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Panorama

Ein Jahr nach dem Brückeneinsturz in Genua

"Eine Apokalypse, die uns den Atem verschlagen hat"

Vor einem Jahr stürzte in Genua die Morandi-Brücke ein, 43 Menschen kamen ums Leben: In einer Zeremonie ist der Opfer gedacht worden. Die Stadt versucht, langsam von der Katastrophe loszukommen.

Tano Pecoraro/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Die Flagge von Genua weht über einem neu errichteten Teil der Brücke: Im August 2018 kamen 43 Menschen beim Einsturz der Morandi-Brücke ums Leben

Mittwoch, 14.08.2019   13:59 Uhr

Ein Jahr nach dem verheerenden Brückeneinsturz ist in Genua der Opfer gedacht worden. Während einer Gedenkfeier mit einem Gottesdienst erinnerte der Kardinal und Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, an den Vorfall als "eine Apokalypse, die uns den Atem verschlagen hat". Die Zeremonie fand am Ort der Tragödie und des Wiederaufbaus statt: mit Blick auf den ersten Stützpfeiler der neuen Brücke.

Am 14. August 2018 war ein etwa 180 Meter langes Stück der Fahrbahn der Morandi-Brücke mehr als 40 Meter in die Tiefe gestürzt - und mit ihr viele Autos, Lastwagen und deren Insassen. 43 Menschen kamen ums Leben. Die Bilder des Einsturzes während eines starken Unwetters gingen um die Welt. Unablässig suchten Rettungskräfte nach Verschütteten und bargen Opfer und Überlebende.

Tano Pecoraro/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Angelo Kardinal Bagnasco, Erzbischof von Genua, spricht während der Gedenkveranstaltung

Die Tragödie sei etwas gewesen, das "größer war als wir", sagte der Polizist Francesco Germano dem Rundfunksender Rai. Er entdeckte Überlebende in den Trümmern, "das hat uns die Kraft gegeben, weiterzusuchen". Noch immer werde in Genua jeden Tag über die Brücke gesprochen.

Die Abrissarbeiten der Überreste der Brücke wurden kurz vor dem Jahrestag abgeschlossen. Dies komme einer "definitiven Loslösung von einem Teil der Geschichte" gleich, sagte Erzbischof Bagnasco. Jetzt müsse man sich "ehrlich und entschlossen" in Richtung Zukunft orientieren. (Lesen Sie hier ein Interview mit dem Kardinal.)

Ende Juni gingen bei einer spektakulären Sprengung die Überreste auf der Ostseite des Polcevera-Tals zu Boden. Vor wenigen Tagen wurden auch die Reste auf der Westseite abgetragen. Der Aufbau der neuen Brücke ist in vollem Gange. Den Bau leitet Stararchitekt Renzo Piano, der selbst aus Genua stammt. Die neue Brücke soll im April 2020 fertig sein.

Nach Protesten: Atlantia-Delegation verlässt Zeremonie

Atlantia kontrolliert den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia. Gegen ihn und mehr als 70 Personen wird wegen des Brückeneinsturzes ermittelt. Nach einem Protest der Angehörigen verließ die Delegation des Konzerns Atlantia die Gedenkfeier. Noch immer ist unklar, wie es zu der Tragödie kommen konnte.

In die Schweigeminute um 11.36 Uhr, dem Zeitpunkt des Unglücks, läuteten in Genua die Glocken aller Kirchen und die Schiffshörner im Hafen ertönten.

Neben den Toten und ihren Angehörigen müsse man sich auch an diejenigen erinnern, die wegen der Katastrophe ihr Zuhause oder ihren Job verloren hätten, sagte Genuas Bürgermeister Marco Bucci, der auch der Sonderverwalter des Wiederaufbaus ist.

Regierungsvertreter wie Staatspräsident Sergio Mattarella, Ministerpräsident Giuseppe Conte und die beiden Vizepremierminister Matteo Salvini und Luigi Di Maio nahmen an der Veranstaltung in Genua teil.

cop/dpa

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