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Bundeswehr

Zentralrat der Juden fordert Militärrabbiner

Mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust dienen einige hundert Juden wieder einer deutschen Armee. Eine eigene Seelsorge für sie gibt es bisher aber nicht - das soll sich ändern.

DPA

Josef Schuster (Archiv)

Donnerstag, 21.02.2019   11:10 Uhr

Ob bei gefährlichen Auslandseinsätzen oder in der Kaserne in Deutschland: Für christliche Soldaten in der Bundeswehr gibt es eigene Militärgeistliche, denen sie sich anvertrauen können und mit denen sie Gottesdienst feiern. Seelsorgerischen Beistand in der Truppe sollte es aber auch für jüdische Soldaten geben, hat nun der Zentralrat der Juden in Deutschland gefordert - und einen eigenen Militärrabbiner vorgeschlagen.

Die Seelsorger der christlichen Kirchen hätten einen wichtigen Beitrag zur ethischen Bildung der Soldaten geleistet, schreibt Zentralratspräsident Josef Schuster in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wäre es aber auch an der Zeit, wieder eine jüdische Militärseelsorge in der Bundeswehr zu etablieren und damit an eine alte Tradition anzuknüpfen", hieß es.

Deutschland als Zuhause

Jahrzehnte nach dem Krieg, in denen es für die meisten Juden aufgrund der Beteiligung der Wehrmacht an der Schoah unvorstellbar gewesen sei, in einer deutschen Armee Dienst zu tun, habe sich die Lage verändert, erklärte Schuster. "Junge Juden betrachten Deutschland selbstverständlich als ihr Zuhause."

Zwischen 250 und 300 jüdische Soldaten gebe es derzeit in der Bundeswehr. Daher wünsche sich die jüdische Gemeinschaft eine Militärseelsorge auf der Grundlage eines Staatsvertrags. Die evangelische und die katholische Kirche stellen neben Geistlichen für die Truppe jeweils auch Militärbischöfe.

apr/dpa

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