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Panorama

CSD in Berlin

Mit Conchita durch Charlottenburg

Schrill, bunt und sehr freizügig: Es ist Christopher Street Day in Berlin. Tausende demonstrierten für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben, zeigten viel nackte Haut und ihre Verehrung für Conchita Wurst.

DPA
Samstag, 21.06.2014   19:05 Uhr

Berlin - Klaus Wowereit ist umgeben von schillernden Dragqueens, Regenbogen-Fahnen und Luftballons. Es gehe um Selbstverständlichkeiten, ruft Berlins schwuler Regierender Bürgermeister ins Mikrofon. Toleranz für Homo- und Transsexuelle sei eine Frage der Menschenrechte. Mit diesen Worten eröffnet Wowereit (SPD) am Samstag eine der Paraden zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin.

Dies ist die neue, mit etwa 10.000 Teilnehmern deutlich kleinere Demonstration. Sie hatte sich nach einem heftigen Streit um den CSD-Verein gebildet. Wowereit hofft aber, dass der Streit beigelegt und es im nächsten Jahr wieder eine gemeinsame Parade geben wird.

Die meisten Menschen kommen wie eh und je zum traditionellen CSD-Zug nach Charlottenburg. Mehrere Hunderttausend sind es nach Angaben der Veranstalter. Die bunt geschmückten Wagen rollen den Kurfürstendamm entlang. 25 prächtig verkleidete Dragqueens schwenken Fahnen der Länder, in denen es um die Rechte der "LGBTI" ("Lesbian, gay, bisexual, transgender, intersex") besonders schlecht steht. Kritisiert werden vor allem die "feindlichen Gesetzesänderungen" in Russland und Uganda.

Höschen und Highheels

Eine kleine Sensation sind Polizisten, die in ihren Uniformen bei der Parade mitlaufen. Galten auch sie jahrelang nicht gerade als Freunde der Szene, sind sie jetzt mittendrin. "Bobbys" aus Großbritannien, Polizisten aus Schweden und mehreren deutschen Bundesländern werden vom Publikum bejubelt. "Ihre Teilnahme ist ein Zeichen für Toleranz", sagt ein Berliner Polizeisprecher.

Sie laufen zwischen bunt geschmückten Wagen - auf denen immer wieder die Botschaft zu lesen ist: Es gehe um nichts Geringeres als Menschenrechte. Auf den Wagen wird gesungen, das Publikum tanzt und feiert kräftig mit. Zuschauer sehen reichlich nackte Haut und den bunten Feder-Kopfschmuck der Dragqueens. Manche eilen auf die mit Glitzer bedeckte Straße und bitten um ein Selfie mit muskulösen Matrosen oder Frauen in Lack und Leder.

Auch am Rande der Parade spielen sich unterhaltsame Szenen ab. So stolziert eine riesige Dragqueen mit nacktem Hintern und Glitzer-Body schnurstracks in eine Parfümerie, begrüßt die Verkäuferinnen herzlich mit Küsschen und kauft ein paar Utensilien zum Nachschminken. Ein Mann steht vor einem Café auf dem Bürgersteig, er trägt nur ein hautfarbenes Höschen und Highheels, ist am ganzen Körper mit einem Leopardenmuster bemalt und lässt sich von der Kellnerin ein "Sektchen" servieren.

Am Tag des zweiten WM-Spiels der deutschen Mannschaft ist auch Homosexualität im Fußball ein Thema. Monate nach seinem Outing wird der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger als Vorbild gepriesen. Ein Star der Szene ist auch Conchita Wurst. Mehrere Teilnehmer sind in ihrem Look mit schwarzem Haar und Bart bei der Parade dabei. Die Siegerin des Eurovision Song Contest war am Vorabend schillernder Stargast bei der vom CSD-Verein organisierten "Stonewall"-Gala.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) steht neben Klaus Wowereit. Um ihre Schultern über dem roten Hosenanzug trägt sie das Geschenk der Veranstalter - eine Regenbogen-Fahne. Wowereit und sie kritisieren politische Diskriminierungen Homosexueller wie das fehlende Adoptionsrecht. Doch Toleranz beginne nicht auf dem Papier, sondern im Alltag: "Das beliebte Schimpfwort 'schwule Sau' gehört runter von unseren Schulhöfen und Sportplätzen", ruft Schwesig - und erntet Jubel und Applaus.

cpa/dpa

insgesamt 25 Beiträge
jujo 21.06.2014
1. ...
Wenn es nur um die Rechte und um die Diskriminierung ginge würde ich auch mitdemonstrieren. Diese Art der Freizügigkeit und die unanständige Entblössung in der Öffentlichkeit stossen mich aber ab.
Zitat von sysopSchrill, bunt und sehr freizügig: Es ist Christopher Street Day in Berlin. Tausende demonstrierten für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben, zeigten viel nackte Haut und ihre Verehrung für Conchita Wurst. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/csd-in-berlin-mit-conchita-durch-charlottenburg-a-976661.html
Wenn es nur um die Rechte und um die Diskriminierung ginge würde ich auch mitdemonstrieren. Diese Art der Freizügigkeit und die unanständige Entblössung in der Öffentlichkeit stossen mich aber ab.
zzyzzx 21.06.2014
2. Wenn man den CSD...
... nur aus solcher Art Berichterstattung kennt, könnte man tatsächlich meinen, es ginge tatsächlich nur um Entblößung. Dass ein Großteil der Teilnehmer bei den meisten Beobachtern ohne weiteres Nachdenken als [...]
... nur aus solcher Art Berichterstattung kennt, könnte man tatsächlich meinen, es ginge tatsächlich nur um Entblößung. Dass ein Großteil der Teilnehmer bei den meisten Beobachtern ohne weiteres Nachdenken als "normal" durchgehen würde, ist vermutlich in der Berichterstattung zu langweilig. Trägt aber leider zu einem ziemlich verqueren Homosexuellenbild bei denjenigen Menschen bei, die glauben, dass es in ihrem Alltag keine Homosexuellen gibt.
marnix 21.06.2014
3. Die Welt ist bunt :-))
Der CSD ist nun mal so wie er ist. Gefallen muss es ja nicht allen, aber besser nackte Hintern und schrill als die Verhältnisse in anderen Ländern. Jedes Land kann stolz auf sich seinwenn es jedem erlaubt so zu sein wie er mag. [...]
Der CSD ist nun mal so wie er ist. Gefallen muss es ja nicht allen, aber besser nackte Hintern und schrill als die Verhältnisse in anderen Ländern. Jedes Land kann stolz auf sich seinwenn es jedem erlaubt so zu sein wie er mag. Keiner muss den Spass mitmachen und wem es nicht gefällt kann wegsehen. Gruß an "jojo" :-)) Wir zeigen uns als tolerantes Land und das ist gut so. Nebenbei bemerkt, Fasching in Deutschland ist ja auch wie Sodom und Gomorrha nur da regt sich niemand auf und das ist auch gut so ;-)
Badischer Revoluzzer 22.06.2014
4. Ich kann von mir sagen,
ein toleranter Mensch zu sein, aber dieses Conchita-Getue empfinde ich als ekelig. Das hat auch nichts mehr mit schrill und freizügig zu tun, das ist auch einfach geschmacklos. sorry.
ein toleranter Mensch zu sein, aber dieses Conchita-Getue empfinde ich als ekelig. Das hat auch nichts mehr mit schrill und freizügig zu tun, das ist auch einfach geschmacklos. sorry.
flessan 22.06.2014
5. 1
ich muss erstem Vorredner recht geben. Kenne einige schwullesbischtranssexuelle aber niemand davon drängte sich mir je in Reizwäsche auf. Es gibt dinge die will ich nicht sehen müssen. Was in meinem Schlafzimmer passiert [...]
ich muss erstem Vorredner recht geben. Kenne einige schwullesbischtranssexuelle aber niemand davon drängte sich mir je in Reizwäsche auf. Es gibt dinge die will ich nicht sehen müssen. Was in meinem Schlafzimmer passiert bekommt auch keine Parade (nicht das ich das wünsche ;) )

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