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Panorama

Kampf eines Pastors für Homo-Ehe

Schaefers Mission

Als sein schwuler Sohn heiraten wollte, traute ihn der methodistische Pastor Frank Schaefer in Massachusetts. Die Kirche suspendierte den gebürtigen Deutschen und stellte ihn vor die Wahl: Entweder bekennt er sich zu ihren Leitlinien - oder er verliert sein Amt. Nun muss er sich entscheiden.

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Montag, 16.12.2013   16:12 Uhr

Sechs Jahre hatte er Ruhe, bis die Geschichte mit seinem Sohn ihn doch noch einholte. Sechs Jahre, in denen es zwar Gerüchte gab, aber keine offizielle Beschwerde. Alles änderte sich im April dieses Jahres: Ein Gemeindemitglied zeigte Frank Schaefer an. Der 52-Jährige musste sich vor einer Jury verteidigen. Für einen Liebesbeweis, wie er findet. Für einen Verstoß gegen die Gesetze, so sieht es die Anklage.

Frank Schaefer hat kein Verbrechen begangen. Er hat einer Ehe seinen Segen gegeben, und deshalb droht ihm nun das Ende seiner beruflichen Existenz.

Schaefer, 52, ist methodistischer Pastor im US-Bundesstaat Pennsylvania. Er wurde in Wuppertal geboren und wuchs in Deutschland auf. Als junger Mann wanderte er in die USA aus, studierte Religionswissenschaft und schlug eine Priesterlaufbahn ein. Seit 2002 predigt er in der Kleinstadt Lebanon, "einer sehr konservativen Gegend", so Schaefer.

Als sein homosexueller Sohn Tim 2007 heiraten wollte, sagte Frank Schaefer zu, die Trauung zu übernehmen. Er informierte seine Vorgesetzten und erntete seinen Angaben zufolge keinen Widerspruch. Die Hochzeit fand im familiären Rahmen im Bundesstaat Massachusetts statt, wo die Homo-Ehe schon damals legal war. Seinen Gemeindemitgliedern in Lebanon erzählte Schaefer nichts. Er ahnte, es würde die Gemeinde spalten. Er sollte recht behalten.

Die evangelisch-methodistische Kirche heißt schwule und lesbische Mitglieder zwar offiziell willkommen, aber in ihrem "Book of Discipline" werden Grenzen deutlich: Gleichgeschlechtliche Ehen dürfen demnach nicht in methodistischen Kirchen und nicht von methodistischen Pastoren geschlossen werden. Praktizierende Homosexuelle sind vom pastoralen Dienst ausgeschlossen.

Evangelisch-methodistische Kirche

Der Umgang mit Homosexualität ist innerhalb der Kirche durchaus umstritten. Seit Jahren wird darüber debattiert. Immer wieder müssen methodistische Pastoren kirchenrechtliche Verfahren fürchten, weil sie gleichgeschlechtliche Paare trauen.

Frank Schaefer überwarf sich Anfang des Jahres mit seiner langjährigen Chorleiterin. Wenige Wochen später wurde er vom Sohn der Frau wegen der Eheschließung, die sechs Jahre zurücklag, angezeigt. Der Streit habe mit der Beschwerde nichts zu tun gehabt, beteuert der Mann. Schaefer spricht von einem "komischen Zufall".

"Gewissensfragen ändern sich nicht in 30 Tagen"

Als der Pastor Mitte November vor der Kirchenjury stand, trug er ein Tuch in den Farben des Regenbogens, um seine Solidarität mit der Schwulen- und Lesbenbewegung zu demonstrieren. Er wurde für 30 Tage von seinem Amt suspendiert. Die Jury stellte zudem eine Bedingung: Sollte er sich nicht wieder zu den Lehren der Kirche bekennen, müsse er sein Priesteramt aufgeben.

Die 30 Tage enden an diesem Donnerstag. Schaefer will sich von seinem Standpunkt nicht abbringen lassen. "Gewissensfragen ändern sich nicht in 30 Tagen", sagt er. Das "Book of Discipline" könne er nicht länger in Gänze anerkennen.

Schaefer sieht sich als Advokat der Homosexuellen-Bewegung in der methodistischen Kirche. Das war nicht immer so, als junger Mann hielt er Homosexualität für falsch, dann wurde er toleranter. Aber selbst nach der Hochzeit seines Sohnes war Schaefer kein öffentlicher Fürsprecher. Er wollte seine Beziehungen zu den Gläubigen in seiner Gemeinde nicht riskieren. Als die offizielle Beschwerde kam, blieb ihm keine Wahl. "Ich musste Farbe bekennen", sagt Schaefer.

Die "Washington Post" berichtete über den Fall, die "Los Angeles Times" und landesweite Fernsehsender ebenso. Er habe Hunderte aufmunternde Zuschriften bekommen, erzählt Schaefer. "Ich fühle wirklich Verantwortung - und ich habe diese Rolle angenommen. Ich sehe sie als Berufung, auch wenn ich sie ursprünglich nicht gewollt habe."

Durch seine Gemeinde in Lebanon geht ein Riss. Dass er der Ehe seines Sohnes den Segen gab, konnten die meisten noch verstehen. Doch als Schaefer sagte, dass er immer wieder so handeln würde, dass er Homosexualität nicht als Sünde betrachte, wandten sich viele von ihm ab. Früher kamen etwa 220 Menschen zum Gottesdienst, heute sind es nur noch halb so viele. Freundschaften seien zerbrochen, sagt Schäfer. "Es ist sehr schmerzhaft."

Freunde rieten ihm, sich öffentlich zum "Book of Discipline" zu bekennen - und sich im Stillen seinen Teil zu denken. Schaefer will nicht den einfachen Weg gehen, aber er will auch seine religiöse Heimat nicht verlieren. "Ich liebe es, Pastor zu sein", sagt er. Natürlich sei es schwer, jetzt möglicherweise alles zu verlieren. Aber er will es darauf ankommen lassen. Er will ein methodistischer Pastor sein und zugleich ein Verfechter der Homo-Ehe.

Das Kirchenrecht kann nur von der 1000-köpfigen Generalkonferenz geändert werden, dem höchsten Gremium der evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Alle vier Jahre tagt die Konferenz. Dort standen die Passagen zur Homosexualität schon häufiger zur Debatte, doch bisher wurden die alten Leitlinien immer wieder bestätigt, zuletzt 2012.

Die EmK befinde sich in einem intensiven Diskussionsprozess, wie praktizierte Homosexualität zu beurteilen sei, sagt Rosemarie Wenner, die Vorsitzende des internationalen Bischofsrates. Vor allem wegen der weltweiten Verbreitung der Kirche sei das eine große Herausforderung. Die Verhandlung in Pennsylvania sei sicher für alle Beteiligten und vor allem für Frank Schaefer sehr belastend und schmerzhaft gewesen, sagt Wenner.

Die methodistische Kirche sei in vielerlei Hinsicht fortschrittlich, sagt Frank Schaefer, nur der eine Punkt störe ihn. Er hat in den vergangenen Wochen weitere Pastoren um sich geschart, die ihn unterstützen. "Anstatt wegzulaufen, versuchen wir etwas zu verändern."

insgesamt 10 Beiträge
Steuerzahler0815 16.12.2013
1.
Der Mann blamiert uns Deutsche in der ganzen USA Das ist einfach ein unglaublicher Skandal Was bildet sich eine Einzelperson eigentlich ein sich über die Bibel zu stellen
Der Mann blamiert uns Deutsche in der ganzen USA Das ist einfach ein unglaublicher Skandal Was bildet sich eine Einzelperson eigentlich ein sich über die Bibel zu stellen
M. Michaelis 16.12.2013
2.
Er hat sich nicht an die Regeln seines Verein gehalten und jammert jetzt rum. Hinzu kommt dass man theologisch eine gleichgeschlechtliche Ehe einfach nur mit grössten Verrenkungen herleiten kann. Die wenigen Stellen die in der [...]
Er hat sich nicht an die Regeln seines Verein gehalten und jammert jetzt rum. Hinzu kommt dass man theologisch eine gleichgeschlechtliche Ehe einfach nur mit grössten Verrenkungen herleiten kann. Die wenigen Stellen die in der christlichen Bibel überhaupt Homosexualität ansprechen sind eindeutig ablehnender Natur. Der Staat hat es da leichter.
alyeska 16.12.2013
3. Quatsch ... Keiner blamiert uns Deutsche !!!
Fromm kann man auch ohne die Bibel sein und das Mittelalter ist schon lange vorbei. Mut hat er, Gratulation! Das fehlt leider Gottes viel zu Vielen.
Fromm kann man auch ohne die Bibel sein und das Mittelalter ist schon lange vorbei. Mut hat er, Gratulation! Das fehlt leider Gottes viel zu Vielen.
alyeska 16.12.2013
4. Wenn die Bibel Homosexualität ablehnt ...
... bin ich (bin selber nicht Homosexuell) gegen den Inhalt der Bibel. An Gott glaube ich trotzdem. Und daran kann mich keiner hindern.
... bin ich (bin selber nicht Homosexuell) gegen den Inhalt der Bibel. An Gott glaube ich trotzdem. Und daran kann mich keiner hindern.
helmutkuhn 16.12.2013
5. Konsequent sein
Wenn ich bei Mercedes arbeiten würde, dann müsste ich mich an die Regeln vom Mercedes halten. Wenn ich freiwillig (!) in der Methodistenkirche mitarbeite, dann muss ich mich sowohl an die Bibel als auch an die speziellen [...]
Wenn ich bei Mercedes arbeiten würde, dann müsste ich mich an die Regeln vom Mercedes halten. Wenn ich freiwillig (!) in der Methodistenkirche mitarbeite, dann muss ich mich sowohl an die Bibel als auch an die speziellen Doktrinen und Regeln halten. Die Kirche zwingt mich ja nicht, ihr treu zu sein. In der Kirche zu bleiben, und zu versuchen, entgegen ihrer eigentlichen doktrinalen Grundlage, der Bibel, zu arbeiten, ist widersprüchlich. Wenn ich die klaren Richlinien der Bibel nicht akzeptieren will, dann sollte ich doch konsequenter Weise aus der Kirche austreten, und mich auch nicht mehr Christ nennen. Die wahre Kirche Jesu ist nicht humanistisch zu betrachten, oder als eine Firma oder Organisation zu sehen. Sie existiert schon 2000 Jahre und hat viele Stürme erfolgreich überstanden.
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