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Was Nicolas Cage mit Stolperunfällen verbindet

Grafik aus dem Blog "Spurious Correlations": Nicolas Cage und die Stolperunfälle

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Montag, 12.05.2014   13:13 Uhr

Muss man besonders auf seine Füße achten, wenn ein Film mit Nicolas Cage ins Kino kommt? Wer sich von Statistiken blenden lässt, kann leicht aberwitzige Schlüsse ziehen. Das Blog "Spurious Correlations" bietet eine Übersicht seltsamer statistischer Zusammenhänge.

Das von uns gezeigte Diagramm ist ein typisches Beispiel: Die Kurven legen nahe, dass sich zwei Datenwerte von 1999 bis 2009 ähnlich entwickelt haben: einerseits die Zahl der jährlichen Filmauftritte des Schauspielers Nicolas Cage; anderseits die Zahl der Menschen, die in den entsprechenden Jahren über ihre Füße stolperten und ums Leben kamen. Mögen beide Dinge inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, ist vom Zahlenmaterial her tatsächlich ein Zusammenhang da.

Für Statistik-Lehrende ist das unter Tylervigen.com abrufbare Blog jedenfalls eine Goldgrube: Mit wenigen Klicks findet man zahlreiche Beispiele dafür, dass selbst eine hohe Korrelation zwischen zwei Variablen nicht automatisch bedeutet, dass die Variablen in einer Ursache-Wirkungs-Beziehung stehen.

Margarinekonsum trifft Scheidungsrate

Oder glaubt jemand ernsthaft, dass das Alter der Miss America Auswirkungen auf die Zahl der Menschen hat, die wegen heißen Leitungswassers sterben? Oder dass der Pro-Kopf-Margarinekonsum die Scheidungsrate in Maine beeinflusst?

Was das Blog hundertfach präsentiert, nennt man Scheinkorrelationen. Die Datenwerte entwickeln sich in diesem Fall zwar ähnlich, jedoch ohne in direktem Zusammenhang zu stehen. So reicht eine Korrelation zwischen der Zahl der Storchenpaare und der Geburtenrate eher nicht, um zu beweisen, dass der Klapperstorch die Babys bringt.

Fast alle im Blog vorkommenden Variablen korrelieren übrigens gleich mit mehreren anderen: Der Klick auf eine Variable führt dazu, dass alle passenden Beispiele angezeigt werden, im Fall von Nicolas-Cage-Filmauftritte zählen dazu etwa noch "Zahl der Leute, die ertranken, indem sie in einen Swimmingpool fielen" und "weibliche Redakteure beim 'Harvard Law Review'".

Wer will, kann mit der "Discover"-Funktion auch selbst nach interessanten Korrelationen suchen.

insgesamt 2 Beiträge
a_friend 12.05.2014
1.
Aber das wissen die Anhänger der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters doch längst: Schließlich nahm die Zahl der Piraten in den letzten Jahrhunderten ständig ab, während die Erderwärmung zunahm. Logische Folgerungen: [...]
Aber das wissen die Anhänger der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters doch längst: Schließlich nahm die Zahl der Piraten in den letzten Jahrhunderten ständig ab, während die Erderwärmung zunahm. Logische Folgerungen: Piraten verhindern die Erderwärmung! (Was sich ja auch im Satz: "Piraten sind cool!" zeigt). In diesem Sinne: RAMEN!
hartmut_s 12.05.2014
2. Winston Churchill
soll gesagt haben, er traue keiner Statistik, die er nicht selbst gefälscht habe. Offenbar ist das gar nicht notwendig - wenn man findig genug ist, kann man alles mögliche beweisen, ohne etwas zu fälschen. Nicht nur durch [...]
soll gesagt haben, er traue keiner Statistik, die er nicht selbst gefälscht habe. Offenbar ist das gar nicht notwendig - wenn man findig genug ist, kann man alles mögliche beweisen, ohne etwas zu fälschen. Nicht nur durch gezieltes Weglassen von Faktoren (wie dem Lebensalter bei "Männer mit Glatze verdienen mehr"), sondern auch ohne jeden Zusammenhang. Die einfachste Methode ist aber immer noch das Nennen von Zahlen, ohne eine belastbare Quelle anzugeben... 92% der Deutschen lassen sich auf diese Weise beeinflussen ;-)

Mehr im Internet

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  • Das Internet hat eine neue Form des Unterhaltungskonsums hervorgebracht. Es fing an mit Videos, Fotos, Powerpoint-Präsentationen, die per E-Mail herumgeschickt wurden, ging weiter mit über Instant-Messaging-Dienste verbreiteten Links zu Clips mit skateboardfahrenden Hunden oder ungelenken Kindern beim Lichtschwert-Exerzieren und fand seinen vorläufigen Höhepunkt im Weitererzähl-Web der digitalen Gegenwart. Der Lacher für die Mittagspause wird heute über Facebook oder Twitter weitergereicht, genau wie der schnelle Niedlichkeits-Kick (Katzenvideos!) als Mittel gegen den grauen Büroalltag oder der mitgefilmte schmerzhaft-dämliche Skateboard-Unfall für zwischendurch.

  • Die kaskadische Form der Informationsverbreitung, die gerade Dienste wie Twitter ermöglichen, hat dem Phänomen des spontanen Internet-Hypes ein perfektes Biotop geschaffen. Auch ein Jahre altes Video von einem lachenden Pinguin kann urplötzlich innerhalb weniger Stunden ein Millionenpublikum erreichen - wenn geheimnisvolle Faktoren zusammenkommen, die noch niemand so recht entschlüsselt hat (wer das schafft, wird vermutlich sehr reich werden).

  • Und was sich lang genug in den Köpfen der Menschen hält, was weiterverarbeitet, verballhornt, umgedeutet, neu abgemischt wird, bringt es im Informationsverbreitungs-Wunderland Internet vielleicht sogar zum Mem.

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