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Elterncouch

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Ein Hoch auf den Supermarkt-Adventskalender!

Getty Images/ Cultura RF

Für diese 24 unschuldig aussehenden Säckchen gehen viele Eltern durch die Hölle

Mittwoch, 06.12.2017   17:08 Uhr

Alle Jahre wieder gehen Eltern beim Sammeln und Basteln für den perfekten Adventskalender durch die Hölle. Schluss damit, fordert Theodor Ziemßen - und hat trotzdem wieder mitgemacht.

Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich eine Mutter und zwei Väter regelmäßig auf die Elterncouch.

Theodor Ziemßen schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Juno Vai und Jonas Ratz.

Seit die Kinder da sind, taucht kurz vor dem 1. Dezember immer ein ziemlich nerviger Typ auf: der beste Papa der Welt.

Er hängt sich immer genau dann an mich dran, wenn mir wieder viel zu spät einfällt, dass ich mich noch nicht um einen Adventskalender gekümmert habe. Ich glaube, er meint es gut. Schwer zu ertragen ist er trotzdem. Denn der beste Papa der Welt ist definitiv nicht der angenehmste Papa der Welt - er ist nörgelig und anspruchsvoll, hat aufwendige Ideen und anstrengende Ideale.

Eigentlich könnte man ihn ganz leicht loswerden: Ab in den nächsten Supermarkt, einen dieser Adventskalender mit den bescheuerten Motiven in den Wagen, zur Kasse und - entspannen. Kluge Eltern werden den besten Papa der Welt also nicht kennen. Oder nur flüchtig. Glückwunsch.

Also los zum Superma... - …"aaaaber", nölt mir der beste Papa der Welt in meine Gedanken, "Adventskalender sind ja nicht nur 24 Türchen auf dem Weg zum Heiligabend. Sie sind eine Botschaft an die Kinder."

Klar. Freut euch, bald ist Weihnachten.

Freuen - aber bitte aus den richtigen Gründen

"Jaaaa", hebt Super-Papa an, "aber eben auch: Freut euch nicht, weil ihr besonders große Geschenke im Kalender habt. Oder weil euer Kalender so vollgestopft ist mit Süßigkeiten, dass euer morgendliches Zucker-High euch auch ohne rotnasiges Rentier zum Kindergarten fliegen lässt."

Die Kinder sollen sich freuen. Aber bitte nur aus den richtigen Gründen? Klingt ziemlich ätzend. Zum Supermarkt fahre ich trotzdem nicht, sondern mit dem besten Papa in die Stadt. Im Kopf eine Schlittenladung voller Ansprüche.

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Ich kaufe fair gehandelte Schoko-Weihnachtsmänner, weil ich möchte, dass die Freude meiner Kinder nicht auf dem Leid anderer Kinder gedeiht und denke: Jetzt hab ich's. Der beste Papa der Welt nickt gönnerhaft.

Dann sehe ich die absolut null fair gehandelten Schokomünzen in Goldfolie, die mich als Kind immer ungeheuer glücklich gemacht haben. Ich denke: cool. Der beste Papa der Welt rollt die Augen. Willem ist noch nicht ganz eineinhalb Jahre alt und bekommt natürlich noch keine Schokolade. Bester Papa: genau!

Als Ersatz besorge ich Fruchtschnitten, die ich später in mundgerechte Stücke schneide und Stück für Stück in Folie fummle. Und die natürlich in Wahrheit genauso süß sind wie Schokolade. Super-Papa räuspert sich geräuschvoll.

Wie arschig ist das denn?

Am Ende schleppe ich zwei schwere Tüten mit Kalenderfüllung und das Gefühl nach Hause, dass ich alles falsch gemacht habe. Ich bemitleide mich bei dem Gedanken daran, dass ich aus dem Beweismaterial für mein Versagen jetzt noch einen Abend lang 48 Päckchen schnüren muss. Auf dem Weg zum Parkplatz sehe ich einen "Star Wars"-Kalender in einem Schaufenster, stelle mir vor, wie Benjamin morgens im Schlafanzug vor dem Kalender steht und durchdreht vor Glück. Es hätte so einfach sein können, denke ich.

Tatsächlich hatte Benjamin vorher gesagt, er wünsche sich den Weihnachtskalender von Playmobil. Aber Super-Papa findet, dass diese Kalender unpersönlich sind und sowieso zu viel Zeug drin ist.

Ich stelle mir vor, wie Benjamin bis in die Haarspitzen beseelt in den Kindergarten kommt und schwärmt: "Ich habe einen Playmo-Weihnachtskalender!" Dann stelle ich mir vor, wie die anderen Kinder in der Kita das hören und traurig werden. Viele der anderen Eltern können sich einen solchen Kalender nicht leisten.

Später sagt mir eine Freundin, sie hätte den Playmo-Kalender auch kurz erwogen, dann aber gehört, dass manchmal "nur" ein Koffer oder ein anderes "kleines Teil" drin sei. Und der beste Papa der Welt so: Cool, dann lernt Benjamin, dass auch solche Kalender nicht sooo toll sind, wie er sich das ausmalt. Innerlich weise ich ihn zurecht: Du willst ernsthaft, dass Benjamin etwas daraus lernt, dass ihn ein Weihnachtskalender enttäuscht?! Wie arschig ist das denn?

Am Ende haben Super-Papa und ich am 30. November bis kurz vor Mitternacht 48 kleine Geschenke - klebrige Fruchtschnittestückchen, goldglänzende Schokomünzen, "Minions"-Kekse, Knabbereulen und ein paar knallbunte Badezusätze - in 48 bunten Servietten verschnürt und auf eine Leine geknotet. So richtig glücklich sind weder ich noch der beste Papa der Welt.

Theodor Ziemßen

Advent, Adv... Also, echt jetzt. Könnte mal bitte wer Theodor Ziemßens Bücherregal aufräumen?

Die beste Schokolade der Welt

Am 1. Dezember hole ich Benjamin von der Kita ab. "Warte kurz", sagt die Erzieherin, "du bekommst ja noch so einen." Sie drückt Benjamin einen dieser Bescheuertes-Motiv-Schoko-Kalender aus dem Supermarkt in die Hand. Super-Papa rümpft die Nase - und ich erinnere mich plötzlich daran, wie ich als Kind jeden Morgen mit einer ungeheuren Vorfreude ein Bescheuertes-Motiv-Schoko-Kalendertürchen aufgepult habe, wie ich jede Form jedes Schokoladenstücks genau goutiert habe, wie ich die Kalenderschokolade dann ganz langsam in meinem Mund schmelzen ließ. Und ganz kurz bin ich mir sicher, dass Bescheuertes-Motiv-Schoko-Kalender-Schokolade die beste Schokolade der Welt ist.

Als wir zu Hause ankommen, wartet ein Paket von Willems Tante. Noch ein Kalender. Super-Papa sieht sein ganzes ausgeklügeltes Kalenderkonzept von Mäßigung und echter Weihnachtsfreude in einem Rausch aus Zucker und Konsum untergehen - und ich? Lache in mich hinein und genieße Benjamins Begeisterung beim Aufbauen des Drittkalenders. Und Super-Papa? Ist plötzlich weg. Hoffentlich werde ich ihn nächstes Jahr schneller los.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Weihnachtszeit.


insgesamt 12 Beiträge
alleinerziehend_mit_mann 06.12.2017
1. Hahah Danke
Mein Großer soll, wenn wir einen der begehrten Plätze ergattern, in 3 Jahren zur Montessorischule gehen. Ich bin extra bei FB in einer Montessorigruppe und versuche dauernd, den vorherrschenden Ansprüchen gerecht zu werden. [...]
Mein Großer soll, wenn wir einen der begehrten Plätze ergattern, in 3 Jahren zur Montessorischule gehen. Ich bin extra bei FB in einer Montessorigruppe und versuche dauernd, den vorherrschenden Ansprüchen gerecht zu werden. Natürlich posten alle ganz tolle Kalender - zum Beispiel mit 24 Teelichten in Spiralform oder aus Holz oder selbst gemacht. Ich hab im Komplettstress die Supermarktdinger gekauft und hatte ein schlechtes Gewissen. Aber es ist wie beschrieben. Er freut sich seelig über die Türchen mit Schoki. Es sei ihm gegönnt..
Onkel Drops 06.12.2017
2. passt!!!
bei mir hat der jüngere Bruder das ständige erinnern an : " ja habt ihr den heute schon euer und wieviel Türchen noch bis Weihnachten?" , ganz einfach geklärt. man steht morgens früher auf futtert alle Kalender leer [...]
bei mir hat der jüngere Bruder das ständige erinnern an : " ja habt ihr den heute schon euer und wieviel Türchen noch bis Weihnachten?" , ganz einfach geklärt. man steht morgens früher auf futtert alle Kalender leer (4 inkl. meiner 2) und verlangt halt beim erscheinen von "superpapa" seine Weihnachtsgeschenke. Problem gelöst, keine Türchen mehr bis Weihnachten und "supermutti" war auch in super "h"eiliger Stimmung als er die Schokolade wieder hervorzauberte. schuldig war klaro "superpapa" , ich und die Frau mit dem Wischeimer, manch anderer mag das anders gesehen haben. Mittags gings seinem Magen wieder besser( Kekse mussten den Grundgehalt an Blutzucker wieder angleichen) und ich hatte 2 neue Kalender bekommen ( Haltbarkeit 15min nach aufhängen). wieder angezuckert zog der Bruder den Klapptritt an die Wand und plünderte die neuen. zwei Tafeln Milka beruhigten meine vorweihnachtliche Seele und danach gabs keine Schokokalender an der Wand. dann gabs höchstens die Schokoweihnachtsmannlollis, die fast genauso ominös leckerer schmeckten (wie beim Kalender, muss wohl was dran anders sein!?). die Zeiten ändern sich ebenso wie der Inhalt der Nikolaussocke/Weihnachtskalender (für ein star wars Kalender hätte ich 1980 als 8 jähriger sogar aufs Weihnachtsgeschenk verzichtet )...
schwelle 06.12.2017
3.
Jedes Jahr der absolute Wahnsinn, wenn man mitbekommt, was da so alles in die Adventskalender wandert. Da frage ich mich immer, wie das an Weihnachten überhaupt noch getoppt werden kann? Von Kleinigkeiten kann da meistens keine [...]
Jedes Jahr der absolute Wahnsinn, wenn man mitbekommt, was da so alles in die Adventskalender wandert. Da frage ich mich immer, wie das an Weihnachten überhaupt noch getoppt werden kann? Von Kleinigkeiten kann da meistens keine Rede mehr sein. Mein Kind bekommt tatsächlich jedes Jahr den Kalender aus dem Supermarkt. Da gibt's das lila Produkt, wg. der Schokolade, den schmecken soll sie ja schon. Das Kind ist vollkommen zufrieden...
emil_erpel8 06.12.2017
4.
Zitat: "und ich erinnere mich plötzlich daran, wie ich als Kind jeden Morgen mit einer ungeheuren Vorfreude ein Bescheuertes-Motiv-Schoko-Kalendertürchen aufgepult habe, wie ich jede Form jedes Schokoladenstücks genau [...]
Zitat: "und ich erinnere mich plötzlich daran, wie ich als Kind jeden Morgen mit einer ungeheuren Vorfreude ein Bescheuertes-Motiv-Schoko-Kalendertürchen aufgepult habe, wie ich jede Form jedes Schokoladenstücks genau goutiert habe, wie ich die Kalenderschokolade dann ganz langsam in meinem Mund schmelzen ließ." Und das soll alles im Kindesalter in Kopf des Autors vorgegangen sein beim Öffnen der Papptürchen mit mieser Schokolade dahinter? Leidet der Autor eigentlich unter Halluzinationen oder Erinnerungsverzerrungen? Gegen Wahnvorstellungen kann man heutzutage was machen ...
gehdoch 06.12.2017
5.
Hahahhaa, ich habe sehr gelacht! Danke für den spritzigen Artikel. emil_erpel8 empfehle ich eine Humorkur. Kann er sich ja von seinen Kindern wünschen, kostet nicht mal was... Meine Jungs (6 und 10) freuen sich immer auf den [...]
Hahahhaa, ich habe sehr gelacht! Danke für den spritzigen Artikel. emil_erpel8 empfehle ich eine Humorkur. Kann er sich ja von seinen Kindern wünschen, kostet nicht mal was... Meine Jungs (6 und 10) freuen sich immer auf den Kalender, den meine Frau und ich aus Brottütchen und Nummernaufklebern basteln. Drin sind Naschis ebenso wie kleine Karteizettel mit Aufschriften wie z.B. "Heute dürft ihr mal eine ganze Stunde Fernsehen" oder "Heute machen wir das Lebkuchen-Haus zusammen" oder "Heute backen wir Kekse" oder auch mal "Heute gehen wir zu Mac Donalds".... Da gibt es viele Möglichkeiten "Quality Time" unterzubringen wie es in Neudeutsch heißt und da hat man dann selber auch noch was davon :)

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