Schrift:
Ansicht Home:
Panorama

Wegen Hunderter Badetoter

Lebensretter kämpfen um Schwimmbäder

Die Zahl der tödlichen Badeunfälle ist zuletzt drastisch gestiegen, die DLRG sieht dahinter ein grundsätzliches Problem. Eine Petition soll nun dazu beitragen, dass mehr Kinder richtig schwimmen können.

DPA

Rettungsboot auf dem Baldeneysee: Die meisten Grundschüler können nicht sicher schwimmen

Donnerstag, 06.06.2019   06:53 Uhr

Angesichts einer starken Zunahme tödlicher Badeunfälle bei Kindern und Jugendlichen fordert die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) den Erhalt von Schwimmbädern. Eine DLRG-Petition, die ein Ende solcher Schließungen zum Ziel hat, haben bereits mehr als 100.000 Menschen unterschrieben.

Die DLRG sieht die Schließung von Bädern als großes Problem, weil Gelegenheiten zum Schwimmenlernen verloren gingen. Die Zahl der Grundschüler, die nicht sicher schwimmen können, sei repräsentativen Studien zufolge von 50 Prozent im Jahr 2010 auf 59 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. In ihrer Onlinepetition fordert die DLRG nun einen bundesweiten Masterplan zur Erhaltung der Bäder.

Im vergangenen Jahr haben DLRG-Helfer eigenen Angaben zufolge 974 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Das waren erheblich mehr als 2017, als 756 Menschen gerettet wurden. Die Zahl der Menschen, denen die Rettungsschwimmer zu Hilfe kommen, schwankt stark. Zu der hohen Zahl der Notfälle trug im vergangenen Jahr wohl auch der Hitzesommer bei, der die Menschen an besonders vielen Tagen an Strände gelockt hatte.

Video: Wie man Ertrinkende erkennt - und rettet

Foto: DPA

Erst vor wenigen Monaten hatte die DLRG bekannt gegeben, dass die Zahl der Badetoten im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent gestiegen war: Mindestens 504 Menschen waren binnen zwölf Monaten ertrunken, hundert mehr als im Jahr zuvor. Demnach kamen 435 Männer und Frauen an ungesicherten Badestellen in Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen ums Leben.

Die Binnengewässer führen laut DLRG immer noch die Statistik bei den Todesfällen an. "Sie werden in den seltensten Fällen von Rettungsschwimmern bewacht", sagte DLRG-Präsident Achim Haag. "Das Risiko zu ertrinken, ist hier deutlich höher." Ein schlichtes Badeverbotsschild halte die wenigsten davon ab, ins Wasser zu gehen.

Die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren stieg 2018 um 38 Prozent. Unter den 71 Todesopfern dieser Altersgruppe waren 26 Kinder im Vor- und Grundschulalter. Besonders oft verunglückten beim Baden auch Asylbewerber. Im vergangenen Jahr starben 33 Flüchtlinge, nach 23 im Vorjahr. Fast alle waren Nichtschwimmer.

Bereits im vergangenen Jahr hatte DLRG-Präsident Achim Haag auf das wachsende Problem immer mehr geschlossener Schwimmbäder hingewiesen. "Wir müssen Bäder erhalten, Bäder bauen und nicht wegrationalisieren - Schließungen gehen zu Lasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote", sagte er.

mxw/dpa

insgesamt 72 Beiträge
DerAumeister 06.06.2019
1. Das ist zu einfach
Ja, das mag stimmen, zumindest in einigen Regionen Deutschlands. Aber zu behaupten, dass wäre DER Grund geht m.E. am Problem vorbei. In der Grundschul-Klasse meiner 7-jährigen Tochter können gerade einmal 5!!! Kinder [...]
Ja, das mag stimmen, zumindest in einigen Regionen Deutschlands. Aber zu behaupten, dass wäre DER Grund geht m.E. am Problem vorbei. In der Grundschul-Klasse meiner 7-jährigen Tochter können gerade einmal 5!!! Kinder schwimmen. In München, einer Stadt, die soviel Geld hat, dass es nicht nur Schwimmbäder gibt, nein, in der sie sogar seit diesem Jahr für Kinder frei sind, zumindest die Freibäder. An Möglichkeiten mangelt es also nicht. Es sind eher die Eltern, die das gnadenlos verbocken. Es ist das geänderte Freizeit-Verhalten. Es ist das Helikopter-Eltern Phänomen. Wer geht denn noch mit seinen Kindern regelmäßig schwimmen? Wer bleibt denn noch in der Stadt statt regelmäßig Event-Ausflüge zu machen? Wer lässt denn seine Kinder noch alleine ziehen, um ihnen Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen beizubringen? Meine Kinder jedenfalls können alle schwimmen.
die_WahrheitXXL 06.06.2019
2. Es ist wirklich schlimm
Im Gegensatz zu meiner Kindheit nehmen heute weder der Staat noch die meisten Eltern ihre Fürsorgepflicht ernst. Als mein Sohn dieses Jahr mit 8 Jahren in der Grundschule seinen ersten Schwimmunterricht hatte, gehörte er zu den [...]
Im Gegensatz zu meiner Kindheit nehmen heute weder der Staat noch die meisten Eltern ihre Fürsorgepflicht ernst. Als mein Sohn dieses Jahr mit 8 Jahren in der Grundschule seinen ersten Schwimmunterricht hatte, gehörte er zu den einzigen drei Kindern, die bereits schwimmen könnten. Er hatte als einziger bereits den Goldkurs besucht. Der Schul-Unterricht fand in 10 Doppelstunden statt, wovon 2 wegen Krankheit des Lehrers ausfielen. Resultat: die Schule hat ihre offizielle Pflicht erfüllt und es können weiterhin immer nur noch drei Kinder aus der Klasse schwimmen. Gebracht hat dieser Unterricht rein gar nichts.
pharmakon 06.06.2019
3. Strukturproblem
Das fängt ja schon damit an, dass es mir als Vollzeit berufstätige Mutter unmöglich gemacht wird, meine 4-jährige zur schwimmhalle zu fahren... Die Kurse sind halt für die kleinen nachmittags um 15:00. Wer bitte, außer [...]
Das fängt ja schon damit an, dass es mir als Vollzeit berufstätige Mutter unmöglich gemacht wird, meine 4-jährige zur schwimmhalle zu fahren... Die Kurse sind halt für die kleinen nachmittags um 15:00. Wer bitte, außer Teilzeit-Bürokauffrauen und Hausfrauen kann dies in Anspruch nehmen? Kein Schwimmen im Kindergarten, keins in der Grundschule. Ich bin ein Ostkind und hatte mit 5 das Seepferdchen und in der 3. Klasse regulär schwimmen in der Schule, wo bis auf ein Kind damals alle schon schwimmen konnten.
fundador 06.06.2019
4. Schwimmunterricht ist schon immer unzureichend gewesen...
das war schon in meiner 40 Jahre zurückliegenden Jugend so. Auch damals haben nur diejenigen richtig schwimmen gelernt, deren Eltern dafür gesorgt haben, damals noch im Rahmen von Vereinen. Letztere sterben heute aus und das ist [...]
das war schon in meiner 40 Jahre zurückliegenden Jugend so. Auch damals haben nur diejenigen richtig schwimmen gelernt, deren Eltern dafür gesorgt haben, damals noch im Rahmen von Vereinen. Letztere sterben heute aus und das ist - neben dem Schwimmbadsterben - auch eine der wesentlichen Ursachen dafür, dass immer weniger Kinder schwimmen können. Früher war der Schwimmunterricht mit einem vergleichsweise moderaten Vereinsbeitrag inklusive, heute muss man die Kinder in den teuren Privatunterricht schicken und immer weniger Eltern sind bereit und in der Lage, das zu bezahlen. Deshalb: Schwimmunterricht für alle und umsonst oder für minimale Unkostenbeiträge im Schulschwimmbecken! Da könnte sich die DLRG auch stärker einbringen, indem sie solche Kurse anbietet.
Hans-Dampf 06.06.2019
5.
Die Beobachtung mag stimmen, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt und gleichzeitig gleich viele oder ein paar mehr Tote durch Ertrinken. Ich vermisse da aber den Nachweis der Kausalität. Es kann viele Gründe haben, warum [...]
Die Beobachtung mag stimmen, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt und gleichzeitig gleich viele oder ein paar mehr Tote durch Ertrinken. Ich vermisse da aber den Nachweis der Kausalität. Es kann viele Gründe haben, warum mehr Menschen ertrinken: z. B. mangelnde Schwimmkenntnisse, Über-/Unterschätzung von sich selbst oder dem Gewässer, Leichtsinn usw. Nur weil es mehr Schwimmbäder gibt, heißt es ja nicht zwangsläufig, dass der Anteil derjenigen steigt, die Schwimmen kann und/oder die eigenen Kenntnisse gut einschätzen kann. Immerhin liegen Daten ja seit vielen Janren vor und es gab ca. ebenso viele Badetote damals wie heute.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP