Schrift:
Ansicht Home:
Netzwelt

Songschnipsel in Videos

YouTubes neue Beschwerde-Regel könnte zu mehr blockierten Videos führen

Auch wenn ihre Musik nur kurz im Hintergrund zu hören ist, können Plattenfirmen die Werbeeinnahmen für den kompletten Clip einstreichen. Nun ändert YouTube die Regel - was zu mehr blockierten Videos führen könnte.

Britta Pedersen/DPA

Von
Freitag, 16.08.2019   14:52 Uhr

Ganz egal, ob ein Video ein paar Minuten oder eine Stunde lang ist: Es genügen wenige Sekunden eines Songs im Hintergrund, schon darf die Plattenfirma mit den Verwertungsrechten an dem Stück die kompletten Werbeeinnahmen für einen YouTube-Clip beanspruchen - und der Videokünstler geht leer aus. Zumindest ist das bisher die Regel auf YouTube. Doch das soll sich bald ändern.

YouTube kündigte am Donnerstag an, dass die Einnahmen künftig nicht mehr an den Rechteinhaber ausgeschüttet werden, wenn der per Onlineformular manuell eine Beschwerde wegen eines Musikschnipsels einreicht. Die Änderung soll von Mitte September an gelten und YouTuber besänftigen, die dadurch auf Geld verzichten mussten.

Grund für die Regeländerung sei unter anderem, dass die Google-Tochter den "besorgniserregenden Trend beobachtet habe, dass aggressiv manuelle Beschwerden wegen kurzer Musikausschnitte in Videos eingereicht werden, mit denen Geld verdient wird". Diese Beschwerden fühlten sich insbesondere deswegen unfair an, "weil alle Einnahmen vom Ersteller des Videos an den Antragsteller übergingen", heißt es in einem Blogbeitrag.

Löschanträge sind weiterhin möglich

Das entsprechende Lied muss nicht einmal bewusst als Tonspur unter das Video gelegt worden sein. Es reicht, wenn beim Videodreh im Hintergrund das Autoradio läuft oder die Charts im Supermarkt aus Deckenlautsprechern plärren. Für solche unabsichtlich im Video auftauchenden Lieder und kurze Songschnipsel, die YouTube mit einer "einstelligen Anzahl an Sekunden" angibt, kann der Rechteinhaber künftig keine Einnahmen mehr abschöpfen. Ohne diese Option werden Rechteinhaber vielleicht nicht mehr so viele Beschwerden einreichen, hofft YouTube.

Eine Plattenfirma kann allerdings nach wie vor verlangen, dass gar kein Geld fließt, auch nicht an den Videokünstler. Außerdem kann der Rechteinhaber beantragen, dass der Clip offline genommen wird. Bei einer Beschwerde muss der Rechteinhaber jedoch angeben, welcher Zeitraum in dem Video betroffen ist. Das wird dem Ersteller der Clips mitgeteilt, der die Chance hat, diese Szene aus dem Video herauszuschneiden oder anders zu vertonen.

Auch kurze Musikschnipsel können problematisch sein

YouTube weist darauf hin, dass man sich nicht zu sehr auf die Länge der Musikschnipsel verlassen sollte. So könnten auch aneinandergereihte Mini-Musikschnipsel dazu führen, dass das Video gegen Urheberrechte verstößt und die Einnahmen umgeleitet werden.

Laut YouTube könnte die neue Regel dafür sorgen, dass kurzfristig mehr Videos blockiert werden, weil die Rechteinhaber möglicherweise eher die harte Sanktion als gar keine wählen. Aber es sei "ein wichtiger Schritt, um langfristig die richtige Balance zu finden".

Das automatische Filtersystem Content ID ist nicht betroffen von der Änderung. Die Software sucht auch weiterhin nach Urheberrechtsverletzungen und leitet im Falle eines Urheberverstoßes die Einnahmen an Plattenfirmen um, wenn Musik ohne Rechte in einem Video abgespielt wird. Hintergrundmusik und kurze Liedsequenzen lösen in der Regel aber keinen Urheberrechtsalarm aus.

Der Bundesverband Musikindustrie wollte sich aufgrund der Komplexität des Themas zunächst nicht auf eine SPIEGEL-Anfrage äußern.

insgesamt 15 Beiträge
deufin 16.08.2019
1. Ohne Musik...
Wie wäre es, wenn man seine Videos einfach ohne Musikschnipsel erstellt? Zudem gibt es haufenweise Musik im Netz, die extra dafür gemacht ist, sie kostenfrei in Videos verwenden zu können. So leid es mir tut, aber ich kann [...]
Wie wäre es, wenn man seine Videos einfach ohne Musikschnipsel erstellt? Zudem gibt es haufenweise Musik im Netz, die extra dafür gemacht ist, sie kostenfrei in Videos verwenden zu können. So leid es mir tut, aber ich kann hier einfach kein Mitleid mit den YouTubern haben, auch wenn die Plattenfirmen genauso schlimm sind.
herjemine 16.08.2019
2. Och Industrieversteher
Zu Komentar nummer eins: Sie filmen per Zufall wie ein Pitbull ein ertrinkendes Mäusebaby aus einer Pfütze fischt und es de panischen Mäusemutter sanft überreicht: ein super Youtube-Hit, zigmillionen Klicks. Aber leider fuhr [...]
Zu Komentar nummer eins: Sie filmen per Zufall wie ein Pitbull ein ertrinkendes Mäusebaby aus einer Pfütze fischt und es de panischen Mäusemutter sanft überreicht: ein super Youtube-Hit, zigmillionen Klicks. Aber leider fuhr im selben Moment jemand in seinem Cabrio vorbei, aus den Lautsprechern tönte ein Beatlessong. Tja, all die Einnahmen aus dem herzerweichenden Pitbull-Mäusevideo gehen nunmehr nicht mehr an sie sondern an die Multimillionärs Familie Jackson. Pech gehabt oder was? Sie können ja auch Pitbull und Mäusefamilie fragen ob sie das ganze nochmal nachstellen wollen, viel Glück!
mkalus 16.08.2019
3. Hilf auch nicht
Ich habe einige Videos auf YouTube wo ich die Musik direkt under CreativeCommons besorgt habe (für time-lapse). Trotzdem bekomme ich immer wieder "Content Claims" von irgendwelchen Plattenfirmen, obwohl sowohl im Text als [...]
Zitat von deufinWie wäre es, wenn man seine Videos einfach ohne Musikschnipsel erstellt? Zudem gibt es haufenweise Musik im Netz, die extra dafür gemacht ist, sie kostenfrei in Videos verwenden zu können. So leid es mir tut, aber ich kann hier einfach kein Mitleid mit den YouTubern haben, auch wenn die Plattenfirmen genauso schlimm sind.
Ich habe einige Videos auf YouTube wo ich die Musik direkt under CreativeCommons besorgt habe (für time-lapse). Trotzdem bekomme ich immer wieder "Content Claims" von irgendwelchen Plattenfirmen, obwohl sowohl im Text als auch im Abspann der CC Vermerk und Link zur Source ist.
trackingerror 16.08.2019
4. Überschrift
Naja, ich fände es besser, wenn YouTube die Kommentare bei Videos konsequenter inspizieren würde. Was dort teilweise für eine Sch.... geschrieben wird, ist einfach nur erschütternd.
Naja, ich fände es besser, wenn YouTube die Kommentare bei Videos konsequenter inspizieren würde. Was dort teilweise für eine Sch.... geschrieben wird, ist einfach nur erschütternd.
draco2007 16.08.2019
5.
Wieso nicht? Wieso kann ich nicht Musikschnippsel spielen, von Musik, die ICH ja gekauft habe? Vor allem, wenn ich sie korrekt zitiere... Wenn das in der Wissenschaft genauso wäre, gäbe es keine wissenschaftlichen [...]
Zitat von deufinWie wäre es, wenn man seine Videos einfach ohne Musikschnipsel erstellt? Zudem gibt es haufenweise Musik im Netz, die extra dafür gemacht ist, sie kostenfrei in Videos verwenden zu können. So leid es mir tut, aber ich kann hier einfach kein Mitleid mit den YouTubern haben, auch wenn die Plattenfirmen genauso schlimm sind.
Wieso nicht? Wieso kann ich nicht Musikschnippsel spielen, von Musik, die ICH ja gekauft habe? Vor allem, wenn ich sie korrekt zitiere... Wenn das in der Wissenschaft genauso wäre, gäbe es keine wissenschaftlichen Arbeiten mehr. Da ist das Zitat Grundlage für alles. Und ein Musikschnipsel mit Interpretangabe ist nichts anderes als ein Zitat. Also mit welcher Begründung darf ich ein Lied nicht als Hintergrund/Schnipsel benutzen, welches ich selbst bezahlt habe? Wenn ich die Lieder als meine eigene verkaufe, ok. Wenn ich die Lieder so reinstelle, dass man sie "raubmordkopieren" kann, ok. Aber nicht als Hintergrund oder gar als Schnipsel. Sofern sie sauber zitiert sind... Sie wissen, dass Computerspielehersteller ihre Waren KOSTENLOS an viele YouTuber/Streamer verteilen und keinen Stress machen, wenn dieser urheberrechtlich geschütze Inhalt veröffentlicht wird? Wieso? Weil es Werbung ist...sehr günstige Werbung, direkt an die Zielgruppe. Es gab auch schon Untersuchungen zu illegalen Kopien...auch die hatten eher positive Effekte auf die Umsätze, schlicht weil ein Interpret dadurch bekannter wird. Das richtige Geld kommt durch Konzerte und Merch... Und niemand geht auf ein Konzert von einem Interpreten den niemand kennt...

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP