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Panorama

Spektakel in Wiesbaden

Pfarrer feiert erotischen Gottesdienst

Zutritt zur Kirche erst ab 16: In Wiesbaden feierte ein Pfarrer einen "erotischen Gottesdienst", um die göttliche Zärtlichkeit zu preisen. Auf der Orgel spielte "Love Me Tender", nur auf die angekündigte Vulgärsprache verzichtete der Pfarrer dann doch.

dapd
Sonntag, 05.08.2012   16:30 Uhr

Wiesbaden - Es klang nach Tabubruch. Einen "erotischen Gottesdienst" wollte ein evangelischer Pfarrer am Sonntag in Wiesbaden mit 200 Gläubigen feiern. "Erotik und Lust sind keine vom Glauben abgetrennten Sperrgebiete", sagte Pfarrer Ralf Schmidt in der Erlöserkirche im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel. Gott, und nicht der Teufel, habe seine Liebe und seine Lust in die Menschen gepflanzt.

"Willkommen im Weinberg der Liebe" - mit diesen Worte eröffnete Schmidt den Gottesdienst. Er wolle alle Sinne berühren, um die Sinnlichkeit und Erotik des Lebens zu zeigen, sagte er. "Der erotische Gottesdienst will Gottes Zärtlichkeit preisen", sagte Schmidt.

Einige würden vielleicht enttäuscht, warnte Schmidt. Zuvor hatte der Pfarrer "deftige Worte" angekündigt, doch dann benutzte er in seiner Predigt doch keine Vulgärsprache. "Diese Ausdrücke waren schon die ganze Woche in den Zeitungen zu lesen, da musste ich sie nicht noch aussprechen", erklärte er. Deshalb habe er seine Predigt um eine Passage gekürzt.

"Alles klar mit Beten und Betterfahrung?"

In der Tat: Wirklich prickelnd wurde es selten. Zwar sagte Schmidt in seiner Predigt: "Es ist eine lustvolle Erwartung hier im Raum", sagte er. Die werde in Kirchen zu selten benannt, dafür im Alltag inflationär und vulgär. Erotik sei von Gott gewollt und geschenkt. Provokant fragte der Pfarrer seine Gemeinde: "Bei Ihnen alles klar mit Beten und Betterfahrung?"

Dann wurde vor allem - geredet. Schmidt sprach von Liebe als eingeübter Kunst, von Landeplätzen der Lust am Körper und davon, dass auch sein eigener Beruf von der Erotik profitieren könne. "Vielleicht sollten wir öfter mit unseren Lieben ins Bett gehen, damit unsere Wörter schärfer und lebendiger werden", sagt der Pfarrer.

Tatsächlich hört man ein Gedicht, in dem von heißer Haut und einem "schnellen, grellen Wolkenbruch" die Rede ist, normalerweise nicht in der Kirche. Und auf der Orgel wurde Elvis Presleys "Love Me Tender" gespielt. Der wiegende Tanz, bei dem sich alle an den Händen halten, sollte Nähe vermitteln. Insgesamt herrschte mehr Esoterik als Erotik.

"Die Gemeinde hat mich getragen"

Anschließend sagte Schmidt, er glaube nicht, jemanden vor den Kopf gestoßen zu haben. "Die Gemeinde hat mich auch bei schwierigen Themen getragen."

Der Sprecher der evangelischen Landeskirche, Stephan Krebs, hatte zuvor gesagt, dass es nicht abwegig sei, einen Gottesdienst über Erotik zu halten. "Das Evangelium spricht auch Partnerschaft und Sexualität an. Der Pfarrer hat nun die Verantwortung, es auf angemessene Weise zu verkünden", erklärte Krebs.

Auch den älteren Besuchern lobten den Erotik-Gottesdienst. Die 70-jährige Helga Gropp sagte, es habe ihr gefallen. Allerdings hätte man die frisch konfirmierten wegen ihres Alters nicht vom Gottesdienst ausschließen sollen.

Am meisten aufgeregt von allen schien ohnehin der Pfarrer selbst: Immer wieder tupfte sich Schmidt mit einem Tuch die Schweißperlen von der Stirn. Am Ende zog er ein positives Fazit. "Es war trotz des Rummels in sich stimmig", sagte der Pfarrer.

fab/dpa/dapd

insgesamt 34 Beiträge
el-gato-lopez 05.08.2012
1. Image
Und da wundern sich die Evangelischen tatsächlich über ihr Image der "zeitgeistigen Beliebigkeit/Belanglosigkeit"? Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie, dass sich die EKDler ein besonders lockeres und [...]
Zitat von sysopdapdZutritt zur Kirche erst ab 16: In Wiesbaden feierte ein Pfarrer einen "erotischen Gottesdienst", um die göttliche Zärtlichkeit zu preisen. Auf der Orgel spielte "Love Me Tender", nur auf die angekündigte Vulgärsprache verzichtete der Pfarrer dann doch. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,848342,00.html
Und da wundern sich die Evangelischen tatsächlich über ihr Image der "zeitgeistigen Beliebigkeit/Belanglosigkeit"? Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie, dass sich die EKDler ein besonders lockeres und pseudo-hippsterisches Image zuzulegen versuchen, aber die "neuen Schäfchen" holen sich dann vor allem die konservativer ausgerichteten Freikirchen... Mit Margot K. und Co mag man ja die weiblichen Räucherstäbchen-40Somethings auf Sinnsuche beeindrucken, der grosse Wurf ist's aber trotzdem nicht.
toskana2 05.08.2012
2. verfummelt
... obwohl es der Kirche und ihren Mitgliedern zu gönnen wär: diese Wort-Unpässlichkeit, "erotischer Gottesdienst" und so unter Hinzunahme der abgelichteten, greisen Kirchengemeinde kann wenig [...]
Zitat von sysopdapdZutritt zur Kirche erst ab 16: In Wiesbaden feierte ein Pfarrer einen "erotischen Gottesdienst", um die göttliche Zärtlichkeit zu preisen. Auf der Orgel spielte "Love Me Tender", nur auf die angekündigte Vulgärsprache verzichtete der Pfarrer dann doch. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,848342,00.html
... obwohl es der Kirche und ihren Mitgliedern zu gönnen wär: diese Wort-Unpässlichkeit, "erotischer Gottesdienst" und so unter Hinzunahme der abgelichteten, greisen Kirchengemeinde kann wenig überzeugen. Mein Eindruck ist, den Pfarrer müsste man upgraden. Er hat sich in der Zielwahl und im Vokabular ordentlich verfummelt und sich damit für manchen Betrachter der Lächerlichkeit preisgegeben. Erotik gibt es ne Menge - außerhalb der Gotteshäuser. Drinnen sollte es lieber wie bisher mehr Besinnung geben.
abc-xyz 05.08.2012
3. EKD, Margot K. und weitere Peinlichkeiten
Die EKD wird zunehmend zu voll-infantilen Esotherikerverein, das sich dem Niveau von RTL2 und Co. annähert. Ernst nehmen kann man diese Truppe jedenfalls nicht. Meine Versuche mit der Ökumene scheitern immer wieder an solch [...]
Die EKD wird zunehmend zu voll-infantilen Esotherikerverein, das sich dem Niveau von RTL2 und Co. annähert. Ernst nehmen kann man diese Truppe jedenfalls nicht. Meine Versuche mit der Ökumene scheitern immer wieder an solch dummen Aktionen, die natürlich nicht ganz so "spektakulär" ausfallen aber nicht minder peinlich sind als das hier. So im Nachhinein bin ich der Auffassung das Margot K. gar nicht hätte abtreten müssen. Sie passt ganz gut zum Verein. Dazu Prost!
bertholdalfredrosswag 05.08.2012
4. optional
Pfarrer feiert erotischen Gottesdienst Ja die "Fleischeslust" Der heilige Paulus hat sie eindeutig als vom Teufel stammend deklariert und die Gläubigen beschworen ihr zu widerstehen.. Räumt doch diesen ganzen Mist weg [...]
Pfarrer feiert erotischen Gottesdienst Ja die "Fleischeslust" Der heilige Paulus hat sie eindeutig als vom Teufel stammend deklariert und die Gläubigen beschworen ihr zu widerstehen.. Räumt doch diesen ganzen Mist weg und überlasst es dem Mensch und seinem unbefangenen Empfinden sich zu Recht zu finden. Schmitt`scher Unsinn ist das allemal. Wenn dieser Pfarrer den Weg für seine schrumpfende Existenzgrundlage verbreitern möchte, sollte er sich durch oder mit einer unbefangenen Ethiklehre die er Selbstübend vorlebt, denen nützlich machen die ihn bezahlen. Also denjenigen die seine Lehrstunden noch besuchen wollen. Wenn er dazu jedoch diesen Fabelgott zu Hilfe nehmen muss ist er so oder so ein Scharlatan und sollte sich nach einem anderen Broterwerb umsehen
flieder2 05.08.2012
5. Ach was!
Erotik und Lust sind keine vom Glauben abgetrennte Sperrgebiete! Spaetestens seit den sexuellen Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche wissen wir das doch! ( Ironie Ende). Protestantische Kirchenhaeupter duerfen [...]
Erotik und Lust sind keine vom Glauben abgetrennte Sperrgebiete! Spaetestens seit den sexuellen Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche wissen wir das doch! ( Ironie Ende). Protestantische Kirchenhaeupter duerfen heiraten, es gibt weibliche Pfarrer. Die sind in der realen Welt laengst angekommen. Nur, wasfarrer Schmidt betreibt, ist billiger Populismus. Gut, wems' gefaellt! Ich brauche das nicht.

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