubt Zugang zur Wohnung des Opfers verschafft hat, kann eine Kamera Sicherheit bieten.

"Die wichtigste Frage ist: Wer managt die Accounts?"

Das sind Olsens Tipps für Frauen - und natürlich auch Männer:

Auch die Hersteller von smarten Geräten sollten künftig dafür sorgen, dass ihre Technik nicht so leicht missbraucht werden kann, sagt Olsen. Oft sei es sehr schwierig, den Inhaber des Haupt-Accounts auszutauschen. Hackerangriffe von außen seien eine bekannte Gefahr. "Aber die Hersteller gehen davon aus, dass zumindest das eigene Zuhause ein sicherer Ort ist."

Bei häuslichem Missbrauch ist diese Annahme leider falsch. "Die Realität ist: Viele, gerade Frauen, sind nicht sicher in ihren Beziehungen", sagt Olsen. Für sie gilt: Sicherheit und Privatsphäre sind enger verknüpft als je zuvor.

Lesetipp zum Thema Stalking

insgesamt 38 Beiträge
w.diverso 12.05.2019
1. Das sind ja fast schon Geschichten
wie aus der großformatigen deutschen Tageszeitung. Den Router vom Netz trennen und damit das WLAN stilllegen kann doch auch die technisch unbeleckteste Frau. Oder mit ein bisschen Lesen oder der Hilfe von einer/einem Helfer die [...]
wie aus der großformatigen deutschen Tageszeitung. Den Router vom Netz trennen und damit das WLAN stilllegen kann doch auch die technisch unbeleckteste Frau. Oder mit ein bisschen Lesen oder der Hilfe von einer/einem Helfer die Passwörter ändern kann doch nicht so schwer sein. Außerdem managen in vielen Familien die Finanzen und daher auch oft die Anlagen, damit haben viele Frauen viel mehr Macht als solche beschriebenen Boshaftigkeiten. Davon abgesehen kommt mir vor, dass das Niveau der Artikel bei SPON doch etwas zu viel absinkt.
Vargk 12.05.2019
2. bester Tipp
All diese Fälle haben wohl einen gemeinsamen Nenner: Der Mann ist nicht freiwillig gegangen, sondern rausgeschmissen worden. Wenn er von sich aus gehen wollte, hätte er es ja nicht nötig, sich "rächen" zu wollen, da [...]
All diese Fälle haben wohl einen gemeinsamen Nenner: Der Mann ist nicht freiwillig gegangen, sondern rausgeschmissen worden. Wenn er von sich aus gehen wollte, hätte er es ja nicht nötig, sich "rächen" zu wollen, da er ja seinen Willen bekommen hat. Von daher mein Tipp an alle: Schmeißt einfach niemanden aus dem Haus, auf dessen Expertise ihr irgendwie angewiesen seid. Wenn euch elektronische Geräte gehören, dann richtet sie selber ein, das ist nicht schwer, mit der Bedienungsanleitung bekommt das jeder hin, der in der Grundschule lesen gelernt hat und oftmals haben die Hersteller (die übrigens keineswegs Nutzerwechsel erschweren) auch eine Videoanleitung im Internet veröffentlicht. Alle Geräte die euch nicht gehören sollten eh mit dem Partner gemeinsam die Wohnung verlassen, auch wenn man so einen teuren Gegenstand verliert, soll die andere Person doch sehen wohin damit. Generell gilt eh, dass jedes smarte Haushaltsgerät ein Risiko für Privatsphäre ist. Wenn nicht der Ex-Partner, so können auf jeden Fall die Hersteller des Geräts im Zweifelsfall alle Funktionen des Geräts zur Überwachung nutzen, dessen sollte sich jeder bewusst sein, der sich solche Geräte anschafft, aber auf Privatssphäre wert legt. Also es gilt: Über die Konsequenzen allen Handelns sollte besonnen nachgedacht sein und über alles in seiner Wohnung sollte ein selbstständiger Mensch eh Bescheid wissen.
Korken 12.05.2019
3. Erster Schritt
Da der meiste Smarthometraffic über den Router läuft, diesen resetten (oder fürs erste ausstecken, zumindest das Telefonkabel). Hat der/die ausgezogene Zugang zum Router ist alles nachträgliche fast umsonst. Dann vor dem [...]
Da der meiste Smarthometraffic über den Router läuft, diesen resetten (oder fürs erste ausstecken, zumindest das Telefonkabel). Hat der/die ausgezogene Zugang zum Router ist alles nachträgliche fast umsonst. Dann vor dem ersten Wiederanschließen nach dem resetten neue WLAN SSID und den Code nutzen, so kann man keine nachträglich reingeschmuggelten Geräte übers WLAN einbuchen. Alle anderen WLAN Smart Geräte ebenso resetten, denn diese können per separatem Zugang immer noch von außen angesprochen werden. Ist auch praktisch, da sowieso eine neue SSID vergeben wurde. Zusätzlich jemand überprüfen lassen, ob nicht ein Gerät doch über Mobilfunkersatzverbindung noch aktiv ist. Dann sollte man sicher sein. Keine Scheu vor dem resetten, ist bei Laien oftmals der einzig sichere Weg. Etwas komplizierter wird das beim PC, wenn da Spysoftware drauf ist und man somit trotzdem doch wieder alles aus dem Heimnetz auslesen kann, sobald der Laptop wirder ans WLAN geht... Aber ich weiss aus eigener Wartungserfahrung, dass selbst das Resetten mittels simplen Druckknopf für manche böhmische Dörfer sind. Daher nach Trennung einen Fachmann kommen lassen zum drüberschauen, ist gut investiertes Geld.
marthaimschnee 12.05.2019
4. sehr witzig
Die Kontrolle über die Geräte? Die breite Masse hat überhaupt keine Kontrolle über die Geräte, die eingesetzt werden. Und mit den Details, wie das Zeug funktioniert, will sich auch kaum wer beschäftigen. Ansonsten würde [...]
Die Kontrolle über die Geräte? Die breite Masse hat überhaupt keine Kontrolle über die Geräte, die eingesetzt werden. Und mit den Details, wie das Zeug funktioniert, will sich auch kaum wer beschäftigen. Ansonsten würde dieser ganze Smart-Home Kram, der meist mit Cloud-Zwang verknüpft ist und komplett unkontrollierbar mit Gott und der Welt kommuniziert, kritischer hinterfragen und seine eigene Bequemlichkeit infrage stellen müssen. Diejenigen, die wissen, was typische Smart-Home Geräte, oder auch die netten Gadgets wie Alexa im Detail tun und wozu das imstande wären, die meiden den Kram wie die Pest und mißtrauen allem, was sie nicht selber gebaut und konfiguriert haben.
spon_8172778 12.05.2019
5. Haustürschlüssel
Ich gehe mal davon aus, dass die meisten im Falle einer Trennung den Haustürschlüssel vom Partner zurück verlangen. Gleiches gilt für IT-Systeme bzw. SmartHome. Das Argument, dass diese Systeme vom Partner installiert wurden [...]
Ich gehe mal davon aus, dass die meisten im Falle einer Trennung den Haustürschlüssel vom Partner zurück verlangen. Gleiches gilt für IT-Systeme bzw. SmartHome. Das Argument, dass diese Systeme vom Partner installiert wurden und man ja gar keine Ahnung davon hat, ist peinlich. Scheinbar werden diese ja weiter genutzt. Und wenn nicht, kann man die ja einfach ausschalten. Leider basiert der ganze Artikel auf zwei Vorurteilen: Männer sind böse und Frauen haben keine Ahnung von Technik. Im weiteren gesteht man im Artikel sogar ein, dass es garnicht klar ist, dass Männer hier primär die Täter sind. Dies hat aber leider nicht davon abgehalten im Großteil des Artikels zu suggerieren, dass Männer das Problem sind. Im Fazit: Unwissenheit schützt nicht. Wenn man Technik einsetzen will, sollte man(Frau) sich auch damit auskennen und befassen. Alles andere ist grundsätzlich Fahrlässig.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP