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Panorama

Väter in Elternzeit

"Ich wollte gar nicht raus aus dem Job"

Die meisten Väter nehmen keine Elternzeit. Warum? In der neuen Folge von "Drei Väter - ein Podcast" geht es um ungleiche Kinderbetreuung. Und um die Frage, ob Männer die Elternzeit als Lifestyle missbrauchen.

Illustration: Lina Moreno/ Foto: Getty Images

"Drei Väter - ein Podcast": Etwa 60 Prozent aller Väter in Deutschland nehmen überhaupt keine Elternzeit.

Ein Podcast von , Axel Rahmlow und Markus Dichmann
Dienstag, 26.03.2019   16:34 Uhr

Diese Podcast-Folge müsste eigentlich "Drei privilegierte Väter" heißen. Denn heute geht es um die Elternzeit. Wir - Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann - haben uns alle bis zu einem halben Jahr von der Arbeit freistellen lassen. Die meisten Väter bleiben nach der Geburt ihres Kindes jedoch im Beruf.

Drei Väter - ein Podcast #4 - Die Elternzeit: Wer übernimmt Verantwortung?

Etwa 60 Prozent aller Väter in Deutschland nehmen überhaupt keine Elternzeit. Und das, obwohl sich 79 Prozent mehr Zeit für ihre Familie wünschen, so steht es im Väterreport des Bundesfamilienministeriums.

Woran liegt das? Ein Grund, der oft genannt wird: Der Arbeitgeber akzeptiert die Elternzeit nicht. Dabei konnten laut Väterreport 2018 in der Praxis keine längerfristigen beruflichen Nachteile nachgewiesen werden. Wie ernst sind also die Ängste vor Einkommensverlusten, beruflichen Nachteilen und organisatorischen Problemen im Job zu nehmen? Darüber sprechen wir.

"Ich hatte Hemmungen, so lange raus zu sein. Vielleicht die Reste dieser überholten klassischen Rollenverteilung", sagt einer von uns. Ein anderer hat sich seine Dienstpläne von damals noch mal genauer angeschaut: "Ich habe sehr viel gearbeitet, mir auch Arbeit gesucht. Ich wollte arbeiten und gar nicht raus aus dem Job."

Bisher haben wir über das Rollenbild des Vaters, die Geburt und die ersten Wochen gesprochen (Hören Sie hier Folge eins: "Die Geburt: Mittendrin und nur Statist", Folge zwei: "Rollenbilder: Ich wollte nicht Vater werden"und Folge drei: "Die ersten Wochen: Der Vater hat es leichter"). In der vierten Folge "Die Elternzeit: Wer übernimmt Verantwortung?" geht es um die Betreuung nach den ersten Wochen.

Missbrauchen Väter die Elternzeit als modernen Lifestyle?

Noch immer spielt dabei auch die gesellschaftliche Akzeptanz eine Rolle. Also die Frage: "Wie männerdominiert ist eine Branche?", sagt Oliver Schmitz. Im Podcast von SPIEGEL ONLINE spricht der Geschäftsführer eines Thinktanks zu Beruf und Familie über mögliche Ursachen ungleicher Elternzeitverteilung.

Schmitz fällt auf: "Väter, die im Sozialamt arbeiten und keine Elternzeit nehmen, werden schief angeschaut. Väter bei der Feuerwehr werden eher schräg angeschaut, wenn sie Elternzeit nehmen." Und oft können sich junge Familien die Elternzeit auch schlicht nicht leisten. "Die Frage, wer arbeiten geht, ist einfach eine ökonomische Entscheidung", so Schmitz.

Wer es sich leisten kann, länger von der Arbeit freigestellt zu sein, der gerät schnell in einen Hype um die Elternzeitreise. "Eine Lifestyle-Debatte um die Frage, wo man am besten hinreist, wenn der Vater diese beliebten zwei Monate Elternzeit nimmt. Kann man machen, aber dann bitte nicht erzählen, das sei jetzt das moderne Familienbild", schimpft einer von uns Vätern.

"Es ist völlig egal, wo jemand Zeit mit seinem Kind verbringt", sagt ein anderer von uns. "Die Hauptsache ist doch, dass ich es überhaupt tue. Eine Bindung durch gemeinsame Zeit entsteht überall." Und damit ist die Debatte eröffnet.

Lina Moreno / Foto: Sebastian Schneider

Beste Vaterfreuden: Jonas Leppin, Axel Rahmlow und Markus Dichmann (v.l.)

Was ist im Jahr 2019 ein guter Vater? Jede Woche will sich SPIEGEL ONLINE mit "Drei Väter - ein Podcast" dieser Frage nähern. Wir sprechen über Erwartungen an uns selbst, über Ansprüche von Müttern und der Gesellschaft. Dafür gehen wir raus, beobachten in Reportagen Väter, Mütter, Kinder oder sprechen mit Psychologen und Hebammen.

Dieser Podcast entsteht mit Unterstützung des Podcastlabels Viertausendhertz. Viertausendhertz produziert selbst Podcasts - zum Beispiel das Interviewformat "Elementarfragen". Hören Sie hier ein Gespräch mit dem Psychiater und Kabarettisten Manfred Lütz ("Irre - Wir behandeln die Falschen") über psychische Krankheiten, wo sie beginnen und weshalb sie noch immer stigmatisiert sind.

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Sie wollen uns etwas sagen? Haben Fragen? Lob? Oder Kritik? Dann schreiben Sie uns an drei.vaeter@spiegel.de. Oder hinterlassen Sie uns gern eine Podcast-Review auf iTunes!

insgesamt 24 Beiträge
wiescheid 26.03.2019
1. meine zwei Monate Elternzeit
kosten uns ca. 5.000 Euro. Die Frau ist drei Jahre zu Hause, die Rechnungen flattern dennoch ins abzuzahlende Haus, da ist einfach nicht mehr als die zwei Monate drin. Immerhin Dank Urlaub auf drei Monate Auszeit gestreckt, aber [...]
kosten uns ca. 5.000 Euro. Die Frau ist drei Jahre zu Hause, die Rechnungen flattern dennoch ins abzuzahlende Haus, da ist einfach nicht mehr als die zwei Monate drin. Immerhin Dank Urlaub auf drei Monate Auszeit gestreckt, aber bei den finanziellen Einbußen überlegt man dennoch zweimal. Bei der ersten Tochter vor zwei Jahren war's nicht drin...
yabba-dabba-doo 26.03.2019
2. Viele Arten von guten Vätern
Vielleicht ist u. a. ein guter Vater auch einer der genug Geld nach Hause bringt, damit die Familie finanziell sorgenlos Leben kann. Darf man das in der heutigen Zeit noch schreiben? Wer möchte eigentlich nicht mehr Zeit mit [...]
Vielleicht ist u. a. ein guter Vater auch einer der genug Geld nach Hause bringt, damit die Familie finanziell sorgenlos Leben kann. Darf man das in der heutigen Zeit noch schreiben? Wer möchte eigentlich nicht mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen. Aber der Verdienstausfall während der Elternzeit kannn existenziell sein.
lupusyonderboy 26.03.2019
3.
> "Es ist völlig egal, wo jemand Zeit mit seinem Kind verbringt" Das mag auf den Ort so gerade noch zutreffen. Auf die Umstände nicht. Aus meiner Erfahrung macht es einen enormen Unterschied, ob man nur Quality [...]
> "Es ist völlig egal, wo jemand Zeit mit seinem Kind verbringt" Das mag auf den Ort so gerade noch zutreffen. Auf die Umstände nicht. Aus meiner Erfahrung macht es einen enormen Unterschied, ob man nur Quality Time mit dem Kind verbringt, oder eben alle Höhen und Tiefen des Alltags. Zutrauen und Bindung zwischen Vater und Kind sind überall dort größer, wo gerade auch die quängeligen, zornigen, müden, langweiligen und widerspenstigen Situationen des Alltags gemeinsam gemeistert wurden. Und es wundert mich nicht, dass ein Vater, der sein Kind nur vom Eis essen und Schwimmbad kennt, nicht eben dieses unbedingte Vertrauen geschenkt bekommt, das Mütter haben. Auch wenn die natürlich qua Schwangerschaft den Väter immer etwas voraus haben. Väter, warum bringt ihr euch um diese wunderbare Erfahrung?
kuv02 26.03.2019
4. Sticher
Für Android-Nutzer wäre es schön, wenn man Sticher nicht links liegen liße. Nur zur Sicherheit damit die "Spiegel Apple-Redaktion" das versteht: Sticher ist eine App für Android mit der man Podcasts hören kann.
Für Android-Nutzer wäre es schön, wenn man Sticher nicht links liegen liße. Nur zur Sicherheit damit die "Spiegel Apple-Redaktion" das versteht: Sticher ist eine App für Android mit der man Podcasts hören kann.
yabba-dabba-doo 26.03.2019
5.
@3 das stimmt so mal gar nicht. Auch arbeitende Väter können ein inniges Verhältnis zu ihren Kindern aufbauen. Und das ist auch Standard. Mit dieser Artikel und der Antwort u.a. Von @3 wird das Thema Rabenmütter um das Thema [...]
@3 das stimmt so mal gar nicht. Auch arbeitende Väter können ein inniges Verhältnis zu ihren Kindern aufbauen. Und das ist auch Standard. Mit dieser Artikel und der Antwort u.a. Von @3 wird das Thema Rabenmütter um das Thema Rabenväter schlicht erweitert. Eine völlig unnötige Diskussion

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