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Panorama

Kampf gegen Drogenmafia

Bürgerwehr-Anführer wegen Mordverdachts verhaftet

Er stand für den Widerstand gegen das Drogenkartell der Tempelritter, nun ist Hipólito Mora selbst ins Visier der Justiz geraten. Der Anführer einer Bürgerwehr im Westen Mexikos, wurde verhaftet - wegen Mordes an einem Kollegen.

DPA

Bürgerwehr-Chef Hipólito Mora (Archivbild): "Wir glauben nicht, dass er damit etwas zu tun hat"

Mittwoch, 12.03.2014   21:08 Uhr

Morelia - Im Westen von Mexiko ist ein prominenter Anführer der Bürgerwehren festgenommen worden. Hipólito Mora werde Beihilfe zum Mord an einem anderen Chef der Selbstverteidigungskräfte vorgeworfen, teilte das Innenministerium in der Nacht auf Mittwoch mit.

Die verbrannten Leichen des Bürgerwehr-Anführers Rafael Sánchez alias "El Pollo" und eines Begleiters waren am Wochenende in der Ortschaft Buenavista entdeckt worden. Es gebe überzeugende Hinweise, dass Mora an den Morden beteiligt war, sagte der Sicherheitsbeauftragte für den Bundesstaat Michoacán, Alfredo Castillo, im Fernsehen. Möglicherweise habe er sie auch in Auftrag gegeben.

Mora ist einer der bekanntesten Vertreter der Bürgerwehren, die in Michoacán gegen das Drogenkartell Tempelritter kämpfen. Die Schergen des am Sonntag erschossenen Gründers Nazario Moreno González pressen den Landwirten seit Jahren Schutzgelder ab.

Neben José Manuel Mireles und Estanislao Beltrán ist der Limonen-Bauer Mora aus der Ortschaft La Ruana ein Repräsentant der Bewegung. Beltrán nimmt den Festgenommenen in Schutz: "Wir glauben nicht, dass er damit etwas zu tun hat."

Mora mit Hubschrauber in Sicherheit gebracht

Doch die fragile Ruhe in der Region ist bedroht. Die Regierung des Bundesstaats teilte mit, dass es zu Spannungen zwischen den verschiedenen Fraktionen innerhalb der Bürgerwehren gekommen sei. Nach dem Mord rückte am Montag eine Gruppe in La Ruana ein und forderte die Auslieferung der Täter. Die Bundespolizei musste Mora mit einem Hubschrauber in Sicherheit bringen.

Die Tempelritter haben ihre Operationsbasis im Bundesstaat Michoacán, vor drei Jahren sind sie erstmals an die Öffentlichkeit gegangen. Vor rund einem Jahr griffen die Bürger in Michóacan zu den Waffen und befreiten zunächst einige Dörfer in der Region Tierra Caliente von den Tempelrittern. Im Dezember starteten sie eine Großoffensive und überrannten weite Teile des Bundesstaats.

Die Regierung stimmte schließlich der Legalisierung der Selbstverteidigungskräfte zu. Allerdings müssen sich die mexikanischen Sicherheitsbehörden mittlerweile wieder mit den selbstbewussten Bürgerwehren beschäftigen: Zuletzt gab es immer wieder Hinweise darauf, dass sie selbst in Verbrechen verwickelt sind.

sun/dpa/Reuters

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