Schrift:
Ansicht Home:
Panorama

Terrorverdacht im Flugzeug

Professor muss wegen Mathegleichungen aussteigen

Ein italienischer VWL-Professor wollte auf einem Flug in den USA nur ein paar Differenzialgleichungen lösen. Seine Sitznachbarin fand die Berechnungen verdächtig - er musste kurzzeitig aussteigen.

AFP

American-Airlines-Flugzeug

Sonntag, 08.05.2016   14:53 Uhr

Guido Menzio lehrt Ökonomie an der University of Pennsylvania. Der gebürtige Italiener forscht zu Fluktuationen in der Arbeitslosenquote und Gleichgewichtspreisen auf Produktmärkten. Komplizierte Differenzialgleichungen gehören da zu seinem Tagwerk.

Die wurden dem Professor mit den wilden schwarzen Locken auf einem American-Airlines-Flug von Philadelphia nach Syracuse am Donnerstagabend fast zum Verhängnis. Der 40-Jährige war kurz vor Abflug in seine Berechnungen vertieft, als ihn die Flugbegleiter baten, mal mitzukommen. Die Fluggesellschaft bestätigte den Vorfall.

Seine Sitznachbarin hielt die Schriftzeichen, in denen Ökonomen ihre Funktionen ausdrücken, offenbar für eine fremde Sprache und Menzio für einen Terroristen. Wie die "Washington Post" berichtete, gab die Frau zunächst an, sich unwohl zu fühlen. Als das Flugzeug dann zum Gate zurückgekehrt und sie von Bord gebracht worden sei, habe sie ein ominöses Verhalten ihres Sitznachbarn geschildert.

Dann sei auch Menzio ins Flughafengebäude gebracht und befragt worden. "Sie sagten mir, die Frau sei besorgt, ich könnte ein Terrorist sein, weil ich seltsame Zeichen in meinen Block schrieb", sagte er später der Nachrichtenagentur AP. Nachdem Menzio das Missverständnis erklärt hatte, hob die Maschine mit einiger Verspätung ab - der Professor war an Bord, seine Ex-Sitznachbarin nicht. Die Frau fühlte sich nach Angaben der Airline nicht wohl und wurde auf einen späteren Flug umgebucht.

Menzio sagt, er sei während der Überprüfung die ganze Zeit respektvoll behandelt worden. Dennoch bereite ihm der Vorfall Sorgen. Das Missverständnis hätte durch eine kurze Nachfrage oder Internetsuche verhindert werden können. "Wenn man nach einer Warnung vor 'verdächtigen Aktivitäten' nicht erst mal recherchiert, entstehen viele Probleme, insbesondere wenn sich Fremdenfeindlichkeit weiter ausbreitet", sagte der Professor der Nachrichtenagentur.

ade/AP/dpa

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP