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Panorama

Neues rechtsextremes Drohschreiben

Ermittler gehen von mindestens einem weiteren Täter aus

Die Drohung wurde mit "Staatsstreichorchester" unterzeichnet: Im Fall zahlreicher rechtsextremer Drohmails verhaftete die Polizei einen Verdächtigen. Nun ist ein neues Schreiben aufgetaucht.

Oliver Dietze/dpa

Rathaus in Kaiserslautern: Nach Bombendrohung im März geräumt

Dienstag, 09.04.2019   12:58 Uhr

Einen Tatverdächtigen konnten die Ermittler vergangene Woche fassen, nun ist erneut ein Schreiben mit rechten Gewaltandrohungen aufgetaucht. Dieses richte sich unter anderem an die Berliner Generalstaatsanwaltschaft, sagte ein Justizsprecher. Zuvor hatte das ARD-Magazin "Kontraste" darüber berichtet. In der Mail droht eine unbekannte Gruppe dem Bericht zufolge mit der Entstehung einer neuen Terrorgruppe.

"Wir nehmen das sehr ernst", sagte der Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Aktuell müsse von mindestens zwei Tätern ausgegangen werden. Ob und inwieweit diese zusammengearbeitet hätten, sei Gegenstand der Ermittlungen. Gegen den am Freitag gefassten Mann aus Schleswig-Holstein war am Samstag ein Haftbefehl vollstreckt worden. Der 31-Jährige soll mit den zahlreichen Mails in Zusammenhang stehen, die mit "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0" oder "Wehrmacht" unterschrieben worden waren.

100 Millionen Euro Kryptogeld gefordert

Den Angaben zufolge sind inzwischen Hunderte Drohschreiben Teil des in Berlin zentral geführten Ermittlungskomplexes. Die darin gesammelten Schreiben richteten sich auch an Politiker, Anwälte, Journalisten oder den Zentralrat der Juden. Im März wurden unter anderem der Hauptbahnhof Lübeck und mehrere Rathäuser vorsorglich geräumt. Zuvor hatte es auch in Frankfurt am Main Bombendrohungen gegen die Justiz gegeben. Ob alle Drohungen der vergangenen Monate mit dem aktuellen Ermittlungskomplex zusammenhängen, ist unklar.

In der neuen Mail droht der Absender dem "Kontraste"-Bericht zufolge unter anderem der Generalstaatsanwältin mit den Worten: "Sie möchten sicher nicht, dass eines Tages Frau Generalstaatsanwältin Margarete Koppers etwas zustößt, oder?" In der Mail fordert demnach eine bislang unbekannte Gruppe, die sich "Staatsstreichorchester" nennt, 100 Millionen Euro in der Kryptowährung Monero.

Sollte ihre Forderung nicht erfüllt werden, droht die Gruppe mit Gewalttaten. Wörtlich heißt es dem Bericht zufolge, dass sich "kein Jude, Moslem" oder linker Politiker und Journalist mehr sicher fühlen könne. Das Schreiben wurde demnach am frühen Sonntagabend verschickt, einen Tag nach der Verhaftung des 31-jährigen Tatverdächtigen aus Schleswig-Holstein.

apr/AFP

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